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«Klar hat Trump verdammt noch mal gewonnen»

Jonathan Pies Analyse zur Wahl von Donald Trump ist ein Internethit. Nicht der erste: Die wütende Kunstfigur des Satirikers Tom Walker hat längst eine Fangemeinde.

«Howdy, wie geht es Washington?» Jonathan Pie betritt das Fernsehstudio unrasiert und imitiert einen amerikanischen Akzent. Es ist der Tag nach Donald Trumps Wahl zum nächsten US-Präsidenten, der Reporter Pie ist spät dran. Die Hosenträger baumeln an seinen Beinen, als er seinem Produzenten Tim antwortet: «Was? Nein, ich bin überhaupt nicht schockiert. Klar hat Trump verdammt noch mal gewonnen.»

Wer Jonathan Pie kennt, weiss, was nun kommt: eine Schimpftirade. Seit etwas mehr als einem Jahr gehören diese nämlich zu den beliebtesten Stücken britischer Politsatire. Der fiktive Reporter ist die Idee des Schauspielers und Komikers Tom Walker; er verkörpert Pie auch. Die Videos des 38-jährigen Briten werden zehntausendfach auf Facebook geteilt, millionenfach angeschaut.

Pieptöne und unendliche Wut

So auch die aktuelle US-Wahl-Analyse. Er würde zwar seine Stimme noch eher Lucifer geben als dem Demagogen Trump, lässt der Reporter Pie darin los, rechnet dann aber vor allem mit Trumps Gegnern ab: Hillary Clinton sei eine farblose Kandidatin gewesen; auch anderswo dürfe sich die Linke nicht über Populisten wundern, wenn sie keine vernünftige politische Debatte zulasse.

So redet sich Pie in Rage, und immer öfter müssen Pieptöne seine Kraftausdrücke überdecken. Währenddessen überträgt die laufende Kamera die fuchtelnden Arme des Reporters auf einen Bildschirm hinter ihm; wir sehen ein Bild im Bild im Bild, die Wut wird ins Unendliche potenziert.

Jonathan Pie tauchte erstmals im September letzten Jahres auf, kurz nach der Wahl von Jeremy Corbyn zum britischen Labour-Chef. In diesem ersten Video ärgert sich der fiktive Reporter darüber, dass sich gewisse Medien auf eine angebliche Affäre Corbyns gestürzt hatten.

«Aufgabe der Medien sollte es sein, auf fundierter Basis zu informieren», erklärt Tom Walker den Ursprung seiner Figur. «Mich ärgert, wie oft sich die britische Presse auf Lügen und Nebensächlichkeiten stürzt.»

«Das waren die verdammten Nachrichten»

Es erstaunt somit auch nicht, dass Tom Walker mit seiner Kunstfigur so erfolgreich ist; sogar über die britischen Grenzen hinaus. Tobt der Politjournalist in einer Aufnahmepause über Classe politique, Sozialabbau und Zeitungen, kommt Polit- und Medienkritik einmal von unerwarteter Seite. Der Hofberichterstatter – selbst wenn fiktiv – äussert den Frust des Volkes. Das fühlt sich befreiend an. Oder in Worten des Wut-Reporters: «Mein Name ist Jonathan Pie. Und das waren jetzt die verdammten Nachrichten.»

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