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Das Radio zum Anschauen

Seit einem Jahr kann man die Morgenshow von DRS 3 nicht nur hören, sondern auch beobachten. «3 auf zwei» heisst das neue Sendeformat, Radio zum Anschauen also. Ist das jetzt die viel beschworene Konvergenz?

Der Radiohörer als Voyeur: Bei «3 auf zwei» kann man sich Mario Torriani und seine Kollegen auch visuell an den Frühstückstisch holen.
Der Radiohörer als Voyeur: Bei «3 auf zwei» kann man sich Mario Torriani und seine Kollegen auch visuell an den Frühstückstisch holen.
PD

Die Stimme von Mario Torriani würden Hunderttausende Schweizer im Schlaf erkennen – schliesslich ist es die Stimme, die sie schon unzählige Male am Morgen aus eben diesem Schlaf geholt hat, die sozusagen in ihr Schlafzimmer einsteigt, ihnen erzählt, ob es schon wieder staut vor dem Gubristtunnel und ob die Sonne heute scheint. Eine ziemlich intime Sache eigentlich.

Seit einem Jahr kann es, wer will, noch etwas intimer haben — indem er sich nämlich nicht nur von Mario Torrianis Stimme wecken lässt, sondern ihn auch visuell zu sich ins Wohnzimmer holt, live und in Farbe. Möglich machts die Sendung «3 auf zwei», eine Übertragung der Morgenshow von DRS 3 ins Schweizer Fernsehen, von halb 7 bis halb 9 Uhr morgens. Nötig sind dazu lediglich sechs Kameras und ein paar Scheinwerfer, im Radiostudio installiert.

Der Hörer ist eben auch ein Voyeur

Abgesehen von etwas verschlafenen, aber stets aufgestellt wirkenden Radiomoderatoren, die hinter grossen Computerbildschirmen sitzen und sich mit ihren Drehstühlen zum Mikrofon hin- und vom Mikrofon wieder wegrollen, gibt es da eigentlich nicht viel zu sehen. Wozu also das Ganze?

Betrachtet man das Phänomen aus psychologischer Perspektive, drängt sich die Vermutung auf, dass es beim Radioschauen ganz einfach ums Schauen an sich geht: Das Beobachten einer Tätigkeit, die bis anhin vor uns verborgen geblieben ist. Das Wissen darüber, welchen Pullover Judith Wernli am liebsten trägt und ob Sven Epiney sich schon frühmorgens so frech frisiert. Der Radiohörer als Voyeur also.

Ein Gefühl von Geselligkeit kommt auf

Allerdings: Irgendwann sind die Outfits und Frisuren der Moderatoren studiert, wie das Radiostudio von innen aussieht, weiss man da schon lange, und der Reiz des Neuen ist verflogen – warum also weiterschauen?

Hier kommt die Beziehungsebene ins Spiel: Jetzt, wo man schon weiss, was Mario morgens macht und wie er dabei aussieht, will man noch mehr mit ihm teilen, will ihn zu sich an den Frühstückstisch holen, damit er einem Gesellschaft leistet. Der Vorteil: Konversation ist weder nötig noch möglich, trotzdem kommt ein Gefühl von Geselligkeit auf.

Ist das nun Konvergenz?

Konsequenzen hat das neue Sendeformat vor allem für die Radiomoderatoren selbst: Konnten sie früher noch unbehelligt vom Zuhörer ihren Job erledigen, sind sie jetzt der ständigen Beobachtung ausgesetzt. Fühlt man sich da nicht unwohl? Nein, sagt Mario Torriani, stören tue ihn das nicht – ganz vergessen kann er die Aufnahmen bei der Arbeit aber auch nicht, «das helle Licht der Scheinwerfer macht mir am Morgen bewusst, dass da noch Kameras sind». Sein Styling hat er deswegen aber nicht angepasst.

Es drängt sich die Frage auf, ob solche Formate nun für die gross angekündigte Konvergenz der Schweizer Medienlandschaft stehen. Gemeint ist damit die Verschmelzung von Schweizer Radio und Fernsehen, die Anfang Jahr mit der Zusammenlegung von Radio DRS und SF zum Unternehmen Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) offiziell besiegelt wurde.

Kein Erfolgsdruck

Ein Quotenrenner scheint «3 auf zwei» jedenfalls nicht zu werden: Letzten Freitag hat SF 2 mit der Sendung gerade mal 1,3 Prozent Marktanteil erzielt. Zum Vergleich: Der Wetterkanal auf SF 1 erreichte zur selben Zeit 11,3 Prozent der Fernsehzuschauer.

Im Gegensatz zu der sonst so eifrig betriebenen Quotenrechnerei, die oft über Leben und Tod eines neuen Sendeformats entscheidet, scheint «3 auf zwei» eine Sonderstellung einzunehmen: Die Personenmarktanteile würden bei dieser Sendung nicht im Vordergrund stehen, meint Hansruedi Schoch, Abteilungsleiter Programme beim Schweizer Radio und Fernsehen. Es ginge lediglich darum, interessierten Zuschauern einen Blick ins Radiostudio zu ermöglichen.

Was halten Sie von «3 auf zwei»? Meinungen bitte unten eintragen.

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