Wie unabhängig ist Christa Rigozzi?

Christa Rigozzi wird «Arena/Reporter» co-moderieren und weiterhin werben – laut SRF kein Problem.

Trotz Werbeverträgen ist die Unabhängigkeit von Christa Rigozzi laut SRF gewährleistet. Hier an einem Event mit Robert Oudmayer, CEO von Cembra Money Bank, und Andre Bernheim, CEO von Mondaine.

Trotz Werbeverträgen ist die Unabhängigkeit von Christa Rigozzi laut SRF gewährleistet. Hier an einem Event mit Robert Oudmayer, CEO von Cembra Money Bank, und Andre Bernheim, CEO von Mondaine. Bild: Nick Soland/Keystone

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Wie am Montag bekannt wurde, ist Christa Rigozzi das Aushängeschild der neuen SRF-Sendung «Arena/Reporter». In dieser wird sie als Co-Moderatorin von Jonas Projer über gesellschaftspolitische Themen diskutieren. Doch ist sie dafür überhaupt genügend unabhängig? Rigozzi ist Werbeträgerin unter anderem für Chocolat Frey und Cembra Money Bank. Damit könnte sie sich als Moderatorin des Senders Interessenkonflikten ausgesetzt sehen.

Laut den «Publizistischen Leitlinien» für alle Festangestellten von SRF soll genau dies vermieden werden: «Wenn die Gefahr besteht, dass Interessenbindungen einen Einfluss auf unsere journalistische Arbeit haben, treten wir in den Ausstand. Diese Regel gilt auch, wenn nur schon der Anschein von Befangenheit entstehen könnte.» Weil nun aber Christa Rigozzi bei SRF nicht fest angestellt sei, sagt Stefan Wyss, Mediensprecher von SRF, sehe der Sender die Unabhängigkeit Rigozzis als gewährleistet an.

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Ist es in Ordnung, dass Christa Rigozzi «Arena/Reporter» co-moderiert und gleichzeitig in Werbungen auftritt?





In den Richtlinien des SRF findet sich aber auch ein eigenes Kapitel zu Nebenbeschäftigungen, ausserberuflichen Tätigkeiten und Werbeauftritten. Diesem zufolge sind Werbeauftritte von Mitarbeitenden «an gewisse Voraussetzungen gebunden und bedürfen einer Bewilligung der Abteilungsleitung». Kein Problem, sagt Wyss auch hier, da das Werbeverbot ausschliesslich für feste Mitarbeiter gelte, zu denen Rigozzi nicht gehört: «Es ist also auch eine Frage der Verhältnismässigkeit, dass für Christa Rigozzi nicht die gleichen Regeln gelten können wie für jemanden, der in einem Vollpensum arbeitet.» In den öffentlich einsehbaren «Publizistischen Leitlinien» wird auf Details dieser Regelungen im Anhang des Dokumentes verwiesen. Was steht dort? Hier handle es sich, laut Wyss, um interne Dokumente, für die Öffentlichkeit nicht einsehbar.

Der Fall Beatrice Müller

Bereits 2012 gab es bei SRF einen vergleichbaren Fall: Die ehemalige «Tagesschau»-Moderatorin Beatrice Müller wurde von einer Kommunikationsagentur eingeladen, gegen Entgelt ein Medientraining zu geben. Müller argumentierte, dass sie als Teilzeitangestellte «grundsätzlich ein Recht auf eine Nebenbeschäftigung» habe. Für den einstigen «Kassensturz»-Chef Peter M. Wettler war dies aber ein Skandal, da durch die mangelnde Distanz zu Akteuren der Wirtschafts- und Politwelt «kritische Berichterstattung und Interviews unmöglich geworden» wären. Beatrice Müller zog damals kurzfristig die Konsequenzen und sagte ihre Teilnahme ab.

Bei Christa Rigozzi dürfte deshalb ihre Rolle in der Sendung entscheidend sein: «Sie soll die Stimme des Publikums sein, indem sie die Politiker immer wieder mit Fragen und Anliegen des Publikums konfrontieren wird», so Stefan Wyss. Es klingt, als wäre sie ausschliesslich für die Interaktion mit dem Publikum zuständig und hätte gar nicht die Funktion einer Moderatorin. Sind dadurch die Sorgen um ihre Unabhängigkeit grundlos? Wyss bejaht: «Christa Rigozzi wird sich während der Dauer ihres Engagements nicht politisch äussern und unparteiisch sein.» Die vollständige Unabhängigkeit der Sendung sei mit ihr und Jonas Projer als verantwortlichem Redaktionsleiter garantiert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2017, 19:03 Uhr

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