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Mit den Zebras in den Tod zockeln

Im neuen Münchner «Tatort» macht Markus Imboden mit märchenhaften Bildern ein blutiges Trauma-Tamtam.

So unwirklich schön kanns im «Tatort» sein! Anmutig schreiten da Zebras in Zeitlupe durch die Nacht wie Geschöpfe von einem andern Stern, und im Off summt ein Kind zum Klingklang einer Spieluhr ein sanftes Wiegenlied. Das ans Herz rührende akustische Leitmotiv von «Einmal wirklich sterben» hat der Münchner Martin Probst komponiert; sein Töchterchen säuselte es in den Film hinein, und nun läuft 77 hinreissende Sekunden lang das bedeutungs-hochschwangere Zaubermärchen aus Münchens Tierpark Hellabrunn. Klar, dass ein Kollaps folgen muss.

Mit dieser Vision also startet der 60-jährige Schweizer Regisseur Markus Imboden («Der Verdingbub», «Am Hang») – der sich im Krimifach mit «Mörder auf Amrun» einen Namen gemacht hat – seinen zweiten «Tatort»; über den ersten, den Auftakt mit Stefan Gubser als Kommissar, decken wir den Mantel des Schweigens. «Einmal wirklich sterben» jedenfalls erzählt, dass es wenigstens unter den Tieren das Böse nicht gibt. Nein, böse, weil verzweifelt und überfordert, sind die Menschen draussen, in dem Dschungel, den wir urbane Zivilisation nennen, und in dem wir uns kaputtkämpfen.

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