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Eine Prise «Star Wars» in den Bergen

Wer hat Dreck am Stecken im Dorf? Und im Tal? Redaktion Tamedia bespricht die neue SRF-Krimiserie «Wilder». Heute: Folge 5, «Pirat».

Die Dinge klären sich auf. Aber für Manfred Kägi (Marcus Signer) und ganz besonders Rosa Wilder (Sarah Spale) wirds happig.
Die Dinge klären sich auf. Aber für Manfred Kägi (Marcus Signer) und ganz besonders Rosa Wilder (Sarah Spale) wirds happig.
SRF
Rückblende in die Tatnacht: Künstler Armon Todt (Christian Kohlund) und Spekulantentochter Amina (Amira el Sayed).
Rückblende in die Tatnacht: Künstler Armon Todt (Christian Kohlund) und Spekulantentochter Amina (Amira el Sayed).
SRF
Konkurrenz aus dem eigenen Haus für den «Bestatter»: Jetzt zeigt SRF jeweils am Dienstag um 20.05 Uhr die neue hauseigene Serie «Wilder».
Konkurrenz aus dem eigenen Haus für den «Bestatter»: Jetzt zeigt SRF jeweils am Dienstag um 20.05 Uhr die neue hauseigene Serie «Wilder».
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«Jakob, i bi di Vater.» Das war die grosse Enthüllung der neuen «Wilder»-Folge, Gemeindepräsident Räber machte sie in einem Sitzungszimmer der Polizei. Und wie Darth Vader in «Star Wars» stand er nach der Konfrontation wie Häufchen Elend da.

Der mächtigste Mann im Dorf also. Er hatte die arme Frau Siegenthaler getröstet, die von ihrem frommen Gatten seit ewig malträtiert wurde. Dabei entstand Klein-Jakob, der jetzt als Koch-Lehrling im Dorf arbeitet, vom vermeintlichen Vater regelmässig mit dem Gürtel traktiert wird und seinen Zorn allen weitergibt, die etwas von ihm wollen. Das erklärt einiges. Aber nicht, wer der Täter in der SRF-Krimiserie ist.

Eine Weile sah es tatsächlich schlecht aus für Robert Räber (Laszlo I. Kish). Der Dorfgewaltige sitzt zwar gerne auf dem hohen Ross, aber die Polizei fand jetzt immer wieder Neues, um ihn runterzuholen. Zum Beispiel ein Foto auf dem Mobiltelefon der immer noch im künstlichen Koma liegenden Investorentochter Amina, das beweist, dass er sich in der Tatnacht noch spät herumgetrieben hat. Oder eine Schenkungsurkunde, die zeigt, dass er auch früher schon gehörig mauschelte.

Dieser Verdacht gab dem Dorfpolizisten Res Bühler (Pierre Siegenthaler) die Gelegenheit, aus dem Schatten der beiden Hauptermittler hervorzutreten. Bis jetzt war der Beamte, der kurz vor der Pensionierung steht, fast nur zuständig für träfe Sprüche und das Ruhebewahren. Jetzt aber wurde er hartnäckig, liess sich nicht abhalten, auch wenn er und Rosa Wilder als «Witztruppe» und als «dick und doof» verhöhnt wurden. «Du sagst mir nie mehr, was ich zu tun habe», warf er Räber an den Kopf. Und das tat allen gut.

Rosa Wilder (Sarah Spale) und Res Bühler (Pierre Siegenthaler) nehmen den Gemeindepräsidenten in die Zange. Bild: SRF Nur eben. Als Täter scheidet der Gemeindepräsident nach der grossen Enthüllung aus. Und dem jungen Jakob trauen wir zwar einiges zu, aber sicher nicht einen Mord, dessen Vorgeschichte er selber gefilmt hat. Sonst brachten die Ermittlungen wenig. Rosa Wilder zeigte gar Ermüdungserscheinungen, die sich auch nicht mit ihrer Lieblingsmahlzeit – Saure Zungen – beheben liessen.

Wer kommt als Täter überhaupt noch infrage?

Diese 5. Folge war abwechslungsreicher und spannender als diejenige zuvor. Es gab, in einer Rückblende, ein Wiedersehen mit dem von Christian Kohlund gespielten Mordopfer. Es gab weitere Vermutungen über den Bergsturz vor Jahren (sehr wahrscheinlich hat er ein 13. Opfer gefordert). Und es gab eine neue Spur mit einem Glasauge, die allerdings nicht wirklich glaubwürdig wirkte (haben Glasaugen tatsächlich Seriennummern, nach denen sich längst verstorbene Besitzer zweifelsfrei ermitteln lassen?).

Aber die Hauptfrage bleibt natürlich: Wer kommt als Täter noch infrage? Es ist ein gutes Zeichen, dass «Wilder» dieses Geheimnis tatsächlich bis zur letzten Folge bewahren kann. Nach dem Gesetz der Serien gibt es jetzt nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder ist es jemand, der bereits in früheren Folgen unter Verdacht geraten war und bei dem/der etwas übersehen wurde. Und sonst kann es nur jemand aus dem Kreis der bis jetzt völlig Unverdächtigen sein. Liebende Mütter? Polizisten? Bundesbehörde? Die nächste – und letzte – Folge muss es zeigen.

Schönster berndeutscher Satz:

«Geschter isch geschter gsi, und hüt bin i Wirt» (Der Dorfwirt, der nicht über Vergangenes sprechen will).

Die grosse Politik im kleinen Bergdorf:

Hat die Entsorgungsgesellschaft Nagra, pardon, Neraton doch etwas mit dem Bergsturz zu tun? Kägi will nicht lockerlassen.

Bitte nicht!

James Bond in Ehren. Aber eine Kugelschreiberkamera, mit der eine Lokal-TV-Reporterin verdeckt filmen will, war dann doch zu viel.

Wie persönlich wird es für die Polizistin?

Sie scheint den Seitensprung mit dem jungen Räber gelassen zu nehmen. Als er ihr sagt, seine Frau sei deswegen ausgezogen, sagt sie locker: «U jetzt? Söll i wider izieh?»

Noch ein Detail:

Von der Musik war in den Besprechungen noch nicht die Rede. Sie stammt vom Zürcher Adrian Frutiger, der bei Michael Steiners «Nacht der Gaukler» (1996) begonnen hatte und inzwischen einer der wichtigsten Schweizer Filmkomponisten ist. Sein «Wilder»-Sound nervt manchmal durch schiere Überpräsenz, ist aber dann wieder, wenn er in überraschende Melodien abdriftet, wunderschön.

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