Seitensprung mit Tanja Gutmann

Die ehemalige Miss Schweiz spricht am Fernsehen mit Paaren, die Beziehungskrisen bewältigt haben. Nicht immer hält sie dabei die nötige Distanz ein.

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Dennis war Anni untreu. Raute hinterging ihren Ehemann Thomas. Und Achim hat seinen Partner Fritz betrogen. Was klingt wie der schlechte Plot einer Telenovela, sind in Wahrheit die Paare, die in der ersten Folge der Sendung «Liebes Krisen» der Ex-Miss Schweiz Tanja Gutmann auf 3sat ihre ­Geschichte erzählen.

In Gesprächen berichten die drei Paare, wie sie es geschafft haben, ihre Beziehung durch die jeweiligen Krisen zu retten. Als Experte kommt der renommierte Paartherapeut Klaus Heer zu Wort. Auch die zweite Folge dreht sich um Beziehungskrisen, jedoch geht es nicht um die Untreue, sondern die emotionale Leere und anderweitige Probleme, welche die Geburt des ersten Kindes nach sich zieht.

Die emotionale Balance stimmt

Spannend war die erste Folge über Untreue in mehrfacher Hinsicht: Die Paare sind nicht nur klug ausgewählt – einmal betrügt der Mann die Frau, einmal die Frau den Mann und einmal der Mann seinen Partner – sondern sie erzählen auch interessante Geschichten, die vor allem ausserhalb des Schemas «Dann ist es halt passiert» liegen. Drei verschiedene Gründe für die Untreue, drei verschiedene Blickwinkel.

Zudem begeht Tanja Gutmann als Gastgeberin nie den Fehler, den untreuen Partner an den Pranger oder den Betrogenen als Opfer darzustellen. Die emotionale Balance stimmt, sowohl in den Einzel- als auch in den Partnerinterviews. Selten wird es zu emotional. Die Einschübe mit Klaus Heer ergänzen die Geschichten der Protagonisten. Zumindest in der ersten Folge schafft es Tanja Gutmann, eine tadellose Sendung abzuliefern, obwohl das Thema der Serie schwierig ist. Sie besitzt die nötige Distanz, ohne zu kalt zu wirken, und überlässt den Paaren beim Erzählen viel Raum. Kaum Unterbrüche, wenig Zwischenfragen: Der Fokus der Sendung soll auf den Geschichten der Betroffenen liegen, Gutmann und Paartherapeut Heer bilden den Rahmen, ordnen ein, erklären.

Plötzlich fehlt die Distanz

Und dann: In der Folge über die Erstkindkrise verliert Gutmann all dies. Zu nahe scheint ihr die Trennung ihres eigenen Partners, zwei Jahre nach der Geburt ihres Kindes, noch zu sein. In den Gesprächen mit den Betroffenen nimmt sie zu viel Raum ein, hört weniger aufmerksam zu und verliert sich in teilweise langen Monologen. Während sie die professionelle Distanz in der ersten Folge noch einhielt, verkommt die Folge über die Erstkindkrise teilweise zu einer Folge über die Trennung Gutmanns. Die Einschübe, in welchen sie mit dem Paartherapeuten Heer spricht, könnten Aufzeichnungen ihrer eigenen Therapie sein.

Das Thema an sich ist, abseits der fehlenden Distanz der Moderatorin, einiges schwieriger als beim Erstling. Gegenüber der in der zweiten Sendung angesprochenen Probleme – Depressionen, Alkohol-, Drogen- und Pornosucht – wirkt der erste Teil geradezu zahm. Dies liegt vielleicht auch am kürzeren Zeitraum zwischen den besprochenen Problemen und dem Zeitpunkt der Aufzeichnung: Während die Vorfälle in der Sendung zur Untreue mehrere Jahre zurückliegen und die Paare mittlerweile sogar über diese Vorfälle witzeln können, werden die Protagonisten der zweiten Sendung teils sehr emotional, oder sie wirken umgekehrt annähernd gefühlstot oder scheinen die Situation aus einer externen Perspektive zu sehen.

Das Happy End ist nicht immer glaubwürdig

Ein Tick Voyeurismus spielt wohl mit, wenn man sich die Sendung anschaut, in welcher Unbekannte ihre persönlichsten Beziehungsmomente vor der Kamera ausbreiten. In der Folge zur Untreue kommt der Zuschauer diesbezüglich auf seine Kosten, er findet in den Berichten der Paare den typischen dramaturgischen Aufbau mit dem erregenden Moment der Untreue am Anfang; dem Moment, in welchem alles ans Licht kommt (dies gewissermassen der emotionale Höhepunkt), und einem «klassischen» Happy End, da alle Paare wieder zueinandergefunden haben.

In der zweiten Folge fehlt dieses echte Happy End indes. Obwohl alle Paare von sich behaupten, wieder glücklich zu sein, scheint die Last der Vergangenheit schwer auf ihnen zu liegen. Man hat Mühe, ihnen ihr «Glück» auch tatsächlich abzukaufen.

Nächste Folgen: “Schwiegereltern”, Mittwoch, 20.09.2017, 20:15 Uhr, “Rollenkonflikte”, Mittwoch, 20.09.2017, 21:05. Die ersten beiden Folgen können in der Mediathek des Senders nachgesehen werden.

Erstellt: 14.09.2017, 16:22 Uhr

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