«Ich war derjenige, der aufhören wollte»

SRF stellt die Erfolgsserie «Der Bestatter» ein. Hauptdarsteller Mike Müller sagt, warum es Zeit ist aufzuhören – und was er als Bestatter gelernt hat.

Als Luc Conrad wird Mike Müller 2019 ein letztes Mal zu sehen sein. Dann ist Schluss mit der Erfolgsserie «Der Bestatter». Die Dreharbeiten zur siebten und finalen Staffel beginnen in einer Woche. Bild: SRF/ Lucian Hunziker

Als Luc Conrad wird Mike Müller 2019 ein letztes Mal zu sehen sein. Dann ist Schluss mit der Erfolgsserie «Der Bestatter». Die Dreharbeiten zur siebten und finalen Staffel beginnen in einer Woche. Bild: SRF/ Lucian Hunziker

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SRF verkündet das Aus der Serie «Der Bestatter». Wie fühlt sich das Ende an?
Wir sprechen jetzt zwar über das Ende des «Bestatters». Aber für die Beteiligten fühlt es sich gerade nach dem Gegenteil an. Mit dem Dreh zur neuen Staffel geht es bald richtig los. Und so ist auch die Stimmung dementsprechend gut.

Sie sagen dazu: «Aufhören, wenn man kann, nicht wenn man muss.» Wieso gerade jetzt aufhören?
Eine Serie hat immer eine bestimmt Halbwertszeit, und es ist nicht so einfach, diese zu bestimmen. Vielleicht hätte man auch noch eine Staffel mehr machen oder schon vor drei Jahren aufhören können. Aber heute werden Serien nicht mehr so alt wie früher. Man muss sich rechtzeitig überlegen, wie man den Ausstieg macht. Wir hatten Glück mit dem «Bestatter». Es ist eine Serie, die wir alle selbst gut finden und gerne machen. Das heisst aber auch, dass wir diesem Produkt Sorge tragen müssen und es nicht ausquetschen wie eine Zitrone. Lieber einen guten Punkt machen und aufhören. So gibt es auch wieder Platz für Neues, für die einzelnen Schauspieler, die Autoren, den Sender.

Und Sie, hätten Sie gerne weitergemacht?
Nein, nein. Ich war derjenige, der Druck gemacht hat und aufhören wollte. Aber ich finde es gut, dass wir eine siebte Staffel machen. Natürlich hätte ich als Hauptdarsteller sagen können: Ich bin raus. Aber das ist nicht meine Art. So eine Serie zu machen ist eine grosse Teamarbeit. Und wir als Team haben in all den Auseinandersetzungen, die wir in den letzten sieben Jahre hatten, ein sehr loyales Verhältnis gepflegt.

Sie konnten also immer mitreden, auch über das Ende des «Bestatters»?
Selbstverständlich. Gerade wenn es um das Ende des Bestatters geht. Das waren mehrere Gespräche, die wir über zwei, drei Jahre geführt haben, auch mit Urs Fitze. Wir hören im Guten auf. Das finde ich wichtig.

Sie haben sieben Jahre lang den Bestatter gespielt. Hat die Rolle auf Sie abgefärbt?
Nein. Das ist ein Job. Natürlich, wenn man sich über sieben Staffeln mit einer Figur beschäftigt, nimmt man diese Figur auch unter dem Jahr mit. Man verfolgt gewisse Themen mit einem anderen Fokus. Die Rolle färbt aber nicht auf einen ab, weil man sie so viel spielt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Man muss schauen, dass die Figur immer frisch bleibt.

Sie sagen, Sie haben für gewisse Dinge einen anderen Blick entwickelt. Für welche?
Ich habe Friedhöfe sehr zu schätzen gelernt. Ich beschäftige mich mit verschiedenen Bestattungsritualen. Ich beobachte eine gewisse Ökonomisierung, die im Bestattungswesen Einzug gehalten hat. Die wird jetzt aber auch wieder rückgängig gemacht. Zum Beispiel nimmt man mit dem Sarg nur noch im Hotel den Hinterausgang. In Altersheimen hingegen geht man mit dem Sarg durch den Haupteingang rein und raus. Das gehört dazu. Nicht, weil die Bestatter zu stolz wären, den Warenlift zu benutzen. Sondern weil sie mit einer verstorbenen Person unterwegs sind. Da stellt sich die Frage der Würde. Den Tod kann man nicht durchökonomisieren, man kann ihn schlecht planen.

Spannende Themen, die man durch so eine Rolle mitbekommt.
Ja. Das hat viel mit den Dreharbeiten zu tun. Ich will natürlich wissen, wie schwer ein Sarg ist, wie er sich anfühlt.

Und?
Ja, kommt darauf an, wer drin liegt. (lacht) Bestatter sagen alle dasselbe: Wenn dus im Rücken hast, musst du dir das gar nicht überlegen. Ich habe über die Jahre viel gelernt von Bestattern. Das ist ein breites Feld. Es gibt alle möglichen Arten von Bestattern.

Sie scheinen fasziniert von diesem Beruf. Haben Sie jetzt vor, tatsächlich Bestatter zu werden?
Nein. Darin liegt das Privileg des Schauspielberufs. Man kann verschiedene Berufe auswählen, ohne dass man sie richtig ausüben muss.

Wie viel Raum hat die Rolle des Bestatters genommen, und was kommt danach?
Was sicher wegfällt sind der viermonatige Drehblock und die vielen Sitzungen rundherum. Das hat viel Zeit in Anspruch genommen. Jetzt will ich wieder auf die Bühne. Dort arbeitet man anders: schneller, billiger, einfacher. Und mit weniger Glamour. (lacht)

Das Publikum liebt Sie ja als Bestatter. Trotzdem kam die Serie bei TV-Kritikern oft schlecht weg. Macht Ihnen das zu schaffen?
Nein. Ich finde, dass der «Bestatter» eigentlich immer wohlwollend behandelt worden ist. Er läuft sozusagen im Windschatten des «Tatorts», der als Prügelknabe hinhalten muss. Zudem gab es schlechte Kritiken für den «Bestatter», an denen was dran war. Auch war SRF sehr aktiv, andere Serien zu lancieren, zum Beispiel die Krimiserie «Wilder» oder «Seitentriebe». Das nimmt entsprechend Druck aus dem Bestatter. Von dem her ist der Zeitpunkt, jetzt aufzuhören, perfekt.

Einige der TV-Kritiker sehen Sie ohnehin lieber auf der Bühne. Sie können sich also freuen.
Nein, das kann man so nicht sagen. Als Schauspieler ist man es sich gewohnt, dranzukommen. Kritiker sind sich das nicht gewohnt. (lacht) Seit es Social Media gibt, kann man auch zurücktreten. In einer Late-Night-Show auch. Das haben wir gemacht.

Wo fühlen Sie sich denn wohler, Bühne oder TV?
Das kann ich so nicht sagen. Ich mache beides gerne. Nach vier Monaten Dreh bin ich froh, wenn ich wieder auf die Bühne kann. Aber wenn wie jetzt eine Staffel ansteht, freue ich mich auch auf die Dreharbeiten. Aber mein Weg führte und führt weiterhin über die Bühne. Dort lernt man das Handwerk und dort schärft man es auch immer wieder.

Auf was freuen Sie sich am meisten?
Ich liebe Theaterproben. Dort kann ich Sachen ausprobieren. Und wenn man erst mal gewisse Dinge zu Faden geschlagen hat, kann man noch mal was Neues einbauen. Beim Drehen muss das schnell passieren. Alles ist vorbereitet: Kamera, Ausstattung, Licht, Setrequisite, Maske. Aber am Schluss muss man trotzdem ein bisschen giftig aufs Set kommen und schauen, wie man Szenen knackig hinkriegt. Das ist immer wieder eine spannende Aufgabe.

Können Sie mir eine Anekdote vom Set erzählen? Ihr schlimmster Drehtag? Ihr bester?
Ich erzähle keine Anekdoten. Das ist eine furchtbare Schauspielerkrankheit. Dass man in der Kantine bei Weisswein Anekdoten zum Besten gibt, ach … Aber am Schluss werden wir 40 Folgen gedreht haben. Natürlich hat man da viel erlebt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.06.2018, 16:51 Uhr

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