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Morden mit dem Mundschutz?

Der Berliner «Tatort» fällt vor allem aus einem Grund aus der Reihe: «Dein Name sei Harbinger» hatte ein komplett überladenes Drehbuch - und war teilweise sogar absurd.

In der Berliner Folge kommt Kommissar Karow, der Kollege von Nina Rubin fast ums Leben.
In der Berliner Folge kommt Kommissar Karow, der Kollege von Nina Rubin fast ums Leben.

Eigentlich hätte es ein schöner Sonntagabend-Krimi werden können: Die Anfangssequenz, mit schroffem Schlagzeugsound unterlegt, war erfrischend rasant. Man freute sich auf die wunderbar quere Meret Becker als Ermittlerin Nina Rubin, die zurzeit ziemlich Zoff mit ihrem Sohn hat – eine vielversprechende Sideline. Und auch die Berliner U-Bahn, gewissermassen als Parallelwelt, und der darin als Schlüsselservice-Betreiber arbeitende Einzelgänger Harbinger verhiessen atmosphärische Dichte und zogen den Zuschauer sofort in ihren Bann.

War besagter Harbinger, der seltsam zu Lächeln pflegte, der Mörder jener Person, die man verkohlt und unkenntlich in einem ausgebrannten Lastwagen gefunden hatte? «Ihr beide seid echt ein Magnet für Horror-Leichen», spöttelte der Spurensicherer gegenüber Rubin und ihrem Kollegen Karow. «Ich lass mich zur Verkehrswacht versetzen.»

Sogar die Grusel-«Tatorte» waren realer

Gut achtzig Minuten später war beim Zuschauer aber nicht mehr viel von der anfänglichen Freude am Krimi vorhanden: Spätestens da war nämlich klar, dass man es bei dieser von Michael Comtesse und Matthias Tuchmann geschriebenen Folge wohl mit dem thematisch überladendsten Drehbuch seit Monaten zu tun hatte. Sogar die jüngst so heftig diskutierten Gruselfilm-«Tatorte» waren realer.

Die Schlussszene von «Dein Name sei Harbinger» spricht diesbezüglich Bände: Kommisarsanwärterin Anna Feil (Carolyn Genzkow) teilte ihrer genetischen Mutter mit, dass deren Gattin gestorben sei; währenddessen Karow vom Sohn der beiden Frauen mit Benzin übergossen und fast angezündet wurde – wäre da nicht Harbinger vom Schlüsseldienst, der den Kommissar rettete… Zu kompliziert? In der Tat. Auch wenn man einen TV-Krimi nicht nach Realitätsnähe beurteilen will, war das zu viel des Guten.

Es ging, um die ganze Komplexität des Plots zu zeigen, ja eigentlich um In-Vitro-Fertilisation. Und darum, wie man einen psychisch labilen Menschen (der sich manche Begegnungen nur einbildet) instrumentalisiert, wenn man als Serienmörder alle seine Geschwister um die Ecke bringen will. Hä?

Die Geschichte um Nina Rubins Sohn verläuft im Sand

Und als ob diese ganze Geschichte nicht schon genug schräg gewesen wäre, tauchten noch unsinnige Details am Rande auf: Wie zum Teufel kommt Regisseur Florian Baxmeyer auf die abstruse Idee, dass ein vermeintlicher Mörder, der sein Opfer mit einer Spritze voller Luft um die Ecke bringen will, dafür einen Mundschutz trägt? Wollte der tötende Arzt, Dr. Wohlleben, vielleicht verhindern, dass sich Karow erkältet? Ob der Sohnemann von Nina Rubin seine Drogengeschichten in den Griff bekommt und wie Assistentin Feil damit umgeht, dass sie ihren leiblichen Vater wohl niemals kennenlernen wird – darauf muss der Fernsehzuschauer warten, bis die Berliner ein nächstes Mal dran sind. Es könnte, so hofft man erneut, ein schöner Sonntagabendkrimi werden.

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