Ihre Majestät, die neue Elizabeth II.

Für die 3. Staffel der Netflix-Serie «The Crown» wurde das Personal altershalber ausgewechselt. Oscar-Gewinnerin Olivia Colman trägt nun die Krone.

Was sie wohl denkt? Olivia Colman zeigt als Queen wenig von ihren Gefühlen. <nobr>Fotos: Netflix</nobr>

Was sie wohl denkt? Olivia Colman zeigt als Queen wenig von ihren Gefühlen. Fotos: Netflix

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Königin ist die gleiche, aber eine neue Briefmarke muss her. Die dritte Staffel der Serie «The Crown» beginnt mit einer Szene, in der Elizabeth II. das Porträt begutachtet, das von nun an alle Briefe Grossbritanniens zieren wird: «Ich bin eine alte Schachtel», sagt sie. Köstlich, wie der ganze Hofstaat um sie versucht, ihr das auszureden und mit schönen Worten zu umschreiben, dass ihr jugendliches Bild auf den alten Marken einfach nicht mehr zeitgemäss sei. «Ich bin eine alte Schachtel», beharrt sie.

Das ist, wie vieles an der Netflix-Prestigeserie von Peter Morgan, clever und symbolisch. Die neuen Folgen setzen im Jahr 1964 ein, nur wenige Wochen nach dem Ende der zweiten Staffel. Elizabeth II. ist jetzt 38 Jahre alt und seit zwölf Jahren auf dem Thron. Um sie durch die dritte und die sich bereits in Arbeit befindende vierte Staffel zu bringen, braucht es eine reifere Darstellerin als Claire Foy, die in den Jugendjahren der Königin glänzte.

Wie sieht die Neue in der alten Rolle aus? Der Moment wird hinausgezögert, zuerst ist die Regentin nur von hinten zu sehen, anschliessend in der Unschärfe. Doch dann steht Olivia Colman da, mit regungslosem Gesicht.

Ab 17. November auf Netflix: Die 3. Staffel von «The Crown».

Es ist nicht die erste Königin für die Schauspielerin, die das TV-Publikum am besten als Detektivin aus der englischen Krimiserie «Broadchurch» kennt. Im Kinofilm «The Favourite» spielte sie die launische Queen Anne aus dem 18. Jahrhundert. Sie lachte, schmollte und brüllte darin so überzeugend, dass sie im März dieses Jahres den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt. In ihrer neuen Königinnen-Rolle ist aber das genaue Gegenteil gefragt: grösstmögliche Zurückhaltung.

Elizabeth II. war ja bereits unter ihrer Vorgänger-Darstellerin kein Emotionsbündel. Aber die meisten der zwanzig Folgen bezogen ihren Reiz aus der Tatsache, dass da eine junge Königin nach dem frühen Tod des Vaters ein Amt übernehmen musste und alle dachten, dass sie diesem überhaupt nicht gewachsen sei. Dann konnte sie ihre Umgebung und die Welt in Erstaunen versetzen, wie clever sie agierte.

Keine Reaktion, auch wenn 116 Kinder sterben

In der dritten Staffel zweifelt keiner mehr an ihren Fähigkeiten. Umso erstaunlicher, wie emotionslos sie in gewissen Situationen handelt. Gegen aussen bleibt sie stets kühl, sogar wenn bei einer Bergwerkkatastrophe im walisischen Aberfan durch einen Hangrutsch 116 Kinder verschüttet werden. Oder wenn andere Mitglieder ihrer Familie die Liebschaft zwischen ihrem Sohn Charles und einer gewissen Camilla – ja, ja, diejenige, die er Jahrzehnte später doch heiraten wird – zu unterbinden versucht.

Ist die vornehme Zurückhaltung eine königliche Schwäche? Oder ist es eine Stärke, welche den Stil von Elizabeth II. erst auszeichnet? Peter Morgan, der für die meisten Folgen das Drehbuch schrieb, spielt äusserst geschickt mit diesen Fragen – und lässt sie offen. Dafür hat er mit Olivia Colman die perfekte Darstellerin. In ihren Gesichtsausdruck lässt sich alles hineinlesen.

Prinzgemahl Philip (Tobias Menzies) erhält in der 3. Staffel mehr Raum.

Die Königin tritt allerdings in dieser Staffel phasenweise fast in den Hintergrund. Ins Zentrum rückt dafür ihr Prinzgemahl Philip, dessen neuer Darsteller Tobias Menzies viel mehr Farben in diese snobistische Figur bringt. Und Helena Bonham Carter brilliert als exzentrische Prinzessin Margaret, deren Besuch beim US-Präsidenten Lyndon B. Johnson zu einem der Höhepunkte der Staffel gehört.

Graue Premiers und ein Song von David Bowie

Die Stärke der Serie ist immer noch, Weltpolitik im Stil einer gehobenen Seifenoper zu erzählen. «The Crown» bleibt wunderbar ausgestattet und klug erzählt, auch wenn nicht alle Folgen der bis ins Jahr 1977 reichenden Staffel gleich spannend sind. Zu ereignislos waren diese Jahre mit den eher grauen Premierministern Wilson und Heath, deren Besuche bei der Queen zu den Ritualen der Serie gehören. Aber es gibt wunderbare Passagen, zum Beispiel wenn Prinzessin Anne – die Schwester von Charles – mit ihrem Sportwagen spätnachts in den Buckingham-Palast einfährt und die Wachen mit einem sehr lauten Song von David Bowie erschreckt.

In der für nächstes Jahr vorgesehenen vierten Staffel wird es sowieso vorbei sein mit der königlichen Zurückhaltung. Denn da sind weitere Figuren angesagt, die wohl selbst ihre Majestät aus der Reserve locken werden: Margaret Thatcher. Und Prinzessin Diana.


Die besten Darstellerinnen britischer Königinnen


Erstellt: 13.11.2019, 15:27 Uhr

Artikel zum Thema

Das sind die Top-Serien aller Anbieter

Was bietet der nun in der Schweiz gestartete Streamingdienst TV+ von Apple? Was läuft sonst in dieser Serien-Saison? Die grosse Übersicht. Mehr...

Von Elizabeth zu Lisbeth

SonntagsZeitung Claire Foy war die britische Königin in der Netflix-Serie «The Crown», jetzt spielt sie die Krimi-Ikone Lisbeth Salander im neuen Millennium-Hollywoodfilm «The Girl in the Spider’s Web». Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Sweet Home Der grosse Sweet-Home-Geschenkeratgeber

Geldblog Medacta enttäuscht die Anleger

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...