Lasst uns einen Zombie fangen

Wie viele Intrigen, Gewalt und Unzucht gabs diesmal? Tagesanzeiger.ch/Newsnet bespricht die siebte Staffel des Serienhits «Game of Thrones». Heute: Folge 5.

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SPOILER-ALARM: NUR WEITERLESEN, WENN MAN EPISODE 5 VON STAFFEL 7 GESEHEN HAT.

Was in der neusten Folge passiert ist:
Wie wollen wir die Männer nennen, die sich hinter die Mauer begeben, um einen Untoten nach King’s Landing zu verschleppen? Die glorreichen Sieben? Inglourious Basterds? Das A-Team? Es ist jedenfalls eine kühne Idee der Autoren, um nebst Schlachten und Intrigen die Spannung mit einem Hinter-den-Linien-Trupp nochmals einen Tick zu erhöhen. Denn mal abgesehen vom dreisten Vorhaben steht natürlich fest, dass nicht alle Team-Mitglieder lebend zurückkommen. Zur Erinnerung: Unterwegs sind Jon, Tormund, Gendry, Jorah, Beric Dondarrion, Thoros und der Hound. Wen erwischt es? Mein Geld liegt auf Beric Dondarrion. Und Tormund (bitte nicht!). Zum Plan an sich: idiotisch. Wieso sollte Cersei wegen eines einzelnen Zombies Frieden mit Jon und Daenerys wollen? Sie ist zu apokalyptisch unterwegs. Eher lässt sie sich mit den Untoten ein.

Auf Zombie-Jagd: Jon Snow und seine Einsatztruppe.

Ansonsten war es eine jener Folgen, wo sich die Figuren in Stellung brachten – nächste Woche dürfte es dann ordentlich Action geben. In Winterfell spann Littlefinger seine Intrige weiter; er jubelte Arya eine alte Nachricht Sansas an ihren Bruder Robb unter. Darin bezeichnet Sansa ihren Vater Ned als Verräter. Was Arya nicht weiss: Sansa hatte die Nachricht unter Druck der Lannisters verfasst.

In Oldtown platzte derweil die Bombe über Jon Snows Herkunft, bloss hörte niemand den Knall. Sam war zu beschäftigt, sich in Selbstmitleid zu suhlen. Doch wir haben es laut und klar aus Gillys Mund gehört: Jons Eltern, Rhaegar und Lyanna, hatten heimlich geheiratet. Jon ist also kein Bastard, sondern noch vor Daenerys der Thronfolger der Targaryens und somit rechtmässiger Herrscher über die sieben Königreiche. Nur weiss er es halt immer noch nicht. Das macht ihn für mich zum aussichtsreichsten Kandidaten: Als Einziger, der kein Interesse an dem Job hat, wäre er ein hübscher Endsieger. Fragt sich, ob Daenerys ahnt, dass er ein Targaryen ist? Drache Drogon tat nämlich, was Jon partout nicht vor Daenerys tun will: Er ging in die Knie. Und liess sich von Jon den Hals kraulen. Braver Drache. Daenerys warf Jon beim Abschied denn auch liebevolle Blicke nach – sehr zum Unwohlsein von Ser Jorah, der nach seiner Genesung auch in Dragonstone aufgetaucht ist.

Mögen sich: Drogon und Jon Snow.

Zuvor hatte Drogon Randall und Dickon Tarly geröstet, die beide nicht vor Daenerys das Knie beugen wollten. Wenn mich nicht alles täuscht, macht das Sam zum Oberhaupt der Tarlys und er kann sein Leben als Kacke-Entsorger in Oldtown beenden und im Familiensitz Horn Hill einchecken. Ausserdem gehört ihm das aus valyrischem Stahl gefertigte Schwert Heartsbane nun offiziell. Dieses dürfte im Endkampf gegen die White Walkers noch eine wichtige Rolle spielen.

Da lebten die Tarlys noch, inzwischen sind sie verbrannt.

Kurz ein paar Worte zu Jaime. Nachdem Bronn ihn in der letzten Episode vor Drogons Feuerstrahl gerettet hatte, verdankte er dem Söldner schon wieder sein Leben: Bronn riss ihn aus den Tiefen eines Gewässers herauf. Keine schlechte Leistung, bedenkt man das Gewicht von Jaimes Rüstung und seiner Goldprothese. Letzte Woche hatte ich an dieser Stelle spekuliert, dass Jaime nun zu Daenerys überlaufen wird. Fehlanzeige. Er lief schnurstracks zu seiner Schwester/Liebhaberin Cersei, um ihr zu berichten, dass Daenerys unschlagbar sei. Um seine Loyalität zu sichern, sagte Cersei darauf, sie sei schwanger von ihm. Klar, das könnte stimmen, die beiden hatten zwei Episoden zuvor ein Schäferstündchen, aber man denke an die alte Prophezeiung: Cersei soll drei Kinder haben, und alle drei werden sterben. Das ist bereits passiert.

Weitere Fragen und Gedanken:

  • Vielleicht habe ich etwas verpasst, aber: Ist die Mauer nicht durch einen Zauber vor White Walkers geschützt? Wie will das A-Team einen Zombie rüberschmuggeln?
  • Gendry ist zurück! In Staffel drei, also vor über vier Jahren, verschwand er auf einem Ruderboot ins offene Meer. Was jetzt seine Funktion ist? Als Bastard-Sohn von König Robert hat er keine ernst zu nehmenden Thron-Ansprüche. Vielleicht ist er der einzige Schmied, der valyrischen Stahl bearbeiten kann, was im Endkampf gegen die White Walkers nützlich wäre. Vielleicht wird er bereits in der nächsten Episode tödlich verletzt werden (und in Winterfell in den Armen Aryas sterben).

    Fertig gerudert: Bastard Gendry.

  • Verbrannte Tarlys: Hübsch, wie immer wieder angedeutet wird, dass der Apfel bei Daenerys und ihrem Vater, «Mad King» Aerys, halt doch nicht so weit vom Stamm fällt.
  • Auch angesichts des horrenden Plot-Tempos verliert die Serie ihren Humor nicht, was wir einmal mehr Tyrion zu verdanken haben. Varys: «Es ist eine versiegelte Botschaft aus dem Norden für König Jon.» – Tyrion: «Und? Was steht drin?»
  • Ist fermentierte Krabbe tatsächlich ein Aphrodisiakum?

Ekligste Gewalteskalation:
Die Patrouille in King’s Landing, der Gendry mit seinem Hammer die Gesichter einschlug.

Unflätigster Unzuchtsmoment:
Es gab keinen.

Der Winter ist ja nun offiziell hier. Aber wurden auch White Walkers gesichtet?
Ja, endlich. Bran entdeckte den Night King durch eine Schar von Raben, die der Zombie-Chef allerdings auflöste. Ein weiterer Beweis, dass die beiden telepathisch verbunden sind.

Wie gefiel Ihnen die Folge? Unten können Sie mitreden.

Alle Recaps von Staffel 7 zum Nachlesen:

-Folge 1
-Folge 2
-Folge 3
-Folge 4
-Folge 5
-Folge 6
-Folge 7


Erstellt: 15.08.2017, 13:26 Uhr

Serien-Besprechung

Tagesanzeiger.ch/Newsnet bespricht jeweils am Dienstag die neuste Folge von «Game of Thrones», die am Montagabend auf Teleclub sowie dem welschen Fernsehsender RTS läuft (und danach im RTS-Webplayer zu sehen ist).

Die US-Serie ist das TV-Ereignis schlechthin. Weltweit verfolgen Millionen jede Woche die neuste Folge der Machtkämpfe im fiktiven Königreich von Westeros. Das Erfolgsgeheimnis von «Game of Thrones» sind eine komplexe Handlung, ein hochkarätiges Schauspieler-Ensemble und überraschende Wendungen sowie politische Bezüge zur Gegenwart.

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