Kritik an SRG-Berichterstattung

Das Programm der SRG beinhaltet gemäss einer Studie deutlich weniger politische Themen verglichen mit deutschen öffentlich-rechtlichen Sendern. Die SRG wehrt sich.

Die öffentlichen Anbieter der Schweiz müssen mit weniger Budget auskommen als die deutschen Nachbarn: Der Kontrollraum der SRG während der Berichterstattung zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. (3.August 2016)

Die öffentlichen Anbieter der Schweiz müssen mit weniger Budget auskommen als die deutschen Nachbarn: Der Kontrollraum der SRG während der Berichterstattung zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. (3.August 2016) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Wie viel Politik steckt in den Beiträgen der öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiosendern in Deutschland und in der Schweiz? Dieser Frage gingen Forscher der Freien Universität Berlin nach. Für ihre Studie haben sie das Programm der ersten Kanäle von SRF, RTS und RSI mit jenen der deutschen Sender ARD und ZDF verglichen.

Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, fallen die Resultate nicht zu Gunsten der SRG aus: In der Westschweiz beläuft sich der Anteil der Politikberichterstattung auf 4,5 Prozent, in der Deutschschweiz auf 8,8 Prozent und im Tessin auf 10,8 Prozent. Die deutsche ARD hingegen berichtet zu 16 Prozent über politische Inhalte, das ZDF zu 12,7 Prozent.

Ist Politik zu wenig lukrativ?

Für diese Unterschiede haben die Autoren der Studie eine Erklärung: Die wirtschaftlichen Faktoren seien ausschlaggebend. Die Produktionskosten seien hierzulande genau so hoch wie in den grösseren Märkten, der Ertrag hingegen deutlich geringer.

Deswegen würden die Schweizer Fernsehmacher eher auf «ökonomisch erfolgversprechende» Inhalte setzen wie Boulevard und Unterhaltung. Das Programm orientiere sich an den «vermeintlichen Unterhaltungserwartungen des Publikums».

«Heikler» Vergleich

Auf Anfrage der «Aargauer Zeitung» wehrt sich die SRG gegen die wenig schmeichelhaften Resultate der deutschen Hochschule. Ein 1:1-Vergleich zwischen deutschen und schweizerischen Sendeanstalten sei nicht möglich, kritisiert ein SRG-Sprecher.

TV-Programme unterschiedlicher Sprach- und Kulturkreise einander gegenüberzustellen sei «heikel». Das Fernsehverhalten und die Publikumsansprüche würden sich wesentlich unterscheiden. Ausserdem sei der Beobachtungszeitraum von einer Woche im April 2013 «eine schmale Grundlage für allgemeine Schlüsse über die politische Berichterstattung».

Als Hauptargument für die rigorosen Unterschiede nennt der Sprecher jedoch das bescheidenere Budget der SRG. Alleine die deutsche ARD verfüge umgerechnet über ein Budget von 8,4 Milliarden Franken und produziere an einem Tag bis zu zwölf Nachrichten-Sendungen. Die öffentlich-rechtlichen Sender der Schweiz hätten lediglich ein Budget von 1,6 Milliarden Franken zur Produktion von Radio- und Fernsehsendungen in vier Sprachen zur Verfügung. (kat)

Erstellt: 08.08.2016, 11:03 Uhr

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