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Das geheime Nachspiel

Kaum ist eine TV-Sendung zu Ende, stecken Moderatoren und Gäste die Köpfe zusammen – und wir Zuschauer hören nichts davon. Was läuft in den Sekunden danach? Daniela Lager und Co. lüften das Geheimnis.

Jeden Abend unter der Woche ist es dasselbe. Die «Tagesschau»-Sprecher Fischlin, Stauber oder Müller übergeben kurz vor Ende der Sendung das Wort an ihre «10vor10»-Kollegen Maier, Lager oder Klapproth, die Werbung für ihre Top-Themen machen dürfen. Danach ein kurzes Abschiedssätzlein der «Tagesschau»-Sprecher und schon ist die Sendung zu Ende.

Das heisst, nicht ganz: Sobald die Abspannmusik läuft, drehen sich «Tagesschau»- und «10vor10»-Moderatoren einander subito zu, lächeln, plaudern, schäkern. Da wedelt Beatrice Müller wie ein Pinguin mit ihren Händen oder Franz Fischlin sagt etwas zu Christine Maier, die sogleich zu lachen beginnt. Bei Aeschbacher ist es nicht anders. Kaum ist das Sätzlein «...die Sendung, die man nie nur aus Langeweile schaut» aufgesagt, stecken Kurt Aeschbacher und sein letzter Gast tuschelnd die Köpfe zusammen. Dasselbe bei Rainer Maria Salzgeber und Gilbert Gress, bei Markus Gilli und seinen Talkgästen, in der «Club»-Runde oder nach der «Arena». Also überall, wo mehr als eine Person im Studio steht.

Daniela Lager beruhigt Neugierige

Es sind nur wenige Sekunden, doch die reichen aus, um die neugierigen Zuschauerinnen und Zuschauer daheim zu quälen. Was reden die da bloss? Bestimmt ist es etwas Interessantes. Warum grinst Daniela Lager? Was hat der Fulvio Pelli wohl zu Sonja Hasler gesagt? Von all diesen Gesprächen hören wir keinen Ton, weil die Abspannmelodie alles übertönt. Was geschieht in den Sekunden danach? Redaktion Tamedia hat bei verschiedenen TV-Aushängeschildern nachgefragt und von einigen einen Einblick erhalten.

Als Erstes sorgt Daniela Lager für Erleichterung bei den besonders Neugierigen daheim: «Da gibts nichts Zitatwürdiges, wenigstens dann nicht, wenn ich im Studio stehe.» Mal frage man «Bist du morgen auch noch dran» oder «Hattet ihr Kontakt zum Korrespondenten in sowieso...» – Dinge, die man sich vielleicht auch sagen würde, wenn man sich zufällig bei der Kaffeemaschine treffe. «Ich befürchte, dass auch meine Kolleginnen und Kollegen nicht viel substanziellere Gespräche führen.» Den Zuschauer freuts, immerhin nichts Wichtiges verpasst.

Auch bei Markus Gilli von TeleZüri ist während des Abspanns meistens Smalltalk angesagt. Zuerst bedankt er sich bei seinen Gästen und muntert sie notfalls auf, wenn sie mit ihrer Leistung nicht zufrieden sind. Es kann aber auch anders. «Bei zwei Streithähnen musste ich einmal eingreifen. Ich habe ihnen gesagt, dass wir die Studiotüre erst öffnen werden, wenn sie sich für ihre beleidigenden Aussagen entschuldigt haben.»

Lift-Satz und Tiefgründigkeit

Wie die Gespräche ablaufen, wenn Stefan Klapproth im Studio ist, umschreibt dieser so: Vom luftigsten Lift-Satz («Extrem heiss heute...») bis zu den tiefgründigsten Gedankengängen («Du, ich glaube, ich habe das Problem des Weltfriedens gelöst...») oder irgendetwas dazwischen könne es alles sein. Zudem sei es so, dass die Redaktionen von «10vor10» und der «Tagesschau» ja täglich in einem freundschaftlichen Wettstreit um die spannendere Umsetzung des Tagesthemas seien, so Klapproth weiter. «So zollt man manchmal grosszügig Lob beim Gefühl, die Anderen waren heute besonders gut. Oder kokettiert mit einem leisen Triumphgefühl, falls man denkt, da haben wir um 10 vor 10 noch etwas mehr zu bieten.»

Christine Maier dagegen hält sich bedeckt, was die Abspanngespräche angeht. Über den SF-Sprecher Martin Reichlin lässt sie verlauten, dass sie sich in den zehn Jahren als «Club»-Moderatorin immer an folgende Regel gehalten habe: «Was nach der Sendung diskutiert wird, ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.» Daran werde sie sich auch in Zukunft halten. Auch Sonja Hasler von der «Arena» will nicht zu viel verraten: «Ein paar Geheimnisse muss man sich schliesslich bewahren.»

Vorgaben von SF?

Auffallend ist, dass immer etwas geschieht während des Abspanns. Nie schauen die Moderatoren einfach nur stumm vor sich hin. Die Nachrichtenmoderatoren etwa drehen sich immer wie auf Kommando zueinander und plaudern, bis das rote Kamera-Lämplein erlischt. Gibt es etwa Direktiven von SF? Immerhin wäre es ja etwas befremdlich, wenn die beiden stur geradeaus schauen würden, weil sie sich nichts zu sagen haben. SF-Sprecher Martin Reichlin verneint. Vorgaben gebe es keine, was Stefan Klapproth bestätigt. Möglichst natürlich solle es wirken, genau wie beim Moderieren auch.

Bei den Abspanngesprächen setzt der «10vor10»-Moderator Klapproth wenn immer möglich auf Smalltalk – aus gutem Grund: «Wenn sich wieder mal Spitzenpolitiker wie Obama und Sarkozy bei laufenden Mikrofonen mit spitzen Bemerkungen über Netanyahu in die Nesseln gesetzt haben, sage ich mir: Auch wir sollten wohl besser nur Smalltalk machen und schon gar nicht den heissesten Studio-Klatsch verhandeln – nur schon wegen der Lippenleser.»

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