Er war selbst sein liebster Gast

3sat hat Frank A. Meyers Sendung «Vis-à-Vis» abgesetzt.

Empfing während 36 Jahren über 300 Gäste: Ringier-Publizist Frank A. Meyer.

Empfing während 36 Jahren über 300 Gäste: Ringier-Publizist Frank A. Meyer. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Wer wissen wollte, wie man früher Fernsehen machte, konnte bislang am Sonntag auf 3sat einschalten. «Vis-à-Vis» hiess die Sendung, die sich seit der Erstausstrahlung im Jahre 1980 beim Schweizer Fernsehen kaum verändert hatte. Nicht der aufs Wesentliche reduzierte Inhalt: ein Tisch, zwei Stühle, ein Gespräch. Und schon gar nicht personell: der Moderator, Ringier-Publizist Frank A. Meyer, der sagt, er verstehe sich als Gastgeber, seinem Gegenüber aber öfters mit ausgedehnten Fragen die Redezeit verkürzte. Nun darf der Debattierer, der sich selbst besonders gerne zuhört, nicht mehr weiterreden. Seit letztem Sonntag ist Schluss, nach 36 Jahren. «Vis-à-Vis», es waren zehn Ausgaben im Jahr, hat sein Publikum verloren. «Aufgrund der anhaltend tiefen Einschalt-Quote kamen wir zum Entschluss, die Sendung einzustellen», schreibt Rajan Autze, der Leiter von 3sat Schweiz, auf Anfrage.

Erstaunen kann das nicht. Einer Mehrheit dürfte die Parodie der Sendung aus «Giacobbo/ Müller» bekannter sein als das Original. Und mit schwindenden Zuschauerzahlen hat das analoge Fernsehen generell zu kämpfen. Aussergewöhnlich ist eher, wie lange sich Meyer am Bildschirm halten konnte. Dazu hat er einiges beigetragen.

Todesstoss drohte bereits vor 28 Jahren

Erstmals aus dem Hauptprogramm gekippt werden sollte die Sendung bereits 1988. Kaum eineinhalb Monate im Amt, reformierte DRS-Programmdirektor Peter Schellenberg die Sendeinhalte und wagte sich an «Vis-à-Vis» heran: Der Talk sollte von Donnerstag auf Sonntag verschoben und von einer Stunde auf eine halbe verkürzt werden. Der Widerstand war gross. Das sei der Todesstoss, schrieb etwa «L’Hebdo», das Ringier-Heft. Die NZZ plädierte für das elitäre Format in dem auf «Pingpongstil bedachten Medium». Und Frank A. Meyer? Ihm missfalle die kurze Sendezeit, sagte er damals dem TA. Und drohte, seine Netze bei ARD, ZDF und ORF auszuwerfen, nahm Einfluss und setzte sich durch. Die Sendung «Karussell» dagegen wurde wie angekündigt abgesetzt. Der Unmut war gross: Sie hatte viele Fans, aber keinen Frank A. Meyer.

Zwei Jahre später verliess «Vis-à-Vis» das Schweizer Fernsehen wirklich. Und wechselte zu 3sat, dem dritten Programm von ARD, ZDF, ORF und SRF mit überschaubarem Marktanteil. Noch einmal übertrug das Schweizer Fernsehen Meyers Sendung. Peer Steinbrück war zu Gast, damals deutscher Finanzminister. Er äusserte sich zum Steuerstreit mit der Schweiz und zur Kavallerie, die er hatte losschicken wollen. Das gab nochmals Einschalt-Quote.

Frank A. Meyer will sich zum Sendeende nicht äussern. Er hat über 300 Gäste empfangen, wie Friedrich Dürrenmatt und Gerhard Schröder. Am Sonntag war er selber sein letzter Gast, befragt von Christoph Schwennicke, «Cicero»-Chefredaktor. Die Zahl der Zuschauer blieb bescheiden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.12.2016, 19:34 Uhr

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