Chly Volksnöchi

Bundesrat Schneider-Ammann besuchte den «Donnschtig-Jass». Man bemühte sich sehr um ihn.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gab Bedenken. Man hatte die Bilder im Vorfeld gesehen, Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit futuristischer Brille auf seltsamem Raupengefährt. Man dachte an die Parlamentsauftritte jüngeren Datums, die man reserviert nennen könnte. Und natürlich war da noch «Rire c’est bon pour la santé», die mit Begräbnismiene vorgetragene Lobrede auf die Freuden des Lachens.

Ganz so schlimm wurde es nicht. Das lag vor allem an Moderator Roman Kilchsperger, der Schneider-Ammann sorgfältig betreute. Nachdem der FDPler als «stiller Schaffer mit grossem, humorvollem Herz» eingeführt worden war, erklärte Kilchsperger: «Jetz gits e chly Volksnöchi!» Dann lotste er den hohen Gast ins Publikum, zu den Holzbänken von Herzogenbuchsee.

Schneider-Ammann absolvierte den Parcours mit murmelnder Dezenz, bedankte sich links und rechts bei Alphornbläsern und Zuschauern. Als Spieler fiel er weder ab noch auf, weder beim «Hau den Lukas» noch beim Jassen (26 Differenzpunkte). Brillant war das nicht, aber für ein Kilchsperger-Lob reichte es allemal. Nach dem Hammerschlag: «Heimatland, Sie haben ja richtig Power!» Nach dem Jassen: «Ganz anständig!» Umso ruppiger sprang der Moderator mit dem bedauernswerten Telefonjasser Dave um, der offenbar Mühe hatte, die Karten auseinanderzuhalten.

Das «lustige Telefon» mit Trump

Irgendwann hatte dann auch der «Herr Bundesrat» den «Chüjermutz» an, die gleiche Tracht wie der Zürcher Radiomann Kilchsperger also, der seine Karriere als gebräunter Folklore-Mann neu lanciert hat. Wenn er sich vom Bundesrat entfernte, bat Kilchsperger die Tischnachbarn von Schneider-Ammann, sie sollten «auf ihn aufpassen» oder «ihn unterhalten».

Ansonsten war die Biederkeit der Sendung wie ein warmer Mantel. Es ging um ein altes Feuerwehrauto, einen Handballclub und eine Paketversandfabrik, schliesslich kulminierte die Show in der Fahrt mit dem «Ziesel» – eine Aktion, mit der die Bundesratsberater erneut eine gewisse Kühnheit bewiesen. Es ging dann gut aus, Schneider-Ammann gewann die Wette, immerhin. Die Passanten auf dem Bundesplatz hätten sich schon etwas gefragt, merkte der Berner an – da intervenierte bereits Kilchsperger und wischte den Anflug des Gedankens, dass die Szene eben womöglich gerade eventuell ein kleines bisschen lächerlich gewesen sein könnte, sehr energisch beiseite: «Das steigert die Effizienz, wenn man wieder ins Büro zurückkommt!»

Man wolle nicht zu politisch werden, hatte Kilchsperger erklärt. Er hielt sich daran, ebenso sein Assistent Reto Scherrer, der etwas überdrehte Thurgauer, der bald den «Samschtig-Jass» moderieren wird. Und so verpasste man auch die Chance, bei Schneider-Ammann nachzufragen, was er genau meinte, als er sein Gespräch mit Donald Trump als «lustiges Telefon» bezeichnete. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.08.2017, 11:07 Uhr

Artikel zum Thema

Die Top Ten der peinlichsten Bundesratsauftritte

Maltherapie, missglückte Singversuche und immer wieder Guy Parmelin: Unsere Bundesräte sind oft so peinlich wie wir selber. Neustes Beispiel: Schneider-Ammann auf einem Kampfrollstuhl. Mehr...

Plötzlich lacht Johann Schneider-Ammann

Eine Software kann Barack Obama digital zum Sprechen bringen – echter als in Realität. Auch andere Politiker hätten davon profitiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Dreifach bezopftes Pferd: Ein Haflinger wartet auf einer sonnigen Wiese in der Nähe von Döllsädt. (18. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Jens Meyer) Mehr...