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Lauter Dilettanten

Der Frankfurter «Tatort» enttäuscht als Milieustudie. Immerhin lernt man, wie man den besten «falschen Hasen» hinbekommt.

Biggi besucht ihren Mann Hajo im Krankenhaus. Sie hat ihm ins Bein geschossen. Mit Absicht. Die beiden wollen ihre Versicherung betrügen, den Diebstahl von seltenen Erden vortäuschen.
Biggi besucht ihren Mann Hajo im Krankenhaus. Sie hat ihm ins Bein geschossen. Mit Absicht. Die beiden wollen ihre Versicherung betrügen, den Diebstahl von seltenen Erden vortäuschen.
HR / Bettina Müller
Das Ermittlerduo Janneke (l.) und Brix ist dem Fall auf der Spur.
Das Ermittlerduo Janneke (l.) und Brix ist dem Fall auf der Spur.
HR / Bettina Müller
Währenddessen bekunden weitere Personen Interesse an den vermeintlich gestohlenen, aber in der Tat verschwundenen seltenen Erden. Ganoven, die das grosse Geld machen wollen.
Währenddessen bekunden weitere Personen Interesse an den vermeintlich gestohlenen, aber in der Tat verschwundenen seltenen Erden. Ganoven, die das grosse Geld machen wollen.
HR / Bettina Müller
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«Ich kann doch jetzt nicht den Computer anmachen und Einschusswunden googeln», sagt die Frau im Strickpulli verzweifelt. «Kannst ja auf Privat stellen, den Browser», erwidert der an den Stuhl gefesselte Mann weinerlich. Er ist es, dem ins Bein geschossen werden soll, von der Frau im Strickpulli, seiner Frau, der Biggi. Die beiden wollen einen Überfall fingieren. Ihre Firma für Solartechnologie ist pleite. Den Angestellten wollen es die beiden nicht sagen. Trotz dieses köstlichen Einstiegs wirken manche Protagonisten dieses «Tatorts» zu überzeichnet und dilettantisch. Nicht, dass es solche Leute nicht gibt, aber man muss sie spielen können.

Wäre das gelungen, wäre noch etwas klarer geworden, dass Ermittler wohl auch im realen Leben immer wieder Welten betreten, in der sie fremd scheinen. So fremd wie Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch), als sie in vermieften Computerspielzimmern und altmodischen Wohnzimmern nach Hinweisen suchen. Überzeugend ist diese Milieustudie nicht – dafür braucht es mehr Feingefühl.

Schade, denn die Ausflüge in die Welt der «kleinen Leute», Ganoven und jenen, die es gerne werden möchten, wären interessant gewesen – insbesondere, weil die Geschichte selbst nicht genug Spannung bot. Irgendwie ergab sich die Handlung, ein Missgriff nach dem anderen, ein Hobbygangster heuert den nächsten an. Der Deal, mit dem die in der Fabrik gestohlenen seltenen Erden hätten zu Geld gemacht werden sollen, platzt. Die Versicherung will nicht zahlen. Dass der Zuschauer von Anfang an mehr wusste als die Ermittler, raubte der Handlung zusätzlichen Nervenkitzel.

Also konzentriert man sich eben auf die Figuren und deren Beziehungen. Gemeinsam andere anzulügen, schweisst zusammen; aus Liebe den Partner anzulügen, zerreisst Biggi aber eher. Dann macht sie «falschen Hasen», ein Bratengericht mit Ei in der Mitte. Biggi schwört auf Sojasauce und Anchovis als geheime Zutaten. Ihr Hajo soll ja nichts merken vom Spiel hinter seinem Rücken.

Frau Röhrich dagegen hat niemanden mehr, den sie umsorgen könnte. Ihr Mann fiel einem von Biggis Präzisionsschüssen zum Opfer. Dabei, so schrieb ihr Mann in einem Brief, wolle er einen Neuanfang wagen und den Job, der ihren gemeinsamen Alltag gefressen habe, kündigen. Er liebe sie. Immer noch, für immer. Doch Biggis Schuss war schneller.

Und zu guter Letzt noch etwas Wohlfühl-Slapstick-Humor. Der Staatsanwalt, der Ermittlerin Janneke kaum in die Augen sehen kann. Als der Kriminalfall gelöst scheint, schüttelt er ihr zum Dank die Hand, überlegt kurz und fällt ihr dann um den Hals. Kollege Brix hilft nach: «Der ist in Sie verknallt.»

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