Büsis mit Biss

SRF-«DOK» hat Katzen und ihre Menschen begleitet und dabei grandiose Szenen eingefangen.

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Es heisst, Katzen hätten sieben Leben. Also sechs mehr als Lebewesen normalerweise haben, was sonderbar ist, irgendwie skurril. Wie ist das möglich? Sind Katzen besonders zäh oder besonders geschickt oder haben einfach nur besonders viel Glück?

Dieselbe Frage könnte man auch in Bezug auf den Reporter Hanspeter Bäni und sein Team stellen, die für ihren «DOK» Katzen und ihre Menschen begleiteten und es schafften, wunderbar schräge Szenen einzufangen, bei denen man sich fragte: Wie ist das möglich? Waren die «Katzen»-Reporter besonders geschickt oder besonders beharrlich, oder hatten sie einfach nur besonders viel Glück?

Katzenbiss kann tödlich enden

Da war zum Beispiel ein Hobbyzüchter: In seinem 15-Zimmer-Haus sind 12 für seine geliebten Rassetiere reserviert. An Schönheitswettbewerben gewinnen sie zuverlässig Trophäen. Aber ausgerechnet, als das Reporter-Team den Hobbyzüchter zu einem dieser Anlässe begleitete, büxte sein Prachtstier aus und rammte auf seiner Flucht durch die Halle einem Verfolger die scharfen Zähne in die Hand.

Während der Verletzte so auf dem Boden kauerte und sich das Blut auf seinen Händen ausbreitete, erklärte eine zu Hilfe geeilte Katzenfreundin dem Reporter, dass so ein Biss sehr gefährlich enden könne – ein Abszess könne sich entwickeln oder sogar eine Blutvergiftung. Es seien schon manche Leute daran gestorben, sagte die Frau, während der arme Mann nebenan vor sich hin blutend auf ein positiveres Schicksal hoffte.

Büsi vermasselt die Szene

Er hat den Angriff offenbar überlebt, anders als diverse andere Protagonisten im Film. Es traf unter anderem Eidechsen – ein beliebter Snack für Katzen. Büsis mögen harmlos aussehen: Sie sind und bleiben aber Jäger, töten hierzulande fast zwei Millionen Vögel jährlich und schätzungsweise 600'000 Reptilien und lassen ihre Pfoten auch nicht vor bedrohten Tieren. Johannes Jenny von der Pro Natura Aargau beobachtet das mit Sorge und fordert seit Jahren, dass herrenlose Katzen von Jägern abgeschossen werden dürfen. Damit zog er den Zorn zahlreicher Tierfreunde auf sich.

Jenny versuchte dem Reporter zu demonstrieren, dass er gar kein Feind, sondern ein Freund von Katzen sei, was ihm aber vor laufender Kamera nicht so recht gelingen wollte. Die störrische Hauskatze wollte partout nicht mit seinem Herrchen kuscheln, so sehr er sich auch bemühte. In der nächsten Szene wollte Jenny dem Reporter seinen Garten zeigen, wo ein kleines Paradies für Eidechsen und andere Wildtierchen entstehen soll. Just diesen Moment nutzte die Katze für einen Angriff und schnappte sich die erstbeste Eidechse. Johannes Jenny nahm es mit Humor.

Von Luxushotels und ausgestopften Katzen

Es war ein Leckerbissen fürs Büsi – und für die Zuschauer auch. Hanspeter Bäni liess für seine Reportage keinen Aspekt zum Thema Hauskatzen aus. Er besuchte eine Tierhandlung und liess sich die üppige Auslage zeigen – es gibt alles, wirklich alles für die Katz: ein Minisofa, einen Kratzbaum aus Olivenholz für 1690 Franken, Bachblüten, Multivitaminpasten, Katzenparfüms und – topaktuell – ein Einhorn-Katzenspielzeug gefüllt mit Baldrian. 420 Millionen Franken geben Herrchen und Frauchen Schweizer jährlich für ihre Büsis aus.

Der Reporter checkte in ein Luxushotel für Katzen ein mit «Suiten» (man lasse sich vom Begriff nicht täuschen, «Räume mit Gitterkäfigen» trifft es besser) für bis zu 140 Franken pro Nacht. Dafür können die Katzen unter anderem Fernsehschauen via Flatscreen oder mit ihren Besitzern skypen. Die 100 Plätze seien nahezu ständig ausgebucht, sagte die Hotelinhaberin, die nach eigenen Angaben damit nicht nur reich geworden ist in den vergangenen Jahren, sondern Multimillionärin.

Das Filmteam war dabei, als an einem Tag achtzig Katzen kastriert wurden, um deren rasante Verbreitung zu bremsen, als eine Tierkommunikatorin einem Büsi per Telepathie den baldigen Tod voraussagte und dieses später auch noch von einem Tierarzt nur eine 30-prozentige Überlebenschance bekam. Auf wundersame Weise erholte sich die Katze jedoch und war am Ende geradezu quietschfidel. Anders als die Büsis einer Frau, die mehrere Lieblinge nach deren Ableben ausstopfen liess, damit sie immer bei ihr sein können.

Geschickt beim Casting, hartnäckig bei Fragen

Hanspeter Bäni traf Katzenliebhaberinnen – verwöhnende und überforderte, engagierte und vernachlässigende – und verpasste es nie, auch unangenehme Fragen zu stellen, auf die er immer eine offene Antwort bekam. Keiner der Protagonisten – so eigen die meisten von ihnen waren – wurde dabei blossgestellt.

Das «DOK»-Team hat alles richtig gemacht. Es war geschickt bei der Auswahl der Protagonisten, hartnäckig beim Nachfragen und hatte sicher auch das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Einzige, was man den Reportern ankreiden könnte, ist, dass sie es quantitativ ein bisschen übertrieben haben. Nicht nur sieben Leben beziehungsweise Protagonisten und Aspekte hielten sie in knapp 50 Filmminuten fest, sondern gleich doppelt so viele. Aber – so haben wir gelernt – wenn es um Katzen geht, ist nicht immer alles rational. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2018, 10:08 Uhr

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