Ins Abseits gefurzt

Nach einem bizarren Auftritt des Komikers Luke Mockridge im ZDF wird spekuliert, was dahinterstecken könnte.

Luke Mockridge hat sich ein paar blöde Witze erlaubt: «Ein Affe», nennt Moderatorin Andrea Kiewel den Komiker. Quelle: ZDF

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Vielleicht war der Auftritt des Komikers Luke Mockridge am Sonntagvormittag seiner Patentante Hella von Sinnen gewidmet. Denn von Sinnen schien der Komiker bei seinem Auftritt im ZDF-‹Fernsehgarten›. Begonnen hatte alles in Minne, Moderatorin Andrea Kiewel kündigte ihn mit den Worten an, die Redaktion verehre den Komiker «wie verrückt». Was er dann aber bot, war ihr allerdings etwas zu verrückt. Er riss Witze, die eher einem Kindergärtler anstehen würden als einem 30-Jährigen («Ich leide unter der Krankheit Furzeritis»), dann hüpfte er kreischend wie ein Schimpanse über die Bühne, erzeugte Furzgeräusche mit der Achselhöhle und verhöhnte dazwischen ältere Menschen: «Sie haben graue Haare, sie sind schrumpelig, und sie riechen immer nach Kartoffeln.» Das Publikum, eher jenseits der 60 anzusiedeln, reagierte befremdet. Ebenso Moderatorin Kiewel, die schon nach wenigen Minuten intervenierte und das Affentheater mit den Worten beendete: «Der ‹Fernsehgarten› ist gerne die Bühne für Künstler aller Art, aller Genres … Okay, mehr sag ich dazu nicht.»

Zweifel am Selbstwert

Nun rätselt die deutsche Fernsehnation, was hinter dem bizarren Auftritt stecken könnte. Mockridge tauchte nachdem Eklat kommentarlos ab, es tauchten dafür Spekulationen auf. Der Komiker habe sich schon vor der Sendung verdächtig benommen, am Morgen die Hauptprobe verpasst und sich entschuldigt, er habe verschlafen. Mockridge hatte zudem sein eigenes Kamerateam dabei, weshalb man nun spekuliert, dass er das Material selbst weiterverwenden will. Karsten Walter von der Schlager-Boygroup Feuerherz, ebenfalls vor Ort, sagte dem Magazin «Focus»: «Wir glauben nicht, dass er das ernst gemeint hat» – was die Frage aufwirft, wie ernst ein Komiker seinen Witz meinen muss, um Erfolg zu haben.

Dabei hätte Mockridge allen Grund, sich Mühe zu geben. Dem Sohn des kanadischen Kabarettisten und Schauspielers Bill Mockridge und der italienischen Kabarettistin Margie Kinsky scheint eine Bühnenkarriere schon in die Wiege gelegt worden zu sein. Als Jugendlicher versuchte er sich kurz an einer Fussballerkarriere, bevor er schliesslich Medien- und Kommunikationswissenschaften studierte und sich dann dem Showgeschäft zuwandte. Schnell wurde er Teil verschiedenster Comedy-Formate, wie etwa Stefan Raabs «TV Total», und wird auch immer wieder mit Auszeichnungen geehrt, unter anderem mit dem deutschen Grimme-Preis. Dennoch bekannte er in Interviews wiederholt, wie sehr er sich unter Druck fühle und mit Zweifeln am Selbstwert zu kämpfen habe.

Eigene Sendung

Umso eifriger rätselt die Szene nun, was am Sonntagvormittag in den Komiker gefahren sein mag. Geplant ist, dass er am 13. September mit seiner eigenen Sat1-Show «The Greatnightshow» auf Sendung gehen wird. Dann wird sich zeigen, ob er das Material vom Auftritt im «Fernsehgarten» für diese neue Sendung nutzen will – oder sich einfach einen Aussetzer geleistet hat. Erst mal muss er jetzt aber die Aufregung überstehen, die sein Auftritt erzeugt hat. Viele fanden seinen Auftritt ziemlich daneben, am deutlichsten Moderatorin Kiewel: «Shame on you!», liess sie ihn wissen, was für einen Komiker eher Ansporn denn Bremse ist. Sofern er nicht gerade mit seinem Selbstwert zu kämpfen hat.

Erstellt: 19.08.2019, 16:16 Uhr

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