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Arte – der etwas andere Sender

Der Gemeinschaftssender Arte sollte ursprünglich die angeschlagene Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich verbessern. Inzwischen hat sich der Kulturkanal eine feste Nische erkämpft - und setzt auf Innovation.

Mehr Präsenz im Internet: Arte nutzt die modernen Technologien.
Mehr Präsenz im Internet: Arte nutzt die modernen Technologien.

Als am 2. Oktober 1990 in Berlin der Gründungsvertrag für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte unterzeichnet wurde, glaubte in der Branche kaum jemand an die Zukunft des ungewöhnlichen Vorhabens. Zumal es von Politikern ausgeheckt wurde: Mit dem gewagten Experiment wollten der damalige französische Präsident François Mitterrand und Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) der lahmenden deutsch-französischen Freundschaft neuen Schwung geben. Heute müssen die Spötter von damals zugeben, dass sie sich geirrt haben: Arte hat sich in beiden Ländern einen festen Platz erobert - wenn auch nur eine kleine Nische.

Vom politischen Symbol für die Achse Berlin-Paris hat sich der Kulturkanal mit Sitz in Strassburg zu einem vielgelobten Qualitätssender gemausert, der sich nicht nur wegen der zweisprachigen Programme von der Konkurrenz unterscheidet. Die ist in den vergangenen Jahren in Deutschland und Frankreich zahlreicher geworden, durch Kabel- und Digital-Fernsehen. Dennoch gibt sich Arte-Präsident Gottfried Langenstein optimistisch. «ARTE braucht sich keine Sorgen um sein Image zu machen», sagt der ZDF-Mann, dessen Mandat an der Spitze des Kulturkanals zum Jahreswechsel zu Ende geht.

Eigenwilliges Profil

Sein eigenwilliges Profil kann der Kulturkanal pflegen, weil er ganz aus den Fernsehgebühren finanziert wird und somit auf Werbeeinnahmen verzichten kann. Die Arte-Macher brauchen somit im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nicht ständig auf die Einschaltquoten zu schielen, die nach wie vor relativ bescheiden sind. In Deutschland liegt der Marktanteil knapp unter einem Prozent. In Frankreich war die Quote nach Einführung des digitalen Fernsehens vor zwei Jahren, das Arte eine deutlich rüdere Konkurrenz bescherte, zunächst auf zwei Prozent abgesackt und liegt nun wieder bei 2,5 Prozent.

Der Sender habe sich eine feste «Stammzuschauerschaft» erobert, stellt Langenstein fest. Nach seinen Angaben schalten in Frankreich regelmässig neun Millionen Menschen Arte an, in Deutschland etwa sechs Millionen. Selbst ausgesprochene Publikumserfolge kann der Sender vorweisen, wie die Koproduktion «Die Flucht» über die Vertreibung der Ostpreussen im Zweiten Weltkrieg. Der Film wurde in Deutschland von 2,5 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte damit einen Marktanteil von zehn Prozent. In Frankreich erzielte ein Film über die Landung der Alliierten in der Normandie mit 3,3 Millionen Zuschauern einen Marktanteil von über 15 Prozent - ein Rekord für Arte.

Mehr Präsenz im Web

Die grösste Herausforderung steht dem Sender freilich noch bevor, weil das Internet das Verhalten vor allem der jüngeren Leute grundlegend verändert hat und das «klassische» Fernsehpublikum somit immer älter wird. Die Verantwortlichen des Kulturkanals setzen daher zunehmend auf Präsenz im Web. So bietet Arte+7 die Möglichkeit, Programme eine Woche lang im Internet zu sehen.

Neuland betrat der Sender auch mit eigens fürs Netz produzierten «Web-Doks» - etwa über das Alltagsleben im Gazastreifen und in der israelischen Kleinstadt Sderot («Gaza-Sderot»). Oder mit der Dokumentation «Prison Valley» über ein abgelegenes Tal im US-Bundesstaat Colorado, wo die meisten der 36'000 Menschen in 13 Gefängnissen leben. Ähnliche Web-Doks sind über die Drogenszene in der südwestfranzösischen Stadt Bordeaux und den Alltag in New York in Arbeit.

Wie alle Sender müsse auch Arte versuchen, mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten, erläutert Langenstein. Dies setze angesichts der rasanten Entwicklung allerdings schnelle Reaktionen voraus: «Wir können heute höchstens für drei, vier Jahre vorausplanen, länger geht das nicht.»

(AFP)

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