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«Schlabberlook, Pfadigurt: Das geht nicht»

René Hildbrand greift eine weitere SRF-Moderatorin an. Ists Sexismus? Der TV-Kritiker nimmt Stellung.

Was haben Sie gegen die Moderatorin Kathrin Winzenried?

Ich habe überhaupt nichts gegen Frau Winzenried als Person. Aber man kann am TV nicht so daherkommen. Schlabberlook, Pfadigurt: Das geht nicht. Das gebietet der Respekt gegenüber dem Publikum und den Gesprächsgästen im Studio. Ausserdem sollte gerade Frau Winzenried als Moderatorin eines Konsumentenschutz-Magazins wissen, wo und unter welchen Bedingungen solche billigen Leibchen genäht werden.

Wer ist eine gut angezogene Moderatorin?

Das sind die meisten beim SRF, Patrizia Laeri oder Cornelia Boesch zum Beispiel. Aber auch die Moderatorinnen der Regionalsender sind besser angezogen als Frau Winzenried.

Ist die Style-Kritik eine bewusste Polemik-Strategie von Ihnen oder von Ihrem Chef Matthias Ackeret?

Überhaupt nicht. Ich mache nur, was ich seit 40 Jahren mache. Vielleicht sind sich die Leute diese Art von TV-Kritiken nicht mehr gewohnt.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als TV-Kritiker?

Ich sitze nicht mit gespitztem Bleistift vor dem Fernseher und konzentriere mich auf das, was journalistisch falsch läuft. Ich verschriftliche die Gedanken, die der Durchschnittszuschauer hat.

Gehören modische Beurteilungen zu den Aufgaben eines TV-Kritikers?

TV ist ein Bildmedium. Da gehören solche Betrachtungen dazu. Nicht umsonst haben die Sender Style-Berater. Zufällig war gestern ein befreundeter ZDF-Journalist bei mir zu Gast. Er bestätigte mir, dass ein solches Outfit bei seinem Sender ein No-go ist.

Allerdings werden nun Sexismus-Vorwürfe laut: Sie würden Frauen auf ihr Äusseres reduzieren.

Das sind billige Vorwürfe. Wo waren diese Leute, als Christa Rigozzi wegen ihrer «Arena»-Einsätze vorverurteilt wurde? Über mich kann man Güllenwägen ausleeren. Das ist mir egal. Aber wenn mir jemand Sexismus vorwirft, mag mich das. Ich bin überhaupt kein Sexist. Aber ich bin einer, der klare Worte braucht. Wären Ueli Schmezer oder Franz Fischlin so schlecht angezogen, würde ich dasselbe schreiben.

Unlängst rügten sie SRF-Moderatorin Bettina Bestgen wegen ihrer Tattoos. Sind solche im Jahr 2017 nicht die Norm?

Ich habe überhaupt nichts gegen Tattoos. Mir gefällt der tätowierte Indianer von Frau Bestgen sogar. Aber bei einem Bundesrat-Interview sollte man die abdecken. Bankarbeiter, die Kundenkontakt haben, müssen das auch. Eine Migroskassiererin beschied mir dasselbe. Es ist aber schon unglaublich, was diese TV-Kritik ausgelöst hat. Zur gleichen Zeit ereigneten sich die Giftgasattacken in Syrien, aber die Leute diskutierten lieber über ein solches Detail. Offenbar stürzen sich die Menschen in unseren komplexen Zeiten auf etwas, zu dem sie eine klare Meinung haben.

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