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Durchbruch im Nachthemd

Fahri Yardim gab als Yalcin Gümer im neuen Hamburger «Tatort» den lustigen Sidekick. Während Til Schweiger polarisierte, ist das Urteil über Yardim einhellig: Der Mann ist eine Wucht.

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Yalcin Gümer begleitet die Ermittlungen seines Chefs Nick Tschiller vom Krankenbett aus: Szene aus dem gestrigen «Tatort».
Yalcin Gümer begleitet die Ermittlungen seines Chefs Nick Tschiller vom Krankenbett aus: Szene aus dem gestrigen «Tatort».

Ein smarter Quassler, der den schweigsamen Kommissar Nick Tschiller vom Krankenbett aus unterstützte – so wurde Yalcin Gümer im neuen Hamburger «Tatort» eingeführt. In der ersten Szene angeschossen, betrieb er von seinem Krankenhausbett ein Homeoffice, was dank seiner Computerkenntnisse durchaus wertvoll war. So schleuste er mit dem Handyknopf im Ohr seinen Partner in hoch gesicherte Orte wie einen Gangster-Unterschlupf im Fünfsternehotel.

Der Deutschtürke Yardim wurde von Schweiger zum «Tatort» mitgebracht. Er war schon bei diversen Schweiger-Filmen mit dabei: «Keinohrhasen», «1 1/2 Ritter», «Männerherzen», «Kokowääh», «Schutzengel» – als Pizzabote, als Herold, als Polizist. Von kleinen Rollen hat er sich hinaufgespielt und darf jetzt den Partner des Superstars geben.

Yardim selbst kann im Vorgespräch mit der ARDdem neuen «Tatort» einiges abgewinnen: Tschiller sei «ein erfrischender Rüpel, der den resignativen Gestus des Reviers mit Krawall durchspült.» Die Chemie zwischen den beiden Figuren stimme, denn «Tschillers Schweigen bietet Platz für die eigenen Geschichten». So böten seine Figur Gümer und Schweigers Figur Tschiller eine gute Mischung aus «ungezügelter Energie und Hamburger Gemütlichkeit».

In der Tradition von Cenk Batu?

Zu reden gaben die türkischen Wurzeln von Yardim/Gümer. Ist es Zufall, dass bei den Nachfolgern von Mehmet Kurtulus' Ermittler Cenk Batu zumindest der Juniorpartner ebenfalls türkischer Abstammung ist? Ihn selber interessiert das nicht sonderlich: «Mir geht es um den Vordergrund einer Figur und ihre Tiefen, am wenigsten um ihren Migrationshintergrund. Yalcin Gümer ist das Gesicht eines neuen Hamburgs, ohne dabei irgendjemandem seine Identität streitig zu machen.» In Hamburg wurde er 1980 als Sohn von türkischen Studenten, die in den 1970er-Jahren nach Deutschland kamen, geboren; hier wuchs er auf und besuchte die Schauspielschule.

Danach konnte er schnell in Fernsehen und Kino Fuss fassen. Neben den Rollen in den genannten Schweiger-Kooperationen war Yardim in verschiedensten Rollen in Kino- und Fernsehfilmen oder Serien zu sehen. Immer wieder spielte er Türken in Deutschland. So war er in «Kebab Connection» dabei und spielte in «Almanya – Willkommen in Deutschland» die Hauptrolle des türkischen Gastarbeiters Hüseyin. Auch in der Fernsehserie «König von Kreuzberg» spielt er den Juniorchef eines Dönerladens in Berlin, wo er mittlerweile auch wohnt.

Gut möglich, dass der «Tatort» seinen endgültigen Durchbruch bringt. Die Berichterstatterin der «Welt» hätte gern, dass Yalcin Gümer immer im Nachthemd spielt, und meint: «Wir sind wirklich alle sehr verliebt in Yalcin Gümer. Auch die Männer.» Auch andere Stimmen fanden, dass Gümers Gelassenheit dem actionreichen Krimi gut anstand. Nur schade, dass es bis zum nächsten «Tatort» mit Yalcin Gümer so lange geht. Der viel beschäftigte Til Schweiger kann eben nur eine Folge pro Jahr drehen.

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