Sie wollte nicht schwach wirken

Um Gewalt gings im «Tatort» – um subtile und brutale Gewalt.

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Beim Endspurt von «Kaputt» wirds noch mal richtig spannend. Man vergisst, wie klischiert da vorher zeitweise die heranwachsende Generation gezeichnet wurde. Die Teenie-Göre mit den eisblauen Augen, die mit ihrer alleinerziehenden, überforderten Mutter in einem tristen Hochhaus lebt, macht ihre Lehre mehr schlecht als recht und vertreibt sich die Zeit mit Räuschen, Gewaltexzessen und Drogendeals. Ihr Kumpel, der von Haus aus mehr Kohle – aber, umständehalber, nicht mehr Liebe – zur Verfügung hat, ist meist zugekokst und zieht zitternd durch Köln. Selbst der dritte im Bunde, das Mittelschichtsbübchen, hat seine Seele und die Eltern den Kontakt zu ihm verloren.

Das Buch von Rainer Butt und Christine Hartmann – die auch Regie führte – zeichnet die kaputte Jugend eher lieblos. Doch sein Blick auf die Grauzonen und dunklen Flecken des Polizeibetriebs ist dafür umso schärfer. «Polizei ist Familie», sagt Mordkommissar Schenk (Dietmar Bär), als sein langjähriger Ermittlungspartner Ballauf (Klaus Behrendt) die Homophobie eines Polizeidienststellenleiters thematisiert, die wohl etwas mit dem Fall zu tun hat. Ballauf kontert: «Nach aussen hin vielleicht. Nach innen ist sie genauso kaputt wie die meisten anderen Familien.»

Wenn die Frau ihren Mann stehen muss

Sogar noch kaputter. Als Anna Brüggemanns wunderbar unnahbar-zerbrechliche Streifenpolizistin mit ihrem schwulen Einsatzkollegen zu einer «Ruhestörung» geschickt wird, trifft sie eine falsche Entscheidung, um nicht als schwache Frau dazustehen. Resultat: Der Kollege wird brutal erschlagen, sie schwer verletzt. Und die Gewaltspirale dreht sich weiter; dass ganz am Anfang ein früherer Polizeifehler stand, ist eine der Raffinessen des Buchs.

«Kaputt» führt vor, wie frauenfeindlich und männerbündisch es auf Polizeistationen zugeht; wie subtil gewalttätig. Und Ballauf wird als Kollegensau beäugt, als er das genauer unter die Lupe nehmen will. Zugleich wird deutlich, wie viel Widerstand und gegen sie gerichtete Gewalt Polizisten tagtäglich im Job erleben. Die Regisseurin findet für die offensiv pädagogisch aufbereitete Story eine klare, wenn auch konventionelle Filmsprache. Ein «Tatort» wie eine Kölner Currywurst: solide, fett was drin. Aber kein Hochgenuss.

Erstellt: 10.06.2019, 21:48 Uhr

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