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Leider kein Solo für Lena

Der neuste «Tatort» war quasi «The Shining» auf Deutsch. Bloss wirkte das weder richtig gruselig, noch richtig lustig.

Teambildung im Wald: Lena Odenthal und ihre Kollegen konnten ihre Auszeit nicht lange geniessen.
Teambildung im Wald: Lena Odenthal und ihre Kollegen konnten ihre Auszeit nicht lange geniessen.
SWR/Martin Furch
Humpe passte mit seiner blutüberströmten Schürze perfekt in die morbide Atmosphäre des Lorenzhofs.
Humpe passte mit seiner blutüberströmten Schürze perfekt in die morbide Atmosphäre des Lorenzhofs.
SWR/Martin Furch
Ewige Feinde: Dorfpolizist Brunner und Humpe.
Ewige Feinde: Dorfpolizist Brunner und Humpe.
SWR/Martin Furch
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Man fragt sich ja am Sonntagabend oft, ob man nun tatsächlich den Fernseher einschalten und ganze neunzig Minuten für den «Tatort» investieren soll. Diese Woche jedoch war der Fall klar: Weil die Neugier, wie sich Lena Odenthal ohne ihren nach Italien abgerauschten Kollegen Kopper anstellen würde, doch zu gross war. Leider kam es in der Folge «Waldlust» aber zu keinem Solo für die Kommissarin, die bereits 68 Fälle lösen konnte. Stattdessen musste sie mit all ihren verbliebenen Kollegen in ein heruntergekommenes Hotel zu einem Teambildungswochenende. Irgendwo im Schnee, irgendwo ohne Handyempfang.

Vieles war ärgerlich

Irgendwie gruselig war das, zumindest was die ständigen Bewohner des Gasthauses anging: ein gewisser Bert Lorenz, genannt «Humpe», der mit seinem Rauschebart hinter jeder Ecke Gespräche belauschte. Dann seine Nichte Doro Lorenz, die bisweilen ihren Kopf gegen die Wand schlug und sich so selbst verletzte. Schliesslich noch die fast scheintote Diva Lilo Viardot, die wie ein Gespenst durchs Hotel tanzte. Es war quasi «The Shining» auf Deutsch.

Das hätte gut kommen können, doch zu vieles war ärgerlich an dieser Folge: Die Tatsache, dass Regisseur Axel Ranisch versucht hatte, sowohl lustig als auch angsteinflössend zu sein – aber weder das eine, noch das andere richtig erfüllte. Da war die durchkomponierte symphonische Musik von Martina Eisenreich, die oft überdramatisch wirkte. Auch dass die Schauspieler ihre Dialoge selbst hatten entwickeln müssen, war ein Schwachpunkt, so spannend solche Experimente auch sein können. Es führte in diesem «Tatort» dazu, dass viele Gespräche allzu aufgesetzt daherkamen. Einzige Ausnahme: Ulrike Folkerts, welche die Rolle von Lena Odenthal noch immer glänzend ausfüllt.

Ein überraschender Mörder

Es gab neben der Kommissarin noch andere erfreuliche Aspekte: Die erste Sitzung beim Teamcoach Simon Fröhlich, die ein wenig an eine Gruppentherapie in der Psychiatrie erinnerte; sie hatte Witz und war damit die Ausnahme, welche die Regel bestätigt. Oder da waren die letzten 20 Minuten, die mit dem Dorfpolizisten Jörn Brunner einen überraschenden Mörder zutage brachten.

Ja, und ganz am Ende hatte man als Zuschauer ein wenig den Bammel, ob Lena Odenthal die Schüsse überleben würde, die Humpe auf sie abgegeben hatte. Das blieb nämlich bis zur allerletzten Kameraeinstellung offen. Dass wir sie wohl bald in ihrem 70. Tatort wiedersehen, liess aufatmen.

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