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Smoothie aus Menschenfleisch

In der Netflix-Serie «Santa Clarita Diet» wird Drew Barrymore zum Vorstadt-Zombie mit unbändiger Lust auf Sex und einem losen Mundwerk.

Kathrin Hollmer

Im Alltag von Sheila und Joel gibt es nur wenige Höhepunkte. Sie träumt von einem Range Rover, er davon, dass seine Frau wieder mit ihm schläft. Das Makler-Ehepaar führt mit der 16-jährigen Tochter in Santa Clarita, einem Vorort von Los Angeles, ein beschauliches, langweiliges Leben. Bis sich Sheila (Drew Barrymore) bei einer Wohnungsbesichtigung schwallartig erbricht und stirbt - bevor sie als lebende Tote erwacht.

Als Zombie hat sie keinen Puls, blutet zähflüssiges Blut, statt Nachbarn und Kunden wie gewohnt vollzusäuseln, sagt beziehungsweise flucht sie ihre Meinung und hat plötzlich eine unbändige Lust auf Sex und ungekochtes Fleisch. Zunächst isst sie rohes Hack und Hühnerschenkel aus der Packung, bis sie dann ihrem übergriffigen Kollegen zwei Finger abbeisst und sich danach nur noch von Menschenfleisch ernähren kann.

In ihrer ersten Serienhauptrolle ist Drew Barrymore gewohnt tollpatschig-süss und gleichzeitig derb. Wie an einem Maiskolben nagt sie an einem abgetrennten Fuss. Als sie wie Walter White und Jesse Pinkman in Breaking Bad in der Wüste die Reste ihres ersten Opfers vergraben will, verschüttet sie die Box mit einer Suppe aus Blut und Leichenteilen. Ihren Nachbarn im Kräutergarten kommentiert sie mit: «Mhhh, er würzt sich selbst.» Barrymore und Timothy Olyphant (Justified) als Joel machen Santa Clarita Diet klamaukig, manchmal trashig, aber immer sehr lustig.

Lustige Variante der «Desperate Housewives»

Besonders stark ist die Serie in ihren absurden Dialogen: «Erinnerst du dich noch an das Dinner in der Toskana? Ich denke immer daran, wie gut mir der Kellner schmecken würde», sagt Sheila einmal zu ihrem Mann. Als die beiden beschliessen, um Sheilas Hunger zu stillen, Leute zu töten, die es verdienen, stehen zur Debatte: ein junger, lediger Hitler («Oh Gott, wir wären Helden!») und die «blöde Kuh aus dem Yoga-Kurs» («Sie hat Kinder, aber die sind auch Arschlöcher»). Ihre Opfer verarbeitet sie zu Smoothies, die sie beim Walking durch einen Strohhalm zieht.

Regisseur Ruben Fleischer, nach dem Erfolg und Kritikerlob für den Kinofilm «Zombieland» Experte für untote Komödien, hat die ersten zwei Folgen von «Santa Clarita Diet» inszeniert. Wie in «Zombieland» die Untoten nur der Rahmen für eine Coming-of-Age-Geschichte waren, sind es hier Blut, Gedärm und Drew Barrymore für eine lustige Variante der «Desperate Housewives». Das Vorstadt-Setting mit weissen Garagentoren und perfekt getrimmten Rasen erinnert stark an die Hausfrauen-Serie.

In «Santa Clarita Diet» hat das Zombie-Dasein auch etwas Gutes: Sheila braucht nur noch zwei Stunden Schlaf, kann plötzlich in einem Zug rückwärts einparken und wird von den Nachbarinnen für ihre erfolgreiche Diät gelobt: Menschenfleisch-Smoothies enthalten eben ausschliesslich Proteine. Am Ende ist die Untote beinahe die einzig Lebendige unter den frustrierten Vorstadt-Zombies.

«Santa Clarita Diet», erste Staffel mit zehn Folgen bei Netflix.

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