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Mit neuer Funktion soll man Netflix-Filme und -Serien in 0,5- bis 1,5-facher Geschwindigkeit anschauen können. Star-Regisseure sind erzürnt.

Soll ich den Film schneller oder langsamer anschauen? Szene aus der Netflix-Produktion «The Politican». Foto: PD

Soll ich den Film schneller oder langsamer anschauen? Szene aus der Netflix-Produktion «The Politican». Foto: PD

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Der Streamingdienst Netflix testet derzeit eine Funktion, mit der Kunden Filme und Serien langsamer oder schneller anschauen können, genauer gesagt in 0,5- bis 1,5-fachem Tempo. Damit dürfen ausgewählte Testkunden mit Androidgeräten jetzt herausfinden, ob langweilige Filme weniger langweilig sind, wenn man sie anderthalbmal so schnell abspielt – und Thriller spannender, wenn man nach der Hälfte der Zeit weiss, wer der Mörder ist.

Das Scorsese-Mafia-Epos «The Irishman», das in wenigen Wochen auf Netflix startet, soll statt in 210 Minuten so in unter drei Stunden zu bewältigen sein. Und alle sechs Staffeln «House of Cards» gibt es mit dem neuen Feature für schmale 55 statt 73 Stunden.

«Wollen Kunden jetzt auch 1,5-mal schneller essen und Sex haben?» Peter Ramsey, Regisseur von «Spider-Man»

Neu ist die Funktion nicht: Komprimierten Seh- und Hörgenuss bieten Youtube und Podcastdienste seit Jahren an – und Nutzern gefällt das. Unter Filmemachern dagegen regt sich der Widerstand. Nachdem Netflix-User bereits Intro und Abspann von Filmen und Serien überspringen und damit die Namen der Macher in die Bedeutungslosigkeit klicken können, wird der Zeitraffer-Button als zusätzliche Beleidigung gesehen. Werke würden damit endgültig nicht mehr so rezipiert werden, wie sich deren Schöpfer das ausgemalt hätten, so der Tenor.

Der Regisseur Peter Ramsey («Spider-Man») twitterte: «Wollen Kunden jetzt auch 1,5-mal schneller essen und Sex haben? Muss wirklich alles für die Faulsten und Geschmacklosesten entworfen werden?» Auch der Regisseur von «Die Unglaublichen», Brad Bird, hält den Test für eine ausnehmend schlechte Idee und sieht darin einen «weiteren Schnitt in eine eh schon ausblutende Kinoerfahrung».

Und Comedy-Produzent Judd Appatow, der unter anderem die Netflix-Serie «Love» mitproduzierte, drohte dem Streamingdienst mit Konsequenzen und jammerte: «Nein, @Netflix nein. Zwingen Sie mich nicht, jeden Regisseur und Serienschöpfer auf der Erde anzurufen, um gegen Sie zu kämpfen. Wir geben dir schöne Dinge. Lassen Sie sie so, wie sie gesehen werden sollten.»

Netflix selbst ist nach der Kritikwelle in einem offiziellen Statement zurückgerudert: Derzeit teste man das Feature nur an einigen ausgewählten Nutzern der Netflix-App auf Androidgeräten – dabei werde darauf geachtet, dass sich die Abspielgeschwindigkeit nicht standardmässig voreinstellen lasse. Unter Umständen wolle man die Zeitraffer-Funktion auch nicht dauerhaft einführen.

Zusätzlich betonte die Vizepräsidentin Keela Robison, dass das neue Feature unter anderem dazu diene, Lieblingsszenen unter die (Zeit-)Lupe zu nehmen oder fremdsprachige Titel besser zu verstehen.

Erstellt: 01.11.2019, 06:07 Uhr

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