«Heidi»-Regisseur ist tot

Der japanische Altmeister des Zeichentrickfilms Isao Takahata starb im Alter von 82 Jahren. Er hatte «Heidi» in Japan zur Kultfigur gemacht.

«Heidi» kann auch Japanisch: Trailer zum Original-Anime aus den 1970ern.


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Der Filmemacher starb in einem Spital in Tokio, wie japanische Medien am Freitag berichteten. Takahata war zuletzt gesundheitlich angeschlagen. Er hatte unter anderem für sein preisgekröntes Werk «Die letzten Glühwürmchen» international Ruhm erreicht.

International erfolgreich: Hayao Miyazakis «Die letzten Glühwürmchen».

Der anrührende Zeichentrickfilm thematisiert schonungslos die Schrecken des Krieges durch die Augen von Kindern. Auch mit der TV-Zeichentrickserie «Heidi, das kleine Mädchen aus den Alpen» landete Takahata einen Hit. Das Titellied der Serie – eine Art Jodel à la Japonaise – wurde regelmässig in den Tokyoter Karaoke-Clubs gespielt. Heidi-Fans haben sich in Clubs zusammengeschlossen, die Kinder spielten mit Heidi-Puppen oder -Plüschfiguren.

Weltberühmtes Studio Ghibli gegründet

Der 1935 in der japanischen Provinz Mie geborene Takahata studierte Französische Literatur und begann seine Karriere beim Zeichentrickstudio Toei Animation. Dort begegnete er Miyazaki, dem heute legendären Zeichentrick-Regisseur, mit dem er 1985 das weltberühmte Studio Ghibli gründete.

In Takahatas langer Karriere entstanden rund 20 Filmwerke, darunter der von ihm produzierte Animefilm «Nausicaä aus dem Tal der Winde» (1984) und der Film «Die Schlacht der Marderhunde in der Heisei-Zeit - Pom Poko» von 1994. Takahata war daneben auch politisch aktiv und übte Kritik an der Politik des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, der die pazifistische Nachkriegsverfassung ändern und Japan zu einer grösseren militärischen Rolle verhelfen will.

In Locarno ausgezeichnet

Takahata wurde in seiner Karriere mehrfach geehrt. So erhielt er 2015 den Ordre des Arts et Lettres, einen Verdienstorden des französischen Kulturministeriums, für seine langjährige Zusammenarbeit mit französischen Animatoren und das Übersetzen von französischen Gedichten ins Japanische.

Das Filmfestival von Locarno würdigte den Japaner 2009 mit einem Ehrenleoparden. Sein jüngster Film «Die Legende der Prinzessin Kaguya» wurde 2015 für den Oscar in der Kategorie «Bester animierter Spielfilm» nominiert.

Isao Takahata 2009 mit seinem Ehrenleoparden am Filmfestival von Locarno.

Oscar-nominiert: «Die Legende der Prinzessin Kaguya».

(dj/sda)

Erstellt: 06.04.2018, 08:39 Uhr

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