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«Es ist schäbig, wie die Stadt in dem Film vorgeführt wird»

Grenchen fühlt sich durch einen «DOK»-Film verunglimpft. Das Schweizer Fernsehen hat nun offenbar eingelenkt.

Immerhin 35,7 Prozent der Grenchner stimmten im März für die No-Billag-Initiative. Würde die Abstimmung dieser Tage stattfinden, wäre der Ja-Anteil in der Solothurner Stadt vermutlich höher. Denn die Grenchner sind gerade schlecht zu sprechen auf das Schweizer Fernsehen. Der Grund: ein «DOK»-Film, der vor knapp zwei Wochen auf SRF lief.

Für «Die schweigende Mehrheit – eine schweizerische Nabelschau» hatte die Zürcher Filmemacherin Karin Bauer Grenchen zum «Seismografen für die Schattenseiten der Globalisierung» erkoren – hohe Arbeitslosigkeit, hoher Ausländeranteil, tiefe Stimmbeteiligung, schwächelnde Linke. Zu Beginn des Films sieht man Plattenbauten, verwitterte Rollläden, Nebelschwaden. Donald Trumps Stimme und unheimliche Musik untermalen die Bilder, der Zuschauer wähnt sich im Rust Belt der Schweiz: «You will not be forgotten.»

In der Uhrenstadt kam das nicht gut an. Ein «Zerrbild» sei dieser «DOK», las man in der Folge in den sozialen Medien, «polemisch und einseitig». Die Präsidenten sämtlicher im Gemeinderat vertretenen Parteien intervenierten beim Stadtpräsidenten François Scheidegger (FDP): Die Stadt müsse rechtliche Schritte prüfen.

«Keine Zürcher, die uns die Welt erklären»

Scheidegger selber äusserte sich gegenüber dem «Grenchner Tagblatt» entsetzt: «Es ist schäbig, wie die Stadt und ihre Einwohner in dem Film vorgeführt werden.» Mit subtiler Bildsprache sei ein Bild der Stadt gezeichnet worden, das nichts mit der Realität zu tun habe. Man werde sich nun an die Unabhängige Beschwerdeinstanz (UBI) wenden. «Wir brauchen doch keine Zürcher, die uns die Welt erklären.»

Karin Bauer wiederum zeigte sich erschrocken ob der heftigen Reaktionen: «Die Intention des Films war, am Beispiel von Grenchen die zunehmende Politikverdrossenheit zu zeigen.» Ein Grenchen-Bashing sei nie ihr Ziel gewesen.

Zwei Szenen gestrichen

So oder so, die Grenchner scheinen mit ihrer UBI-Beschwerde Erfolg gehabt zu haben. Der Begleittext zum Film wurde mit einer ergänzenden Erklärung von Grenchens Stadtpräsident François Scheidegger versehen. Und wie das «Grenchner Tagblatt» aktuell berichtet, sollen gar zwei Szenen aus «Die schweigende Mehrheit» gestrichen werden. Zudem wollen sich Scheidegger und «DOK»-Leiter Daniel Pünter zur Aussprache treffen.

Ob der Streit zwischen Grenchen und dem SRF damit beigelegt ist, wird sich noch zeigen. Aber vermutlich hat man auch in der Uhrenstadt ein Interesse daran. Denn zumindest im «DOK»-Film liefern zwei Grenchner die Antwort auf die Frage nach ihren Interessen als Bürger prompt: «Ja keis Gstürm.»

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