Problemfall Apu

Der Komiker Hari Kondabolu ist Fan der «Simpsons». Dennoch drehte er einen kritischen Dokumentarfilm über die Serie: 28 Jahre Inder-Klischees des Apu reichten ihm.

Der Trailer zu «The Problem With Apu».


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Als Hari Kondabolu neun Jahre alt war, fand er die Zeichentrickserie «The Simpsons» toll. Vor allem die Figur des Ladenbesitzers Apu Nahasapeemapetilon. Kondabolu wuchs als Sohn von indischen Einwanderern im New Yorker Stadtteil Queens auf. Damals, im Amerika der frühen 90er, war Apu die einzige prominente indische Figur in den Medien. Und Apu war ja irgendwie liebenswürdig: die abgelaufenen Hotdog-Würstchen, «Thank you, come again!» und «Hello, Mr Homer!».

Heute ist Hari Kondabolu 35-jährig und erfolgreicher Komiker und Autor. Die «Simpsons» mag er immer noch, Apu Nahasapeemapetilon nicht mehr so. Deshalb hat Kondabolu «The Problem With Apu» gedreht. Der Dokumentarfilm lief letztes Wochenende im US-Fernsehen und wird seither in den Feuilletons des angelsächsischen Raums rege diskutiert.

Unterwürfig, verschlagen und albern

In «The Problem With Apu» geht Kondabolu der Frage nach, welche Auswirkungen die stereotype Figur des Ladenbesitzers Apu auf eine ganze Generation indischstämmiger Amerikanerinnen und Amerikaner hatte. Dafür zehrt Kondabolu von Erfahrungen aus seiner Jugend, spricht mit Kolleginnen und Kollegen wie Aziz Ansari («Parks and Recreation»), Aparna Nancherla («Inside with Amy Schumer») und Kal Penn («How I Met Your Mother»).

Was Kondabolus Film deutlich macht: Ja, die Macher der «Simpsons» arbeiteten schon immer gerne mit Stereotypen – egal ob Franzosen, Schweizer oder Schotten. Nur hatte die Serie mit Apu nicht nur lange das Monopol auf die Darstellung eines Inders, sie lieferte auch ein Indien-Klischee, das wenig erstrebenswert war. Die «Simpsons»-Macher zeichneten Apu als unterwürfig, verschlagen und albern; als einen, der bis zum Umfallen arbeitet, zwangsverheiratet ist, acht Kinder hat. Und der natürlich in einem vermeintlich indischen Singsang spricht.

Welche Auswirkungen Apu auf die südasiatische Community in den USA hatte, beschreibt Hari Kondabolu so: «Ein weisser Typ schuf diesen klischierten indischen Akzent, ein Raum voller weisser Serienautoren lachte über den Akzent, und als Resultat wurde ich auf dem Schulhof mit Apus klischiertem Akzent gehänselt.»

Kondabolus Kolleginnen und Kollegen ging es nicht anders: Jede und jeder von ihnen wurde schon an einem Casting gebeten, «wie Apu zu sprechen»; jede und jeder von ihnen musste kämpfen, um ihre Karrieren an Rollentypen wie «Ladenbesitzer» oder «Taxifahrer» vorbeizumanövrieren. Aziz Ansari thematisierte die Reduktion auf einen Akzent gar in der Episode «Indians on TV» seiner preisgekrönten Netflix-Serie «Master of None».

Mehr Diversität in Hollywood

Ihm gehe es nicht darum, Apu vom Bildschirm zu verbannen, betont Hari Kondabolu in «The Problem With Apu». Aber es sei höchste Zeit, dass in Hollywood über Diversität gesprochen werde – auf der Leinwand und vor allem in den Autorenzimmern.

Kondabolus Kritik an den «Simpsons» kommt zu einer Zeit, in der Fans und Kommentatoren generell die Qualität der Serie monieren. Derzeit läuft die 29. Staffel, die Geschichten lassen in den Augen vieler längst zu wünschen übrig. Auch wirken viele der Figuren mittlerweile nicht mehr zeitgemäss: Marge ist auf ewig die nörgelnde Spassbremse, Homer wirkt wie ein Affront für jeden modernen Mann, die kontinuierlich ignorierte Lisa muss eine Beleidigung sein für jede gut ausgebildete Frau.

Die Macher von «The Simpsons» unterzeichneten unlängst den Vertrag für die 30. Staffel. Ob danach fertig ist, bleibt derzeit offen. Vielleicht wäre es besser, sonst mag sie plötzlich niemand mehr, die «Simpsons».

Erstellt: 22.11.2017, 16:56 Uhr

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