«Ich werde von düsteren Kräften missbraucht»

Ein Fake-Schawinski kursiert im Web. Der echte Roger Schawinski ist besorgt – und fordert die Politik auf, gegen Falsch-Werbung vorzugehen.

Screenshot der Fake-Werbung.

Screenshot der Fake-Werbung.

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Seit Wochen kursieren Fake-Schawinskis im Internet. Wie fühlt sich das an?
Ich werde von düsteren Kräften missbraucht. Meine Popularität und meine Glaubwürdigkeit als kritischer Interviewer und Unternehmer werden dafür genutzt, Leute abzuzocken und so einen Betrug aufzuziehen. Ich bekam in den letzten Tagen ständig Hinweise von Freunden, da werde im Netz mit meinem Namen Werbung für Bitcoins gemacht. Dabei habe ich vor längerer Zeit entschieden, nicht einen Franken in Bitcoins zu investieren, weil ich diesem Konzept absolut misstraue.

Und was tun Sie dagegen?
Leider kann man nicht viel tun. Ginge es um eine betrügerische Werbung in der realen Welt, wäre mein Weg klar: Eine Klage, eine einstweilige oder superprovisorische Verfügung – und weg wäre der Fake. In diesem Fall bin ich, auch nachdem ich mich nun länger mit dieser leidigen Angelegenheit beschäftigt habe, ziemlich ratlos. Ich schreibe Seiten an, wo solche Werbung erscheint. Die müssen die Werbung, die bei denen ja automatisch reingespült wird, von Hand entfernen. Sehr mühsam, das Ganze.

Trauen Sie es den Leuten nicht zu, Fakes als solche zu erkennen?
Der Fake ist sehr professionell aufgezogen. Fehlerfreies Deutsch, mit Bildern eines Interviews von mir mit DJ Bobo, das ich vor sechs Jahren ja tatsächlich mit ihm geführt habe – nur gings dabei natürlich nicht um Bitcoins! Und wenn nur ein Prozent der User darauf hereinfällt, hat es sich für die Betrüger gelohnt. Die haben es auf die Dummen abgesehen. Das ist Money for Nothing für diese Leute.

Auch mit Gottschalk, Bohlen oder Jauch wird geworben. Erkennen Sie ein Muster?
Das ist offensichtlich: Es sind alles Prominente, die sich ihre Reputation seit vielen Jahren aufgebaut haben. Und alle können offensichtlich gut mit Geld umgehen. Dass das Renommee solcher Leute auf diese schamlose Weise missbraucht wird, empfinde ich als schändlich.

Haben Sie die Mechanismen dahinter verstanden – wer den Fake gemacht hat, warum er wo online erscheint?
Nein, ich verstehe das alles nicht, das ist nicht ersichtlich. Was ich jedoch weiss: dass Google, Facebook und Instagram ihre Werbegeschäfte nicht im Griff haben. Wir sehen hier eine dunkle Seite des Internets.

Wie weiter?
Die Politik sollte aktiv werden. In den USA sollen die Silicon-Valley-Riesen ja endlich härter angegangen werden. Das müsste auch bei uns passieren, selbst wenn die Hürden bei uns noch höher sind.

Würden Sie das Internet am liebsten abschalten?
Sicher nicht. Die Vorteile sind offensichtlich und die Möglichkeiten riesig. Aber das Internet wird leider nicht zivilisierter – im Gegenteil! Zur Fake-Werbung kommt ja noch die anonyme Hasskultur, die ebenfalls wuchert. Das Internet wird immer mehr auch für düstere Zwecke missbraucht. Und wenn ich an das Phänomen der Deep Fakes denke: Da gibt es natürlich viel Material von Gottschalk, Bohlen und eben auch von mir, das man leider optimal als Grundlage für Fakes benutzen kann.

Erstellt: 28.06.2019, 15:58 Uhr

Roger Schawinski (*1945) ist Unternehmer, Journalist und Autor. Der Zürcher gründete das erste Schweizer Privatradio sowie das erste Schweizer Privatfernsehen und leitete den TV-Sender Sat 1. (lsch) (Bild: Dominique Meienberg)

Fake Ads

In der derzeit kursierenden Fake-Werbung wird behauptet, DJ Bobo habe Roger Schawinski während einer Sendung auf die Chancen eines Bitcoins-Investments hingewiesen. Am Ende des Beitrags, der im Layout eines Online-Mediums gestaltet ist, werden die User eingeladen, es Schawinski gleichzutun und Geld einzuzahlen.

Fake-Werbung im Internet ist heute ein Milliardengeschäft – nicht zuletzt, weil die Online-Werbeplätze auch auf seriösen Websites automatisch nach dem Auktionsprinzip zugeteilt werden.

Verschiedene Länder haben mittlerweile Anlaufstellen für Betroffene eingerichtet. Nicht so die Schweiz, wo sich derzeit das Seco und die Eidgenössische Kommission für Konsumentenfragen mit dem Thema beschäftigen. (lsch)

Diese Fake-Werbung kursierte vor einigen Wochen. Sie führte zu einer dubiosen Seite, die Ramschartikel feilbot.

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