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Bonnie und Clyde auf dem Plattenbaudach

Ein junges Verbrecher-Pärchen auf der Flucht: Der neuste «Tatort» hatte ein berühmtes Vorbild.

«Sie lügt – er träumt. Eine gefährliche Mischung», analysiert Kommissar Ballauf im neuen Kölner Tatort «Kartenhaus». Ein junger Mann aus armen Verhältnissen liebt ein Mädchen aus dem reichen Villenviertel. Er träumt von der weiten, freien Welt mit ihr, und sie behauptet, ein Vergewaltigungsopfer zu sein. Dass das nicht gutgehen kann, war in den ersten fünf Minuten bereits klar. Die Kölner Kommissare hatten es mit der deutschen Version von Bonnie und Clyde zu tun.

Laura packt tanzend ihre Kleider für die Flucht ein. Um Mitleid und Liebe von ihrem Freund zu bekommen, glaubt sie, ihn mit Vergewaltigungslügen versorgen zu müssen. Adrian aus dem Kölner Getto nimmt seiner Freundin die Lügen ab und tötet aus Rache den Stiefvater in der Küche ihrer Villa. Innert Kürze finden die Kommissare eine weitere Leiche, was der Spannung nicht förderlich ist. Die Kommissare und das Paar bieten sich 90 Minuten lang eine Verfolgung. Wobei es übertrieben wäre, die Jagd als wild zu bezeichnen. Überstürzt und überfordert wechseln die Verliebten vom Luxushotel in eine Junkie-Wohnung. Während Bonnie und Clyde sich eine irrwitzige Verfolgungsjagd quer durch Amerika mit der Polizei bieten, kommt das Kölner Paar gerade bis zum Stadtrand. Ballauf und Schenk hinken den zwei stets einen Schritt hinterher. Regisseur Sebastian Ko unterstreicht die träge Verfolgung mit passenden Bildern, etwa einem Plastiksack, der vom Wind getragen, langsam über einen Parkplatz schwebt.

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