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Die Quotenfreaks

Der Auftritt von Nora Illi bei Anne Will sorgt in Deutschland für Empörung. Warum eigentlich laden deutsche Talkshows immer wieder Schweizer Extremisten ein?

Reduziert auf einen Schlitz: Nora Illi führt ihren Niqab gern im deutschen TV vor.
Reduziert auf einen Schlitz: Nora Illi führt ihren Niqab gern im deutschen TV vor.

Wenn eine deutsche Talkshow richtig provozieren will, findet sie im Gruselkabinett von Schweizer Profi-Provokateuren immer einen willigen Vollstrecker. Oder eine Vollstreckerin im Falle von Nora Illi, Frauenbeauftragte des IZRS, die gestern bei Anne Will über Radikalisierung sprach. Mit leichtem Akzent, kontrollierter Gestik schwärmte Illi unter ihrem mit Pailletten verzierten Niqab über den Islam als frauenfreundlichste aller Religionen. Neben Nationalrat Roger Köppel und Ex-Nationalrat Christoph Mörgeli gehört Illi zu den beliebtesten Schweizer Exporten in deutsche Talkshows.

Ein Werbespot für die Überlegenheit des Islam

Wo Empörung schwelt, da schalten sich die Leute zu, auch gestern, und die Kritik war gross und die Quote hervorragend. Die ARD habe Illi Propaganda für den IS erlaubt, so der Tenor, es wird sogar Wills Rücktritt gefordert. So weit, so erwartbar. Aber war Illis Auftritt tatsächlich so daneben?

Grundsätzlich macht es Sinn, wenn in einer solchen Runde auch Menschen zu Wort kommen, die sich tatsächlich radikalisiert haben. Für welche Erkenntnisse sorgte also Illi? Leider für keine. Sie leierte ihren bekannten Werbespot für die Überlegenheit islamischer Lebensführung herunter und erörterte ihren Entscheid für die «normative Option des Niqab» und prangerte die Ausgrenzung des Islam als die Ursache von Radikalisierungstendenzen an. Grosszügig übersah sie dabei, dass gerade ihre Einladung in die Show ein Beispiel für Inklusion ist – und sie mit ihrer Vollverschleierung selbst für Ausgrenzung in der Runde der Muslime sorgte. Alles in allem gab die ARD einer muslimischen Splittergruppe eine Plattform für ihre Verharmlosungspropaganda.

Die Freakshow

Und darum greifen deutsche Talkshows bei den heikelsten Themen auch gern zu Schweizer Exporten. Weil die Schweizer Identität solche extremen Positionen für das deutsche Publikum erst zumutbar macht. Gestern war Illi nichts anderes als eine Quotenfrau im schlechtesten Sinn: die einzige Frau, die extremste und die quotenträchtigste. Andere Frauen ziehen sich aus für ein bisschen Ruhm. Illi hat dafür ihren Niqab. So moralisch sich die ARD sonst gern gibt, hier dürfte sie es ganz mit Les Moonves, dem CEO des amerikanischen Senders CBS, halten. Der sagte über Donald Trumps Kandidatur: «Für Amerika mag es schlecht sein. Aber für CBS ist er ein Geschenk.» Frau Illi bedankt sich.

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