Schluss mit Zigarren-Witzchen

Bill Clinton dominiert bis heute die Sicht auf die Lewinsky-Affäre. Nun produziert Monica Lewinsky eine Verfilmung – und gewinnt so die Deutungshoheit.

Monica Lewinsky und der damalige US-Präsident Bill Clinton im Weissen Haus. Foto: imago/ZUMA Press

Monica Lewinsky und der damalige US-Präsident Bill Clinton im Weissen Haus. Foto: imago/ZUMA Press

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Die bisherige Weltordnung scheint wirklich ins Wanken geraten zu sein, anders lässt sich die Nachricht nicht deuten, die aus Amerika kommt und vorgeblich nur von einer geplanten TV-Serie handelt. Es geht um die dritte Staffel der Reihe «American Crime Story» des Kabelsenders FX, die wahre Verbrechen, die Amerika und den Rest der westlichen Welt erschüttert haben, spielfilmhaft dramatisiert.

Die ersten beiden Staffeln behandelten O.J. Simpson und den Mord an Gianni Versace. Nun wurde bekannt gegeben, welches Verbrechen die dritte Staffel umkreisen wird: das Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton.

Was aber die eigentliche Sensation ist: Monica Lewinsky wird koproduzieren. Der Produzent der Serie, Ryan Murphy, bat sie darum, mehr noch, es war für ihn die Voraussetzung, diesen Stoff überhaupt anzugehen, der eine Adaption eines Buchs von Jeffrey Toobin sein wird («A Vast Conspiracy: The Real Story of the Sex Scandal That Nearly Brought Down a President»).

Beanie Feldstein wird Monica Lewinsky spielen. Foto: AFP Lisa O'Connor

«Wenn Sie das mit mir produzieren wollen, fände ich das grossartig; aber Sie sollten das ganze verdammte Geld verdienen», habe Murphy zu Lewinsky gesagt, erzählt letztere im Magazin «Vanity Fair». «Meinen Part in dieser Geschichte haben jahrzehntelang andere erzählt», so Lewinsky. «Es ist mir tatsächlich erst in den letzten paar Jahren gelungen, meine Version der Geschichte zurückzuerobern, fast 20 Jahre später.» Anders als Bill Clinton, dem die Affäre mit einer 30 Jahre jüngeren Untergebenen – ein absoluter «Me Too»-Fall, Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses, der mächtigste Mann der Welt vergnügt sich mit einer jungen Praktikantin – so gut wie nichts anhaben konnte. Klar, er hatte ein paar Unannehmlichkeiten, aber er blieb Präsident, blieb sogar verheiratet, verdient heute noch Millionen als weltweit respektierter Rentner, der gerne Reden hält (und neuerdings auch noch Thriller schreibt). Währenddessen wurde sie, die junge Frau, in der Affäre zur Witzfigur.

Ihr Name, nicht seiner, wurde zum Namen für die Affäre. Sie war freigegeben zum Abschuss für jeden, der auch mal einen zotigen Witz machen wollte, sehr gerne taten das auch berühmte Talkshowhosts zur besten Sendezeit oder Rapper, Zigarre, haha, Fleck auf dem Kleid, hoho, that woman, hihi. Die Witze gingen ausnahmslos auf ihre Kosten, als wäre sie diejenige gewesen, die Macht gehabt und ausgenützt hätte, nicht er.

Und deshalb ist das so eine aussergewöhlich schöne und neuartige Nachricht, dass Monica Lewinsky - in der Serie dargestellt von Beanie Feldstein - nun zumindest ein Mitspracherecht bekommt. Diesmal hat sie Macht, nicht er.

Erstellt: 10.08.2019, 19:29 Uhr

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