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Harald Schmidt fehlt schmerzlich

Dem neuen «Tatort» aus dem Schwarzwald nimmt die doppelte Tragik – Kinder als Täter und Opfer – alle Krimiqualitäten.

Erster Tatort mit neuem Ermittlerteam: Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner. (Foto: SWR)
Erster Tatort mit neuem Ermittlerteam: Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner. (Foto: SWR)

Neben Stuttgart und Ludwigshafen besetzt der SWR einen dritten «Tatort»-Standort. Lange war das Konstanz, aus einem Nachfolgecasting ging Freiburg als Sieger hervor – aber nur in Kombination mit dem Schwarzwald. Die Natur solle mitspielen, hiess es auch vorab. Und so schwelgte die Kamera anfangs in winterlichen Tannenpanoramen, bis sie das neue Ermittlerpaar heranzoomte, das gleich mit einer schlimmen Botschaft bei den Eltern der kleinen Frieda auftreten musste: Die Elfjährige war tot im Wald gefunden worden, erschossen. Mit zwei Schulkollegen war sie unterwegs; Paul lebt, sagt aber nichts, Linus bleibt verschwunden.

Von nun an beschäftigt sich Regisseur Robert Thalheim ausgiebig mit Leid, Sorge und Zorn der Eltern, tritt sie breit, schwelgt geradezu darin; dazu erklingen düstere Bläserakkorde. Misstrauen kommt auf, man verdächtigt sich gegenseitig, die Tragödie treibt die Freunde auseinander. Entscheidendes Täterwissen wird dem Zuschauer indes früh verraten: Der Schuss ist aus 80 Zentimetern Höhe abgegeben worden; klar, dass entweder der bockige Paul oder der flüchtige Linus geschossen haben muss. Die Waffe hatten sie in einem Depot im Wald gefunden.

Ermittler-Duo mit wenig Profil

Diese doppelte Tragik – Kinder als Täter und Opfer – lähmt den Film, nimmt ihm noch mehr vom ohnehin schon behäbigen Tempo und nach und nach alle Krimiqualitäten. Die Ermittler verfolgen noch eine zweite Spur, die Herkunft der Waffen. Sie suchen bei den Sportschützen und beim Grossfabrikanten in der Nähe, aber weder der noch eine Scheinbestellung im Darknet bringen sie weiter.

Ja, die Ermittler: Hans-Jochen Wagner (als Friedemann Berg) und Eva Löbau (als Franziska Tobler) werden sich nicht so bald an die Beliebtheitsspitze der «Tatort»-Kommissare spielen. Dazu konnten sie bei diesem ersten Auftritt zu wenig Profil entwickeln. Optisch vom Typus Bär und Rehkitz, gab Wagner den Aufmüpfigen, Löbau die Einfühlsame. Das reicht noch nicht, um ihretwegen einzuschalten. Die Position des nervigen Staatsanwalts bleibt unbesetzt, dafür darf Steffi Kühnert als Kriminaloberrätin, schmallippig und übel gelaunt, die Radfahrerin geben (nach oben buckeln, nach unten treten).

Ihre Rolle war eigentlich Harald Schmidt zugedacht, der aus «persönlichen Gründen», welchen auch immer, abgesagt hat. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie er diesem lahmen, originalitätsfreien «Tatort» eingeheizt hätte, Drehbuch und Regie zum Trotz. Der Schwarzwald als Spielort schliesslich: Gepützelt und gentrifiziert wirkten die Behausungen, deren Bewohner alle nicht von dort zu stammen schienen. Wald und Bäume, Schlucht und Staudamm reichen eben nicht, um jene lokale Realität herzustellen, auf die sich die Reihe doch beruft. Es hat auch mit der Sprache zu tun. Bis auf ein verschämtes, einmaliges «immer s Gliiche» Wagners hörte man klares, steriles Hochdeutsch. Es kann also nur besser werden. Oder auch nicht.

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