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«Sie sind ein Idol meiner Jugend, Herr Leuenberger»

Der gestrige «Club» widmete sich der turbulenten Weltpolitik. Roger Köppel gab den Hofnarren.

Brav hielt Roger Köppel die Hand hoch, als Urs Gredig die erste Frage in die gestrige «Club»-Runde warf. Der bekannte Unruhestifter gibt den Musterschüler? Da konnte etwas nicht stimmen. War der SVP-Nationalrat unberechenbar geworden wie die Weltpolitik, um die es in der Sendung ging? Entwarnung gab Köppel kurz darauf selber: «Ich muss jetzt schon ein bisschen gegenhalten», erwiderte er lachend auf ein Statement des Politologen Claude Longchamp, «das wird ja erwartet von mir.» Ja, weshalb eigentlich hatte das SRF den Publizisten und Politiker in diesen «Club» eingeladen? Weil er aufmerksamer Beobachter der Weltpolitik ist? Oder vielleicht doch eher, weil man auf einen Schlagabtausch mit Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger hoffte? Die wirklich wertvollen Beiträge, die kamen nämlich von den anderen Gesprächsteilnehmern. Die Politphilosophin Katja Gentinetta verortete Phänomene wie Trump, Brexit und Macron in einem Zeitalter, das aus einer Aneinanderreihung von Krisen besteht. David Bosshart vom Gottlieb Duttweiler Institut verwies immer wieder auf die Bedeutung der digitalen Revolution: Der Einfluss von Social Media und von Informationsfülle auf die Demokratie werde noch immer unterschätzt. Und Stefanie Walter, Professorin für Internationale Beziehungen, zeigte sich überzeugt, dass demokratische Abläufe in Grossbritannien und den USA noch immer regulierende Kraft besässen.

«Ah, gut. Danke»

Das alles war spannend. Und dank Roger Köppel zwischendurch so amüsant wie bizarr. Denn Köppel schien vor allem angetreten zu sein, um sich selber zu spielen. So lenkte er die Diskussion immer wieder auf die Masseneinwanderungsinitiative, sprach von «Demokratie-Zertrampelung», «linkem Staatsfernsehen», dem «wermuthschen Bizarro-Flügel der Sozialdemokraten», und war dann jeweils der Erste, der laut über die eigenen Rhetorik-Versatzstücke lachte. Vor allem zum Lachen, oder zumindest zum Schmunzeln, brachte das irgendwann auch den Rest der Runde. Sogar den gewohnt trockenen Moritz Leuenberger. «Sie sind ein Idol meiner Jugend, Herr Leuenberger», hatte Köppel auf einen Einwand des Alt-Bundesrates entgegnet. «Ah, gut. Danke», entwich es dem amüsierten Leuenberger. Ja, die Weltpolitik mag den Kompass verloren haben, Roger Köppel ist noch immer ein verlässlicher Entertainer.

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