«Hier spricht die Regie: Die Zeit ist leider aufgebraucht»

Meint er das ernst? Und ist ihm bewusst, dass er beste Werbung für die SRG macht? Roger Köppels neue Sendung gibt Rätsel auf.

Sondersendung aus Davos: Weltwoche Daily mit Roger Köppel am Mikrofon.


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Seit einer Woche sendet Roger Köppel, SVP-Nationalrat, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche», jeden Nachmittag von Montag bis Donnerstag um 16.30 Uhr seine eigene Tagesschau aus. Die vier bisherigen Sendungen von «Weltwoche daily» dauern insgesamt 1 Stunde, 19 Minuten und 24 Sekunden und es gibt wohl nicht viele Menschen, die die 1 Stunde, die 19 Minuten und die 24 Sekunden in ihrer Gänze gesehen haben. Es ist ziemlich lang.

Er wolle ein «unverzichtbares Format» schaffen, sagte Köppel in der ersten Sendung, um etwas gegen die SRG und deren «eingefärbte Sicht» zu stellen. Die Sendung wird in seinem unaufgeräumten Büro aufgenommen und beinhaltet jeweils drei Themen des Tages, eine Leserzuschrift und einen Tipp des Tages.

Bald wird das ganze kosten, für alle Nicht-Abonnementen der «Weltwoche» jedenfalls, 16 Franken im Monat, macht 192 Franken im Jahr, eine halbe Billag-Gebühr.

Was einem dafür geboten wird? Beste Unterhaltung! Allerdings nur in den ersten Minuten der allerersten Sendung. Da ist Köppel per Skype mit der Falkenstrasse verbunden. Am Draht: Eric Gujer, der Chefredaktor der NZZ. Der hat kürzlich einen ziemlich wütenden Text für die No-Billag-Initiative geschrieben und erhielt darauf ziemlich viele wütende Leserzuschriften.

Skypen mit Eric Gujer: Die erste «Weltwoche daily»-Show mit Anchorman Roger Köppel.

Gujer nutzt Köppels Premierensendung, um etwas klarzustellen. Er sei für den «Service Public» und er habe nicht vor, bei der Initiative mit Ja abzustimmen. Dann grätscht Köppel dazwischen und sagt glucksend, die Regie habe ihm eben gesagt, die Zeit sei leider um (haha, fast wie im richtigen Fernsehen!). Es folgt eine Telefonschaltung nach Deutschland (Köppel findet Merkel nicht so glatt) und dann zum Glück schon die Leserfrage.

WEF, SRG-Bashing, WEF

Tag 2: WEF, SRG-Bashing wegen des Falls Walker (die «Rundschau» sei «Selbstgerechtigkeits-TV mit scharfrichterartigen Anwandlungen», sagt Köppel grinsend) und eine Telefonschaltung zu Oswald Grübel.

Tag 3: WEF, SRG-Bashing wegen des Falls Walker, eine Telefonschaltung zum Mitredaktoren Alex Baur, eine Telefonschaltung nach Deutschland.

Tag 4 ist ein besonderer Leckerbissen. Zwar ist die Sendung nur halb so lang, dafür doppelt so verwackelt. Und es gibt auch keine Telefonschaltung. Köppel filmt sich selber, direkt aus dem Kongresszentrums des WEF in Davos. Emmanuel Macron findet er nicht so glatt, Theresa May hingegen schon und Donald Trump natürlich auch. Grosse Überraschung.

Warum macht er das? Warum tut er sich das an? Und uns? Hat es etwas damit zu tun, dass er nicht mehr so häufig am deutschen Fernsehen zu sehen ist (und dafür umso häufiger auf Facebook)? Fehlt ihm die Aufmerksamkeit? Möchte er der Rush Limbaugh der Schweiz werden? Und warum startet er die Sendung gerade jetzt?

Blick auf die Zukunft ohne SRG?

Er habe seine Sendung nicht wegen der No-Billag-Initiative ins Leben gerufen, sagte Köppel den Kollegen von nau.ch, sondern weil der Online-Auftritt der «Weltwoche» überarbeitet worden sei.

Und doch lässt sich das, was der Nationalrat da macht, nicht ohne den Kontext von No Billag anschauen. Ob Köppel bewusst ist, dass seine längliche, dilettantisch produzierte und massiv überteuerte Sendung wie eine Satire auf die Zeit nach einem möglichen Ja zu No Billag wirkt? Meint er das alles ernst? Wer will das schauen? Und dafür bezahlen?

Wie hat es Roger Köppel selber gesagt, als er über den WEF-Besuch von Alain Berset sprach? Der Auftritt erinnere ihn an eine alte Indianerweisheit. Verlasse nie dein Zelt. Es könnte sein, dass du dich auf der grossen Bühne entzauberst. Oder im Fall von Köppel: auch auf einer ziemlich kleinen.

Erstellt: 26.01.2018, 18:40 Uhr

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