«Man hat mir überhaupt keinen konkreten Grund genannt»

Das SRF setzt die Talkshow «Schawinski» ab. Hier äussert sich der Moderator zu der Entscheidung.

Radiopionier und TV-Moderator Roger Schawinski verliert seine Sendung bei SRF.

Radiopionier und TV-Moderator Roger Schawinski verliert seine Sendung bei SRF.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie erstaunt sind Sie über den Entscheid, «Schawinski» abzusetzen?
Es gab schon seit längerer Zeit Gespräche.

Welche Pläne haben Sie selber für die Sendung gehabt? Beziehungsweise: Wie lange hätten Sie noch weitergemacht?
Es gab für mich drei Szenarien: Ich hätte aufgehört, wenn ich während jeder Sendung nicht mehr alle Daten oder Namen sofort präsent gehabt hätte. Oder wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass da ein schwerfälliger Bappeli vor der Kamera sitzt. Oder wenn die Direktion das Gefühl hat, es sei genug. Nun ist Szenario 3 eingetreten.

Wann hat man Sie informiert?
Das letzte Gespräch fand diese Woche mit Nathalie Wappler statt.

Der offizielle Grund lautet «Sparen». Doch «Schawinski» ist mit ca. 15'000 Franken Produktionskosten günstig. Hat man Ihnen noch andere Gründe genannt?
Man hat mir überhaupt keinen konkreten Grund genannt, obwohl ich mehrfach nachgefragt habe.

Ich frage das auch, weil Sie immer wieder in der Kritik standen: Zu wenig Frauen in der Sendung. Sowie das Interview mit Salomé Balthus, wo Ihnen Sexismus vorgeworfen wurde.
Das war nie ein Thema.

Umfrage

Was sagen Sie dazu, dass Roger Schawinski seinen Sendeplatz auf SRF verliert?





Bei Balthus kam auch Kritik von linker Seite. Wie erklären Sie sich das?
Es gibt nur zwei Formen der Kritik an meiner Sendung: Entweder sei ich bei einem Gast zu hart oder zu mild. Und diese Einschätzung erfolgte jeweils nach dem persönlichen politischen Standort.

Das SRF ist spätestens seit No Billag vorsichtiger geworden, was politische Meinungen von Journalisten angeht. Könnte es sein, dass Ihre offen dargelegten Anschauungen dem Sender ein Dorn im Auge sind?
Das wurde mir so nie kommuniziert.

Wurde die Quote beanstandet?
Nie. Auf diesem sehr schwierigen Sendeplatz nach dem Spartenprogramm «Eco», das in den letzten Jahren einiges an Quote verloren hat, und nach einem langen Werbeblock kurz vor 23 Uhr, holte ich ansprechende Quoten. Wobei ich meine Gäste nicht nur nach Quotengesichtspunkten ausgewählt habe.

Sehen Sie jemanden, der eine neue Talkshow übernehmen könnte?
Dies ist nun wirklich nicht meine Aufgabe.

Wars das mit Fernsehen für Roger Schawinski?
«It Ain’t Over ’til It’s Over» ist einer meiner Lieblingssongs von Lenny Kravitz.

Was war Ihr Highlight in acht Jahren «Schawinski»?
Jede Sendung ist eine Premiere und damit ein Highlight. Und in über acht Jahren ist noch keine einzige ausgefallen.

Und welches war die denkwürdigste Sendung?
Da habe ich leider eine vollkommene Amnesie. Sorry!

Erstellt: 27.09.2019, 14:24 Uhr

Artikel zum Thema

Aus Spargründen: SRF setzt «Schawinski» ab

Das Schweizer Fernsehen baut das Spätprogramm am Montagabend um. Roger Schawinski und Reto Lipp verlieren ihren Sendeplatz. Mehr...

Schawinski hat Menschenwürde von Balthus verletzt

Der SRF-Talker wird vom Ombudsmann für die Sendung mit der Edel-Prostituierten gerügt. Diese reagiert dankbar auf den Schlussbericht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...