Mona im Abseits?

«Vorbereitet auf nichts, bereit für alles» – darf man nach diesem Motto auch eine Psychiatrie besuchen? Die neue SRF-Staffel von «Mona mittendrin» wirft diese Frage auf.

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Die Hintergrundmusik wird angepasst, eher Moll, aber nicht zu trist, nicht zu laut. Schnell kommt Vetsch ins Gespräch. Christian, ein Herr mittleren Alters, erzählt ihr über seine Depression. Am Mittagstisch beginnt eine Frau zu weinen. Sie ist unkenntlich gemacht, viele andere auch. Später beruhigt Vetsch eine ältere Patientin, die Angst hat; man hört die Frau schluchzen, Vetsch nimmt ihre Hand, atmet mit ihr tief ein und aus. Wir sind bei «Mona mittendrin», diesmal mittendrin in der Psychiatrie.

In «Mona mittendrin» besucht die Moderatorin den Alltag anderer, zeigt eine unbekannte Schweiz. In der letzten Staffel besuchte sie Süchtige in der Gassenküche und Kinder auf der Krebsstation, versuchte sich als Erntehelferin und ging mit Gehörlosen zur Schule. In der aktuellen Staffel auf dem Programm: Rekrutenschule, DJ Bobo, Psychiatrie, Paraplegikerzentrum.

Es mutet etwas seltsam an, wenn Vetsch aufgeweckt aus einer schwarzen Box den Hinweis zieht, wohin es in der aktuellen Folge geht – und dann am Ziel feststellt, wo sie gelandet ist. «Ui nei», sagt sie denn auch, als sie das Schild der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern sieht.

Grenzerfahrung oder Themen der Betroffenen?

Vieles könne nicht gezeigt werden, erklärt Vetsch aus dem Off. Menschen, die verzweifelt um Hilfe schreien, Angehörige, die überfordert seien. Das Format scheint an Grenzen zu stossen.

Auch die Moderatorin komme immer wieder an ihre Grenzen, hiess es in einer Mitteilung von SRF zur aktuellen Staffel. Es stellt sich auch die Frage, was die Sendung erreichen möchte: Eine SRF-Persönlichkeit herausfordern oder den verborgenen Alltag anderer zeigen? Geht das beides zusammen, auch in einer Psychiatrie? Und hätte man dann, wenn man hingeht, von der Psychiatrie konsequenterweise mehr zeigen müssen?

«Es gibt keinen richtigen oder falschen Ort»

Bei «Mona mittendrin» gebe es keinen richtigen oder falschen Ort, antwortet Samuel Bürgler, Produzent der aktuellen Staffel, auf Anfrage. «Mona mittendrin» zeige das ganze Spektrum von Schweizer Realitäten. Ziel sei es, wirklich mittendrin zu sein. Gleichzeitig sei dies ein punktuelles Eintauchen in einen Alltag und keine umfassende Abhandlung einer Institution oder eines Milieus. Die Rückmeldungen der porträtierten Personen seien bis anhin positiv gewesen, so Bürgler und Moderatorin Mona Vetsch, gerade auch bei «schweren» Themen, etwa der Sendung von der Kinderkrebsstation, aus der Gassenküche oder vom Friedhof. «Die Protagonisten finden, dass ihr Alltag in der Sendung sehr authentisch abgebildet wird», so Bürgler. «Wenn wir dazu beitragen, dass Berührungsängste abgebaut werden und man auch über die Schattenseiten des Lebens offen sprechen kann, dann freut mich das sehr», so Vetsch.

Es liegt denn auch eher nicht an der Moderatorin selbst, dass die Sendung doch ein etwas flaues Gefühl hinterlässt. Denn Vetsch geht offen und mit viel Empathie auf die Protagonisten zu. Sie trifft Menschen, die man selbst vielleicht nie getroffen hätte, und fragt sie, was man sich selbst nicht zu fragen getraut hätte. Sie selbst ist überzeugt, dass die Menschen, denen sie begegnet, und auch die Zuschauer spüren würden, dass ihr Interesse echt sei. «Man muss kein ernstes Gesicht machen, um Menschen ernst zu nehmen», findet sie. Bürgler ist überzeugt, dass sich Vetsch nicht auf eine Frohnatur reduzieren lasse. Die Moderatorin werde vielseitig wahrgenommen – «mal einfühlsam, mal fadegrad, mal berührend» und agiere mit viel Feingefühl.

Es bleibt die Frage, ob ein Besuch in einer Psychiatrie im selben Format erscheinen sollte wie einer bei DJ Bobo und seiner Bühnenshow.

Trailer zur dritten Staffel von «Mona mittendrin». Quelle: SRF

Mehr Informationen zur Sendung finden Sie hier.

Die Folgen der neuesten Staffel finden Sie hier. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.04.2019, 21:15 Uhr

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