Will das SRF einen neuen Schweizer «Tatort»?

«Stefan Gubser ist bekannt, dass wir in die Zukunft gucken und uns einen anderen ‹Tatort› vorstellen können», heisst es beim SRF.

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Es gibt Gerüchte, deren Bedeutung weniger in ihrem Wahrheitsgehalt liegt als in der Tatsache, dass sie existieren. Für ein solches sorgt derzeit der Schweizer «Tatort» aus Luzern, mit Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser). Das Schweizer Fernsehen, wird gemunkelt, wolle ein neues Team und einen neuen Standort.

Ruft man bei SRF an, erhält man auf die entsprechende Frage ein Jein. Die nächsten Jahre mache man mit Luzern weiter, so der Bereichsleiter Fiktion, Urs Fitze. Man evaluiere aber stets neue Möglichkeiten – auch beim «Tatort»; die Entwicklungszeit von neuen Formaten sei schliesslich beträchtlich. Stefan Gubser weiss offenbar von der Möglichkeit, abgelöst zu werden. Man habe mit ihm gesprochen, heisst es beim SRF: «Stefan Gubser ist bekannt, dass wir in die Zukunft gucken und uns einen anderen ‹Tatort› vorstellen können.»

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Braucht die Schweiz ein neues Tatort-Team?




Die ARD habe dem Schweizer «Tatort» ein gutes Zeugnis ausgestellt, das Team sei in seiner Rolle angekommen. «Doch gerade in stressfreien Zeiten haben wir Zeit, uns zu fragen, was sonst noch möglich wäre», sagt Fitze und verweist auf den «Bestatter»: Auch dieser werde trotz des riesigen Erfolgs nicht ewig weitergeführt.

Freilich, sogar die weltweite Hitserie «Game of Thrones» geht einmal zu Ende. Doch der «Tatort» ist keine Serie, die in Staffeln erzählt wird. Die 90-minütigen Filme stehen für sich, das einzige horizontal erzählte Element in ihnen sind die privaten Probleme der Polizisten. Neben den Kriminalfällen lebt der «Tatort» also von diesen Figuren, die im Idealfall über Jahrzehnte Kultstatus erreichen. Einen solchen Polizisten entwirft man nicht über Nacht am Reissbrett. Er oder sie muss sich bewähren und entwickeln.

Krasse Antihelden

Vor allem muss die Figur in ihrer Anlage stimmig sein. Flückiger aber hatte einen denkbar holprigen Start. Vom Bodensee-«Tatort» importiert, wurde der Figur zuerst eine lachhafte US-Polizistin zur Seite gestellt, die nach der ersten Folge wieder verschwand und mit Liz Ritschard (Delia Mayer) ersetzt wurde. Besagte Episode, von Fitzes geschasstem Vorgänger Peter Studhalter abgesegnet, musste unter medialem Getöse verbessert und verschoben werden. Vier Jahre ist das her. Seither hat Reto Flückiger in sieben Fällen ermittelt. «Natürlich überlegen wir uns, wie viele Folgen er insgesamt bekommen soll», sagt Fitze: «Solange der ‹Tatort› beim Publikum ankommt, werden wir damit weiterfahren.»

Die Information ist zweideutig. Der Luzerner «Tatort» verzeichnet in der Schweiz gute Quoten. In Deutschland liegt er abgeschlagen auf dem letzten Platz aller «Tatort»-Teams.

Die damit einhergehende Diskussion ist ein Dauerbrenner: Was machen wir falsch? Liegts an der Synchronfassung, die in Deutschland zu sehen ist? Sollte man untertiteln? Oder ist halt doch der Kommissar das Problem – hat er zu wenig Ecken und Kanten? Im goldenen Zeitalter der TV-Serien mit ihren krassen Antihelden kommt das Team aus Luzern tatsächlich ziemlich konzeptlos daher.

Auf die Deutschland-Problematik angesprochen, verweist Fitze auf die schlechten Sendeplätze, die den Schweizern und Österreichern von den Deutschen jeweils zugewiesen werden: im Hochsommer, am Ostermontag oder einmal gar während eines Fussballspiels der deutschen Nationalmannschaft.

Ob da ein Zürcher oder Berner Kommissar etwas ausrichten könnte? Der Tatort «Tatort» bleibt spannend.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2015, 09:41 Uhr

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