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Ein Satz wirft Fragen auf

«Es ist okay, wenn Sie sich selber ein Geschenk gekauft haben oder zwei oder vielleicht zehn.» Diesen Satz wiederholten TV-Moderatoren in den USA vor den Festtagen immer wieder. Warum bloss?

Es war der bekannte Talkmaster Conan O'Brien, der in seiner Sendung «Conan» das eigenartige Phänomen publik machte. «Furchterregend», sagte O'Brien nur – eine Erklärung hatte er nicht.

O'Brien hatte seinen Zuschauern Videoaufnahmen von 30 unterschiedlichen lokalen TV-Stationen der USA gezeigt. Es waren Moderatoren zu sehen, die alle den einen seltsamen Satz sagten: «Es ist okay, Sie können es zugeben, wenn Sie sich selber ein Geschenk gekauft haben oder zwei oder vielleicht zehn.» Ein Zufall kann ausgeschlossen werden, handelt es sich doch weder um eine bekannte Phrase noch um ein Geschehnis, dessen Erklärung exakt dieser Wortfolge bedurft hätte.

Wer oder was könnte also hinter dem Mantra stecken? Verschwörungstheoretiker melden sich in Blogs und Foren erwartungsgemäss eifrig zu Wort – es gehe in einer heimlichen, konzernübergreifenden, koordinierten Aktion darum, die US-Konsumenten zu hypnotisieren, einen Kaufrausch zu lancieren. Die Weihnachtsgeschäfte sind bekanntlich für den US-Einzelhandel überlebenswichtig: 30 Prozent des Jahresumsatzes und 40 Prozent des Gewinns werden im Dezember gemacht. Tatsächlich suggeriert der Satz, dass das Fest der Liebe getrost auch ein Fest der Eigenliebe sein darf. Niemand solle sich schlecht fühlen, weil er – etwa aus Mangel an Verwandten oder Freunden – sich selber etwas gönne.

«Ripping and reading»

Die Uniformität hat allerdings banalere, gleichwohl unschöne Gründe. Die meisten dieser Stationen sind finanziell ausgezehrt und können respektive wollen sich nicht für jede Sendung eigene Texter und Produzenten leisten. Sie greifen deshalb auf vorgefertigte Texte oder Textversatzstücke von Partner-Stationen oder von Agenturen wie AP oder CNN News Source zurück. «Ripping and reading» (übernehmen und ablesen) wird diese Methode im Jargon genannt.

Bereits im Oktober war ein vergleichbarer Fall ruchbar geworden. Damals war die Meldung, dass Schauspieler Mike Myers («Austin Powers») Vater werde, von Dutzenden Lokalstationen identisch eingeleitet worden. Das der US-Medienschule Poynter Institute zugehörige Portal Poynter.org zeigte in der Folge auf, dass die Grundlage all dieser Moderationen ein Skript von CNN News Source gewesen war.

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