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Maulkorb für Schweizer TV-Schauspieler

Kritischen Schauspielern der neuen Ärzte-Serie «Tag und Nacht» droht das Schweizer Fernsehen mit drastischen Strafen. Das geht zu weit, finden Gewerkschafter.

«Ingrid Deltenre hat unsere geliebte Soap sterben lassen. Das war Mord. Jetzt muss sie weg, die Mörderin.» Mit diesem krassen Worten kommentierte «Lüthi & Blanc»-Darsteller Hans Schenker in der Öffentlichkeit die Absetzung der erfolgreichen Schoggi-Soap. Der Schauspieler hat mit seiner Abrechnung, die er später zwischen zwei Buchdeckel packte, im Herbst 2006 in der Führungsetage des Schweizer Fernsehens beträchtlichen Unmut ausgelöst.

Doch nicht nur das: Offenbar hat SF-Direktorin Ingrid Deltenre vorgesorgt, dass bei der neuen Ärzte-Soap, die am 5. September auf SF 1 startet, nicht noch einmal ein ähnliches Kommunikationsdebakel passieren kann. Die Mittel sind drastisch: Alle Mitarbeiter der neuen Ärzte-Soap «Tag und Nacht» müssen sich vertraglich verpflichten, sich weder über die TV-Serie, noch «in irgendeiner Art negativ in der Öffentlichkeit» über das Fernsehen, über Entscheide und beteiligte Personen zu äussern. Wer die Regelung verletzt, dem drohen drastische Sanktionen: Die Konventionalstrafe beträgt 10'000 Franken – ausdrücklich vorbehalten ist auch eine Strafanzeige, wie die «SonntagsZeitung» berichtete.

Gewerkschaften sprechen von «Maulkorb»

Kein Verständnis für diese «Lex Schenker« zeigt man beim Syndikat Film und Video SSFV, einer Schauspieler-Gewerkschaft, der mit Gilles Tschudi just eine der stärksten Figuren von «Lüthi & Blanc» als Präsident vorsteht. «Das Schweizer Fernsehen geht mit dieser Klausel zu weit. Es ist nicht angebracht, Arbeitnehmern zu verbieten, sich über ihr Arbeitsverhältnis kritisch zu äussern», erklärt Karin Vollrath auf Anfrage von Redaktion Tamedia . Sie ist der Ansicht, dass die Klausel einem Maulkorb gleich kommt: «Für die Schauspieler ist es so kaum mehr möglich, an die Öffentlichkeit zu treten, wenn die Dinge für sie schlecht laufen.»

Für viele klingt dies, als ob das Schweizer Fernsehen noch vor Drehbeginn mit Unmut von Seiten der Mitarbeitenden gerechnet hat. Die Akteure stehen bei der Produktion unter enormem Zeit- und Spardruck: Pro Drehtag müssen zwölf Produktionsminuten im Kasten sein. Zum Vergleich: Bei einer Spielfilmproduktion sind es bloss zweieinhalb bis drei Minuten pro Tag. Kein Wunder bewegen sich viele Beteiligte an der Grenze zur Erschöpfung.

SF erwartet Loyalität

Das Schweizer Fernsehen mag an der Klausel, welche die Akteure zur Verschwiegenheit zwingt, nichts Ungewöhnliches erkennen. «Wir erwarten wie jede andere Firma auch eine gewisse Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber», erklärt SF-Sprecher David Affentranger auf Anfrage. Widerstand der Mitwirkenden habe es denn auch keinen gegeben. «Die meisten Beteiligten sind international tätig. Dort ist das schon seit längerer Zeit Standard.»

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