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Seit 30 Jahren Samstagabend-Routine

Thomas Gottschalk tritt ab. Seit Jahren wird «Wetten, dass...?» als veraltet und überholt kritisiert. Doch der Entschluss zum Ende kam erst nach einer Tragödie.

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Mit dunklen Haaren 1998 während eines Sketchs mit Roman Polanski.
Mit dunklen Haaren 1998 während eines Sketchs mit Roman Polanski.
Keystone
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Seit Wochen gab es Spekulationen um die Zukunft von Thomas Gottschalk und seiner Sendung «Wetten, dass..?» nach dem Unfall eines Wettkandidaten. Am Samstagabend bei der Jubiläumssendung zum 30-jährigen Bestehen der Unterhaltungsshow in Halle kündigte er nun an, dass die Sommerausgabe auf Mallorca am 18. Juni seine letzte «Wetten, dass..?»-Show sein wird. Der 60-jährige Entertainer zog damit die Konsequenz aus dem tragischen Unfall von Samuel Koch in der Sendung am 4. Dezember vergangenen Jahres.

«Ich habe immer gesagt: Das wäre für mich das Allerschlimmste, wenn einem meiner Kandidaten in einer Livesendung etwas passiert», hatte der 60-Jährige, selbst Vater von zwei Söhnen, nach dem Sturz von Student Samuel Koch in der Sendung gesagt. Er halte es für seine Pflicht, «hier nicht weiterzuspielen, als wäre nichts passiert».

Die Entscheidung, die Show nach dem Unfall - das erste Mal in ihrer 30-jährigen Geschichte - abzubrechen, brachte Sender und Moderator allgemein Respekt ein. Die normalerweise einen Tag vor der Sendung, die zugleich den 30. Geburtstag der Show markiert, angesetzte Pressekonferenz in der Gaststadt fand dieses Mal nicht statt.

Bereits eine Woche nach dem Unfall wieder vor der Kamera

Seit 1987 präsentiert Fernsehpreisträger Gottschalk, mit einer Pause zwischen 1992 und 1994, «Wetten, dass..?». Mit kleineren Ausnahmen wie der sogenannten Buntstift-Schummel-Wette und verbalen Ausrutschern wie den «Hartz-IV-Stelzen» für Bierdosen war die Sendung Routine für den versierten Fernseh-Profi.

Dass er bereits eine Woche nach dem Unfall des dabei schwer verletzten Samuel Koch wieder für eine Sendung vor der Kamera stehen sollte, war aber auch für ihn eine Ausnahmesituation. «Das ist heute nicht Tagesordnung», hatte Gottschalk kurz vor Beginn der Aufzeichnung des ZDF-Jahresrückblicks «Menschen 2010» gesagt. «Wenn das eine Spiel- und Spassshow gewesen wäre, dann würde ich heute nicht hier stehen.» Vor der Entscheidung, die Sendung zu moderieren, «habe ich noch einmal mit Samuels Vater telefoniert, der mich darin bestärkt hat», hatte er in einem Interview berichtet.

Rücktrittsgerüchte

Bereits seit 1982 arbeitet der Wahl-Kalifornier, der zunächst eine Lehrerlaufbahn einschlug, beim ZDF. Als dessen Unterhaltungszugpferd moderiert er neben «Wetten, dass..?» auch Sendungen wie die Spendengala «Ein Herz für Kinder» oder den Jahresrückblick. Zuvor und teilweise währenddessen war der gebürtige Bayer, der in Kulmbach aufwuchs, beim Bayerischen Rundfunk im Einsatz für Radio und Fernsehen. In den 90er Jahren war er zudem Showmaster bei RTL («Gottschalk», «Late Night Show») und Sat 1 («Gottschalks Hausparty», «Gottschalk kommt»).

Immer wieder wurde Gottschalk in den vergangenen Jahren gefragt, wie lange er das ZDF-Unterhaltungsflaggschiff eigentlich noch moderieren wolle. Gerüchte über mögliche Nachfolger machten bereits die Runde. «Eine Schlagzeile nach meinem Einstieg bei 'Wetten, dass..?' war: 'Wir wollen Frank Elstner wiederhaben'», berichtete er in einem Interview 20 Jahre nach seinem Dienstantritt. Er sehe «in aller Bescheidenheit niemanden, der das, was ich mache, besser macht als ich», befand er jedoch in dem Gespräch. Und: «Die Kritiker verzweifeln noch genauso an mir wie damals, aber es ist schon die nächste Generation.»

Flappsige Sprüche

Auch bei den Zuschauern sitzt mittlerweile die nächste Generation mit vor den Bildschirmen, um sich die Familienshow anzuschauen. Gottschalks oft flappsige Sprüche - und seine zuweilen auffällige Garderobe - waren nicht jedermanns Sache. Immer noch schalten jedoch Millionen von Zuschauern bei der laut Sender «grössten Fernsehshow Europas» ein, wenn Promis aus dem In- und Ausland mit dem Moderator mit der fluffigen Lockenfrisur auf der «Wetten, dass..?»-Couch über ihren neuen Film oder ihre neue Platte plaudern.

Sein Vertrag läuft bis und wird traditionell per Handschlag verlängert. Trotz der für «Wetten, dass..?»-Verhältnisse in jüngster Vergangenheit nicht mehr so glänzenden Quoten hatten Sender und Moderator aneinander festgehalten. Gegen den Vorwurf, unter Konkurrenzdruck eine zu riskante Wette ins Programm genommen zu haben, hatten sich Gottschalk und das ZDF nach dem Unfall vehement verwahrt. Das möchte und müsse er zurückweisen, sagte der Moderator. «Wir hatten immer schon riskante Wetten, ob mit Motorrädern oder auf Skisprungschanzen.» Aber natürlich werde man jetzt überlegen müssen, ob das so bleiben könne. Dies ist geschehen - der Sender hat bereits angekündigt, keine hochsportiven Wetten mehr zu zeigen.

(dapd)

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