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Der stille Gigant

Er drehte Grossproduktionen wie «Kinder der Landstrasse» und «Gotthard». Jetzt ist der Schweizer Regisseur Urs Egger gestorben.

Regisseur Urs Egger am Set von «Gotthard». Foto: Dusan Martincek (SRF)
Regisseur Urs Egger am Set von «Gotthard». Foto: Dusan Martincek (SRF)

«Von allen historischen Filmen, die ich gemacht habe, war dieser bei weitem der aufwendigste.» Das sagte der Schweizer Regisseur Urs Egger anlässlich der Premiere von «Gotthard» (2016). Und ja, dieser geschätzt elf Millionen Franken teure Fernsehzweiteiler zeigte noch einmal die Qualitäten dieses stets etwas hinter seinem Werk verborgenen Regisseurs: Er verstand es, sowohl historische Grossereignisse wie auch komplexe Krimis mit opulenter Ausstattung einem breiten Publikum näherzubringen.

Egger, 1953 in Bern geboren, zog es früh in die Ferne. Im Alter von 20 Jahren berichtete er bereits als Filmkorrespondent für die «Neue Zürcher Zeitung» und andere Medien aus Los Angeles. Wenig später absolvierte er dort auch die Regieklasse am American Film Institute. Nach ersten Kurz- und Fernsehfilmen sowie Regieassistenzen bei internationalen Grossproduktionen (unter anderem beim James-Bond-Film «The Living Daylights», 1987) erreichte er mit dem Spielfilm «Kinder der Landstrasse» (1992) grössere Bekanntheit.

Die Geschichte um eine jenische Familie, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die Schweiz flüchtet und dort von einem Hilfswerk ihrer Kinder beraubt wird, orientierte sich eng an realen Fällen – auch wenn das Hilfswerk im Film nicht «Kinder der Landstrasse», sondern «Barmherzigkeit den Vagantenkindern» heisst. Eggers «Kinder der Landstrasse» galt zu jener Zeit als bislang teuerster Schweizer Kinofilm, und es war auch die erste offizielle Koproduktion zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich. Zehn Jahre später verantwortete Egger nochmals eine Dreiländerproduktion: «Epsteins Nacht» mit Mario Adorf und Bruno Ganz war ein Drama um Holocaust-Überlebende, die in einer Kirche auf ihren ehemaligen KZ-Peiniger treffen. Der Film erzielte beim Publikum jedoch deutlich weniger Resonanz.

Zahlreiche Preise für Fernsehfilme

Egger, der seinen Wohnsitz inzwischen nach Berlin verlegt hatte, wandte sich in der Folge vermehrt deutschen und österreichischen Fernsehproduktionen zu und machte sich mit Mehrteilern wie der Henning-Mankell-Adaption «Die Rückkehr des Tanzlehrers» (2004) einen Namen. Seine Filme wurden mehrfach mit dem Adolf-Grimme-Preis (Deutschland) beziehungsweise mit einer Romy (Österreich) ausgezeichnet.

In der Schweiz arbeitete Egger nur noch selten. In Erinnerung bleiben «Der Keiler» (2006) und zuletzt eben «Gotthard», die bis heute grösste Produktion des Schweizer Fernsehens (hier gehts zur Kritik). Der Historienfilm «Das Wunder von Wörgl», abermals eine europäische Grossproduktion mit Schweizer Beteiligung, wurde erst vergangene Woche für den Grimme-Preis nominiert. Am 18. Januar ist Urs Egger in Berlin an Krebs gestorben.

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