SRG-«DOK» vier Tage nach No Billag

Kurz nach der Abstimmung sendet SRF einen Dokumentarfilm zum Thema. Gewagt – aber reüssiert.

Im SRF-Dok «Im Kreuzfeuer» historisch aufgerollt und kritisch beleuchtet: Die SRG und deren Gegner.

Im SRF-Dok «Im Kreuzfeuer» historisch aufgerollt und kritisch beleuchtet: Die SRG und deren Gegner. Bild: Screenshot SRF

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«Und hier blickt Dok-Filmer Beat Bieri gleich auf Historisches zurück. Historisches, dessen Kulminationspunkt gerade mal vier Tage her ist.» Mit diesen Worten verabschiedete sich «Tagesschau»-Sprecher Florian Inhauser am Donnerstagabend von seinem Publikum.

Gerade mal vier Tage nach der deutlichen Ablehnung der No-Billag-Initiative könnte die Wortwahl des Moderators manch einem falsch aufgestossen sein, sprach er doch von einem Abstimmungsergebnis, das in erster Linie auch seinen eigenen Arbeitsplatz gesichert hat. Alsbald wurde aber klar, dass Inhauser den Begriff «historisch» im wahrsten Sinne des Wortes benutzt hat: als vorläufigen Schlusspunkt einer Entwicklung, die ihren Anfang schon vor einiger Zeit genommen hat.

Kurz nach den einleitenden Bildern der Verkündung der Resultate und der damit einhergehenden Erleichterung bei den Gegnern der Initiative folgt ein Zeitsprung ins Jahr 1974: zum damaligen SVP-Nationalrat Walter Hofer und seinem «Hofer-Club», der sich von Anbeginn dem Kampf gegen den «Linkstrend in der SRG» – der auch in der aktuellen Kampagne thematisiert wurde – auf die Fahne geschrieben hatte. Der Dok rollt die Geschichte der SRG chronologisch auf und mit ihm die Geschichte der Kritik am Verein mit öffentlich-rechtlichem Auftrag.

Die Niederlage wird als Erfolg gefeiert

Die SRG wird nicht mit Samthandschuhen angefasst. Alle Generaldirektoren der SRG seit 1996 werden kritisch nach ihren Motiven, ihrem Verständnis des Leistungsauftrags und ihren Fehltritten befragt: Armin Walpen, der die Stellung der SRG weiter ausgebaut hat; Roger de Weck, der die Schulden zu tilgen wusste, nicht aber die Grösse des Unternehmens hinterfragte; Gilles Marchand, der sich gleich nach seinem Amtsantritt um die Zukunft des von ihm geführten Unternehmens sorgen musste. Rainer Keller, ehemaliger stellvertretender Direktor des Bakom, musste sich ebenfalls unbequemen Fragen nach der «Zementierung der Vormachtstellung der SRG» stellen – was ihn mehr als einmal in Bedrängnis brachte.

Auch die Urheber der No-Billag-Initiative werden porträtiert. Vom Zeitpunkt der Einreichung der Initiative über den Eklat mit Initiant Olivier Kessler bei der Abstimmungs-«Arena» bis zur Niederlage – die als Erfolg gefeiert wird: «Darauf, dass wir die grösste medienpolitische Diskussion anregen konnten, der man sich bisher immer verweigert hat», prostet Kessler im Film seinen Unterstützern zu.

Die Geschichte der SRG und ihrer Gegner wird in «Im Kreuzfeuer – Wie die SRG unter Druck kam» chronologisch schön aufgezeigt. Woher stammt der Unmut über das Medienhaus, welches sind die Gründe, die zur Abstimmung geführt haben, wie sehen die Protagonisten an der Spitze der SRG ihre Leistungen rückblickend?

Der Dok war eine schöne Geschichtsstunde über die Verfechter und Gegner der SRG und die Faktoren, die eine No-Billag-Initiative erst erlaubt haben. Historisch war der Dok auf jeden Fall.

Erstellt: 09.03.2018, 09:41 Uhr

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