Der zukünftige Präsident mag Cordon bleu

Zum Präsidenten ist Emmanuel Macron in Frankreich bereits gewählt worden. Wird er nun zum Dauer-Meme? Der Dok auf TF1 gibt interessante Einblicke in die Kampagne und amüsiert bisweilen.

Szenen aus dem Hintergrund und witzige Ausschnitte: Der «Président Meme» Macron kommt im Dok sehr gut weg.

Szenen aus dem Hintergrund und witzige Ausschnitte: Der «Président Meme» Macron kommt im Dok sehr gut weg. Bild: Eric Feferberg/Keystone

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Von der Bekanntgabe seiner Kandidatur bis zur ersten Rede als neugewählter Präsident wurden Momente eingefangen, in denen die politische Schale ein wenig bröckelt und der Mensch Emmanuel Macron zum Vorschein kommt. 200 Tage lang wurde er für den Dokumentarfilm «Macron: Les coulisses d'une victoire» während seiner Kampagne von den Kameras der französischen Sender TF1 und La Chaîne Info (LCI) begleitet. Das Ergebnis? Massenhaft Memes in den sozialen Netzwerken. Doch dazu später.

Bei der Vorbereitungssitzung mit seinem Stab zur ersten Wahlveranstaltung in Paris am 10. Dezember 2016 werden die Erwartungen klar gesetzt: «Wenn wir die 5600 Plätze der Halle nicht besetzen, können wir Feierabend machen!» Brigitte Macron ist eher daran interessiert, was ihr Mann an diesem Abend tragen wird. «Schwarzer, marineblauer oder grauer Anzug?», fragt sie in die Runde. Schlagfertig antwortet Macron mit seinem bekannten schelmischen Lächeln: «Ein T-Shirt!» Generelles Gelächter. Statt 5600 sind am folgenden Abend fast 15’000 Anhänger zusammengekommen, um ihren Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen.

Nach «Président Bling-Bling» der «Président Meme»?

Der Aufstieg vom Aussenseiterkandidaten zum Präsidenten wird ebenso gezeigt wie der Wandel vom Politneuling. Zuerst Macron, der zu Beginn seiner Kandidatur vor Auftritten nervös herumtrippelt, dem es an Veranstaltungen die Sprache überschlägt und der seine Emotionen nicht unter Kontrolle halten kann. Dann Macron, wie er sich zum abgeklärten, gereiften Teilnehmer des zweiten Wahlganges gewandelt hat, der die Ruhe in jeder Situation behält, selbst wenn ihm beim Besuch der Landwirtschaftsmesse ein Ei an den Kopf fliegt.

Der Leader der progressiven, sozialen Bewegung «En marche!» lässt Blicke hinter die Kulissen zu, womit nicht ausschliesslich der Ernst der Kampagne zum Vorschein kommt, sondern eben auch der Mensch Macron. Über Längen scheint er in dieser Darstellung authentisch, selten scheint eine Szene inszeniert. Macron ist bei den Zuschauern überaus gut angekommen. Ist es tatsächlich Empathie oder doch eher Blossstellung des neuen Präsidenten? Auf jeden Fall wurden die witzigsten Ausschnitte des Doks auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken als Memes geteilt. Kommt nach dem «Président Bling-Bling», wie Nicolas Sarkozy genannt wurde, nun der «Président Meme»?

Unter den geteilten Memes findet sich beispielsweise die Szene, in der er in der Autobahnraststätte das Cordon bleu bestellt («Ich mag Cordon bleu!»). Dieses gehört jedoch zum Kindermenü, worauf der künftige Präsident schmollend das Lachsmenü bestellt. Oder als er sich gleich nach der Eier-Attacke über diese amüsiert: «Es war ja nur ein Ei. Das ist doch nicht so böse. Aber sie werden jetzt wohl nicht noch einmal Eier auf uns werfen?» Kurz darauf hat er den Vorfall vergessen und regt sich mehr über das Ergebnis des Fussballspiels zwischen seiner Lieblingsmannschaft Olympique de Marseille auf, die das Heimspiel gegen Monaco verloren hat.

Manchmal selbst noch ein Kind

In solchen Momenten wird auch die Rolle von Brigitte Macron klarer, die ihrem Ehemann das Smartphone aus der Hand nimmt, damit er sich wieder auf die wichtigen Sachen konzentrieren kann. Eine spezielle Rolle hat die zukünftige Première Dame auf jeden Fall inne. Vielleicht ist sie deshalb die Einzige des gesamten Stabs, die Macron ihre Meinung zu seinen Auftritten nicht einmal im kleinsten Kreis, sondern nur unter vier Augen sagt, abseits der Kamera. «Es gibt ein Prinzip, und zwar, dass ich mit dir alleine spreche. Das weisst du!», erinnert sie ihn.

Zu einem grossen Auftritt kommt auch eine andere Frau: Sibeth Ndiaye, Presseverantwortliche von Emmanuel Macron, die ihm keine Sekunde von der Seite weicht und die Herzen der Zuschauer mit ihrer allzeit professionellen und wenn passend fröhlichen und lustigen Art gewonnen hat. Nicht nur in dieser Szene wird klar, wie nahe Emmanuel Macron seinem Umfeld von Beratern und freiwilligen Helfern – welche er liebevoll mit «mes enfants» (meine Kinder) anspricht – stand. Der Vater der Bewegung «En marche!» ist nun mitsamt seinen Kindern am Ziel angekommen. Wobei er selbst manchmal noch wie ein Kind daherkommt.

Erstellt: 12.05.2017, 16:16 Uhr

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