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«Nach 3000 Jahren ist Schluss mit dem Patriarchat»

«Was Frauen wollen, was Männer sollen», darüber debattierten gestern sechs Frauen im SRF-«Club». Sehr gesittet. Für Aufreger sorgten die Moderatorin und die Jetset-Lady.

Wer ist «der Mann»? Darauf hatte Therapeutin Caroline Fux eine klare Antwort. Quelle: SRF

Nach einem «Club» über Männer mit Männern waren gestern die Frauen an der Reihe – und man war natürlich gespannt, ob die Debatte ähnlich gehässig ablaufen würde wie jene von letzter Woche. Nein. Tat sie nicht. Man einigte sich gleich zu Beginn darauf, nicht von «dem Mann» und «der Frau» sprechen zu wollen, der Pluralität zuliebe.

Auch für die (angebliche) Krise der Männer zeigte die Runde viel Verständnis. Nach 3000 Jahren sei nun Schluss mit dem Patriarchat. Dass es da drunter und drüber gehe, sei normal, fand Theologin Ina Praetorius.

Dieses Verständnis und die Bereitschaft oder gar das Bedürfnis, neue Verhältnisse auszuhandeln, verortete Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach, zugeschaltet per Skype, in der Tatsache, dass sich Frauen schon immer stärker mit ihrer Rolle haben auseinandersetzen müssen. Männer seien historisch als Menschen definiert gewesen, wohingegen Frauen früher von den Menschenrechten ausgeschlossen gewesen seien. So seien Frauen eher gewohnt, sich in einem bestimmten Geschlecht wahrzunehmen.

Ist die Debatte um Männer alltagstauglich?

Wie die Geschlechterdebatte geführt werden soll, darüber war sich die Runde indes nicht einig. Stefanie Berger fand, man sollte den Zorn der Frauen über toxische Männlichkeit ernst nehmen. Der Gillette-Spot habe eine verständliche Botschaft an die Männer dazu: «Sei kein Arschloch.» Wie verantwortungsbewusst Männer durch die Welt gingen, könne dann jeder für sich entscheiden. Journalistin Tamara Wernli bedauert, dass eine unfreundliche Stimmung gegenüber Männern zum Trend geworden sei. Die meisten würden Frauen respektieren. Verunsicherte Männer kenne sie nicht. Sowieso: Die Leute hätten keine Zeit, sich über all das Gedanken zu machen. Sie würden arbeiten, nicht diskutieren.

So sah das auch Bäuerin Barmettler. Den «Club» von letzter Woche habe sie nicht geschaut, sie habe andere Prioritäten als Feminismus, schwach fühle sie sich nicht in einer traditionellen Rolle. Es sollte im Kleinen funktionieren in der Beziehung und der Familie. Dafür müsse man nicht in der Öffentlichkeit mit dem grossen Hammer auf den Tisch schlagen. Sowieso hätte sie gar keine Zeit, ständig darüber nachzudenken, was sie noch von ihrem Mann erwarten könnte. Es werde einfach ausgehandelt, wie es am besten funktioniert für alle.

«Schnauze Fury» hilft nicht

Genau das wiederum fand Therapeutin und Sexberaterin Caroline Fux feministisch, dass Barmettler mit ihrem Mann aushandle, wie der Alltag aussehen soll. Das zeuge von Augenhöhe. Und diese sei nötig in der Debatte zwischen Männern und Frauen, das sei nötig in der derzeitigen Verunsicherung. Das Wichtigste dabei: Zuhören. Nicht über, sondern mit Männern reden. Keine Opfer-Täter-Schemata füttern. Damit provozierte Fux Moderatorin Barbara Lüthi. Letzte Woche stellte sie die Frage, ob es zu früh sei für die Opferrolle des Mannes. Genau das – «Schnauze Fury. Du bist böse. Du hast erst mal nichts zu sagen» – vergifte die Diskussion.

Der Moment, in dem Therapeutin Fux und Moderatorin Lüthi aneinandergerieten. Quelle: SRF

Auch Männer sollten einander besser zuhören, mahnte Fux. Nicht so wie letzte Woche im «Club», als Patrick Freys schmerzliche Geschichte unterging. Die Geschichte darüber, wie er Männern zu wenig männlich war und darunter gelitten hatte.

Aus ihren Beratungen weiss Fux: Häufiger als Genderthemen beschäftigen Männer Erektionsstörungen, eine unerfüllte Sexualität oder unglückliches Singledasein. Für Fux ist die Verunsicherung der Männer Alltag – und völlig o.k. Für Ina Praetorius ist es inakzeptabel, dass diese Verunsicherung nie ans Licht der Öffentlichkeit komme.

Toxische Frauen

Die Frauenrunde selbst gab sich sehr selbstkritisch. Die Unsicherheit der Frauen sei ein Motor dafür, dass sie sich in traditionelle Muster flüchten würden. Frauen würden auch selbst an der Frauenverachtung mitwirken, auch Feminismus könne toxisch sein.

Toxisch waren auch die Voten von Jetsetterin und Unternehmerin Vera Dillier. Wie man es in den Wald rufe, komme es zurück. Sie habe es immer gut gehabt mit Männern. Nur einmal, im Libanon, habe sie ein Mann zu vergewaltigen versucht. Das habe sie nicht zugelassen. «Gewalt von Männern kann mir nicht passieren.» Sie habe als Kind immer ihren Bruder abgeschlagen. Später habe sie das machoide Geschäften den Männern abgeschaut und sei so im Leben vorwärtsgekommen.

Vera Dillier sagte, toxische Männer könnten ihr nicht nahe kommen. Wenn es darauf ankomme, sei sie aggressiver als Männer. Quelle: SRF

Dilliers Auftreten wirkte brachial im Vergleich zum Rest der Runde. Ihre gefährliche Aussage über Gewalt an Frauen blieb verhältnismässig wenig kommentiert. Da hätte man sich mehr Einsprache gewünscht. Diese erfolgte immerhin auf Twitter, in Form zahlreicher empörter Kommentare, unter anderem von Jolanda Spiess-Hegglin, «Vera, es längt!»

Alles ist gewünscht, alles soll möglich sein

Immerhin ermahnte Praetorius die Runde regelmässig, dass sich Frauen viele ihrer heutigen Freiheiten hart haben erkämpfen müssen. Und trotz Fortschritten solle sich Barmettler nicht in falscher Sicherheit wiegen. Was, wenn ihre Ehe nicht mehr hält? Gerade Bäuerinnen stehen nach einer Scheidung mit leeren Händen da. Barmettler schien verwundert über diese Ansichten, brachte dies auch zum Ausdruck, selbstverständlich ohne Anschnauzen oder Drohung, den «Club» zu verlassen – was bei der Männerrunde vor einer Woche passierte.

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