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Pizza Endstazione

Die fussballerische Deutschland-Häme ist zurück. Oder war sie gar nie weg?

Immer wieder lustig: Dieser Viral-Scherz kursierte bereits nach dem Ausscheiden der Deutschen gegen Italien an der EM 2012 und der Niederlage gegen Frankreich 2016.
Immer wieder lustig: Dieser Viral-Scherz kursierte bereits nach dem Ausscheiden der Deutschen gegen Italien an der EM 2012 und der Niederlage gegen Frankreich 2016.

Nach dem WM-Aus der Deutschen flutete Häme die Facebook-Timelines und auf Whatsapp überboten sich die Leute mit Bildmontagen und Gifs. Das Bizarre: Die meisten dieser Montagen stammen aus Deutschland. Es gibt wohl kaum ein anderes Land, wo die eigene Mannschaft nach einer solchen Niederlage dermassen zerfleischt wird, dass es an Masochismus grenzt. Wohl nicht zufällig existiert das Wort «Schadenfreude» nur im Deutschen – was die «Sun» genüsslich aufnahm:

Wobei wir beim eigentlichen Thema sind: Die internationale Häme gegenüber den verlierenden Deutschen. Ich kriegte dies gestern live mit, als ich zwei WM-Bars passierte. Die Leute feierten das deutsche Aus. Nicht mit den Armen in der Luft, aber mit einem glücklichen Grinsen. Ein Freund berichtete gar, dass die Passagiere in einem Zürcher Bus, in dem er war, als Deutschland rausflog, in kollektiven Jubel ausbrachen.

Erklärungen sind schnell zur Hand:

  • Südkorea ist ein klassischer Underdog, vielleicht galt der Jubel ja ihnen?
  • Die Leute sehen einen Titelverteidiger gerne stolpern
  • Deutschland ist der Nachbar der Schweiz, da besteht eine natürliche Rivalität
  • Deutschland ist der grosse Nachbar der Schweiz, da besteht ein Minderwertigkeitskomplex

Mag alles zutreffen. Wahrscheinlich liegt dem Jubel eine Mischung aus diesen Faktoren zugrunde. Bloss: Hatten wir die Deutschen-Häme nicht überwunden? Spätestens mit dem «Sommermärchen» an der WM in Deutschland 2006 streiften die Deutschen das Image des verkniffenen Teutonen-Kickers ab. Sie spielten modern und feierten wie Brasilianer. Als das Land dann vor vier Jahren Weltmeister wurde, zogen sich auch Schweizer Kinder Deutschland-Trikots an – ein Verhalten, für das man im Jahr 1982 noch gemobbt wurde.

Handelt es sich also vielleicht um einen Generationen-Gap? War die Häme bei der Ü-40-Generation gar nie weg, sondern nur gut kaschiert? Ist das Bild des faustenden Harald Schuhmacher nicht auszuradieren? Anders gefragt: Was fühlten die Jüngeren gestern, als Deutschland rausflog?

Wie auch immer: Es gibt nicht viel Niedereres als Häme gegenüber einem Verlierer. Aber Schadenfreude ist nicht nur ein deutsches Wort – sondern auch in der Mundart geläufig. Und sie fühlt sich halt schon saugut an.

Und jetzt Hand aufs Herz, wie erging es Ihnen?

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