Zurück ohne Zukunft

Der Schauspieler Michael J. Fox macht seine Parkinson-Erkrankung in einer TV-Show zur Dauerpointe.

«So bin ich nun mal»: Michael J. Fox auf Pressetour Ende Juni in Kalifornien.

«So bin ich nun mal»: Michael J. Fox auf Pressetour Ende Juni in Kalifornien. Bild: Keystone

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Er fuhr mit einem Sportwagen als Zeitmaschine in die Fünfzigerjahre und wieder retour, flog in die Zukunft und kehrte von dort über den Wilden Westen in die Achtzigerjahre zurück.

Heute kann sich Michael J. Fox nicht einmal in der Gegenwart richtig bewegen. Und weiss, dass sich sein Zustand bis zum Tod verschlechtern wird. Der kanadisch-amerikanische Schauspieler, in den 80er-Jahren weltberühmt geworden mit der «Back to the Future»-Trilogie von Robert Zemeckis, leidet an der Parkinsonkrankheit. Jetzt hat er beschlossen, seine Krankheit in eine 13-teilige Fernsehserie zu exportieren, die im September mit ihm in der Hauptrolle anläuft. «So bin ich nun mal», sagt er: ein kranker Schauspieler.

Ausgerechnet er, der in Erfolgsserien wie «Family Ties» und Jugendfilmen wie «The Secret of My Success» oder «Bright Lights, Big City» mit Witz, Tempo und amerikanischer Sorglosigkeit dem Happy End zutrieb, tritt heute als Krüppel auf. Ausgerechnet er, der für seine Umgänglichkeit geschätzt und für seine Arbeitsdisziplin bewundert wurde, kann nicht mehr spielen.

Und ausgerechnet zu einer Zeit, in der Michael J. Fox einen aufschneiderischen Arzt spielte («Doc Hollywood», 1991), traten die ersten Symptome seiner Krankheit auf. Ein Jahr später bestätigten seine Ärzte die Diagnose. Fox, damals erst dreissig Jahre alt, geriet in eine Krise, begann zu trinken und zog sich zunehmend von der Schauspielerei zurück. Aber wie es sich für amerikanische Erfolgsgeschichten gehört, überwand der vierfache Vater seine Sucht, stellte sich seiner Krankheit, machte sie öffentlich und engagiert sich seither für ihre Behandlung und deren Weiterentwicklung.

Dazu gehört die Stammzellenforschung, die in den USA aus religiösen Gründen umstritten bleibt. Als Fox sich, von Zuckungen geschüttelt, in Fernsehspots für sie aussprach, verhöhnte ihn der republikanische Polemiker Rush Limbaugh in seiner Radiosendung. Und warf ihm vor, er habe im Dienste der Sache mit Absicht seine Medikamente nicht genommen oder sein Gebrechen übertrieben.

Nun sind solche Zuckungen kein Symptom der Krankheit, sondern eine Nebenwirkung ihrer Behandlung. Was Limbaugh – selber jahrelang von Schmerzmitteln abhängig – nicht daran hinderte, seine Unterstellung weiter zu verbreiten. Im Wissen, dass ganz Amerika tagelang von ihm reden würde. Fox liess sich nicht provozieren, sondern reagierte mit einer Souveränität auf die Unterstellungen, die ihn noch populärer machte, als er schon war. Ein Star mit Ironie, ein Schwerkranker mit Humor, der sich im Untertitel seiner Autobiografie als unverbesserlicher Optimist bezeichnet: So einen mögen alle.

Was auch den Überschwang erklärt, mit dem die amerikanischen Medien auf die soeben angekündigte neue Fernsehserie reagiert haben (TA vom vergangenen Dienstag). Sie trägt den wenig subtilen Titel «The Michael J. Fox Show» und handelt vom Fernsehjournalisten Mike Fox, der an Parkinson leidet, damit seine Familie in den Wahnsinn treibt und zu ihrer Erleichterung an seinen Arbeitsort zurückkehrt. Anders, als der Krankheitsverlauf vermuten lässt, und typisch für die Komödien seiner Karriere ist die Serie als Farce angelegt: Fox macht seine Symptome zur Pointe. Wir warten gespannt auf die republikanische Deutung.

Erstellt: 02.08.2013, 08:32 Uhr

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Der Trailer zur Show: Michael J. Fox auf NBC.

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Kontroverse: Fox reagiert auf Rush Limbaughs Kommentare.

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Zurück in die Vergangenheit: Mit «Back to the Future» wurde Michael J. Fox berühmt.

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