«Wir haben uns ein grösseres Publikum erhofft»

Die Zuschauerzahlen der zehnstündigen Livedoku «Züri West by Night» blieben weit unter den Erwartungen – und das bei grossem Aufwand. Was sagt man bei SRF dazu?

Nicht viele wollten den anderen beim Partymachen zuschauen. Blick von Frau Gerolds Garten in Richtung Prime Tower.

Nicht viele wollten den anderen beim Partymachen zuschauen. Blick von Frau Gerolds Garten in Richtung Prime Tower.

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Herr Wyss, vor zwei Wochen sahen in der Primetime 78'000 Zuschauer die Live-Sendung «Zürich West by Night». Am Ende der 10-stündigen Übertragung waren es noch 8000. Was sagen Sie dazu?
Wir haben uns ein grösseres Publikum erhofft – auch wenn wir uns bewusst waren, dass es schwierig würde, eine sechsstellige Zuschauerzahl zu erreichen.

Woran lag es, dass die Zuschauerzahlen so tief waren?
Ein Faktor war sicher die grosse hauseigene Konkurrenz des Freitagabends («SRF bi de Lüt – Wunderland», DOK-Serie «Die Donau», «Arena», «A Clockwork Orange»). Aber so schlecht war die Zuschauerbeteiligung auch wieder nicht: Ein Indiz dafür sind die sehr vielen Tweets zur Ausgehnacht : Noch nie hat eine Livereportage derart viel Gezwitscher ausgelöst. Im Social-Media-Bereich hat Zürich-West bestens funktioniert.

Warum stiess die Dok «360° Langstrasse» auf grosses Interesse und «Zürich West by Night» nicht?
Eine zehnstündige Livesendung lässt sich nicht einfach mit einer 45-minütigen Dokumentation vergleichen – da spielt ein anderes Sehverhalten: Man schaut ein bisschen rein, geht auf ein anderes Programm, kommt zurück, bleibt noch einmal ein paar Minuten - wir gehen davon aus, dass die Sendung insgesamt von sehr, sehr viel mehr Leuten als die Zuschauerdurchschnittszahlen vorgeben, beachtet wurde. «Zürich West by Night» fand im Vorfeld Beachtung wie keine der Livereportagen zuvor. Alles haben wir nicht falsch gemacht. Es ist aber wohl einfach so, dass wir die Exotik einer Ausgehnacht, den Reiz einmal hinter die Kulissen dieser Szene zu schauen, wohl etwas überschätzt haben.

Funktionieren folkloristische Themen besser als urbane Themen?
Mit der Hausverschiebung in Oerlikon hat sich eine Livereportage auch sehr erfolgreich mit einem urbanen Thema befasst. Alle bisherigen Livereportagen (Hausverschiebung, Alpabfahrt, Bundeshaus, Landsgemeinde) waren höchst erfolgreich. Nun hat es – ausgerechnet bei einem urbanen Thema – nicht ganz funktioniert.

Werden Sie wieder einmal eine solche Reportage aus einer Stadt senden?
Sicher müsste die Anlage anders sein. Es wäre aber falsch, aufgrund von «Zürich West by Night» abzuleiten, dass es solche Livereportagen nicht mehr geben darf.

Wer entscheidet über die Themen von Sendungen dieser Grösse?
In diesem Fall die Chefredaktion.

Wie hoch lagen die Kosten der Sendung total?
Genaue Zahlen geben wir nicht bekannt. Aber natürlich hat die Sendung einiges gekostet – die Kosten sind allerdings in Relation zu den zehn Stunden Sendezeit relativ gering.

Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen aus dem Ergebnis der Sendung?
Die Reportage hatte viele tolle, bildstarke Elemente – in den Liveteilen, aber z.B. auch mit den Zeitraffern. Sie hatte auch journalistisch, z.B. in den Gesprächen mit Alt-Stadtpräsident Ledergerber, dem Quartiervereinspräsidenten, den Leuten von Eve & Rave oder der Frauenberatungsstelle Flora Dora, einiges zu bieten. Es gab spannende und hintergründig-vertiefende Einblicke – auch auf die Schattenseiten der 24-Stunden-Gesellschaft. Solche Livereportagen sind immer auch ein Experimentierfeld – so haben wir unter anderem neue mobile Technik erfolgreich getestet; viele junge Reporterinnen und Moderatoren haben erstmals an einer solchen Langzeitreportage mitwirken können und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt. Natürlich werden wir die Erfahrungen dieser Nacht auswerten und Konsequenzen daraus ziehen – nur: Solche Langzeitreportagen haben eigene Gesetzmässigkeiten, sind immer einmalige Produktionen ohne Netz und doppelten Boden; insofern können wir nicht garantieren, dass wir immer nur Highlights produzieren.

Erstellt: 21.06.2013, 10:40 Uhr

Stefan Wyss, Mediensprecher von Schweizer Radio Fernsehen, Projektleiter CR Radio und CR TV.

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