SRF kämpft gegen den selbst verschuldeten Satirenotstand

Michael Elsener und Dominic Deville erhalten den früheren Sendeplatz von «Giacobbo/Müller». Unter Druck steht das SRF.

Die Pilotfolge von «Late Update» lief bereits auf SRF. Ab Januar 2019 gehts richtig los – auf dem Sendeplatz, der vorher «Giacobbo/Müller» gehörte. Quelle: SRF


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Endlich! Nach bald zwei Jahren hat das Schweizer Fernsehen sich durchgerungen und zwei Nachfolger für «Giacobbo/Müller» bestimmt. Und dies, nachdem man den etablierten Sendeplatz am Sonntagabend in Sachen Satire geradezu sträflich verwaisen liess. «Das Schweizer Fernsehen hat es verkackt», urteilte Viktor Giacobbo, als man ihn fragte, warum das SRF – trotz genügend Vorlauf – die Nachfolge für seine eigene Late Night vermasselt hat.

Gestern machte die SonntagsZeitung publik, dass Michael Elsener im Januar 2019 auf dem Sendeplatz von «Giacobbo/Müller» mit einem neuen Format namens «Late Update» an den Start gehen wird. Nach einer ersten Staffel wird der 32-jährige Zuger im April von Dominic Deville abgelöst, dessen Late-Night-Format bereits seit 2016 auf Sendung ist und nun vom undankbaren Freitagabend auf den Sonntag umziehen kann.

«Vom automatischen Sekundenkleber zum autokratischen Pussy-Grabber»

Die Formate von Deville und Elsener sind erprobt, haben Stärken und bringen etwas Neues ins Fernsehen hinein: Während Deville wiederholt mit hochwertigen Einspielern punkten konnte (der Prozess wegen «aktiver Roger-Federer-Missachtung» gehört zum Lustigsten, was im Schweizer Fernsehen zu sehen war), setzt Elsener in seinem Format auf sogenannte Comedy-Essays: Monologe im Stil und mit dem aufklärerischen Anspruch von John Olivers «Last Week Tonight». In der Pilotfolge seines «Late Update» beschäftigte sich Elsener in einem solchen Essay mit dem Datenhamster Facebook, der uns so gut kennt, dass wir alles kaufen, was er bewirbt – «vom automatischen Sekundenkleber bis zum autokratischen Pussy-Grabber». Ergänzt wurde dieser Monolog um einen Einspieler, in dem Elsener mit versteckter Kamera die Kunden einer Bäckerei nach Geburtsdatum, Namen der Kinder und den Nummern ihrer Kreditkarten fragte – und diese Angaben auch erhielt.

«Was ist Ihre sexuelle Orientierung?» – Michael Elsener spielt Facebook. Video: Youtube/«Late Update», SRF Comedy

Einen Bedarf, ja gar eine Notwendigkeit für politische Satire gibt es, wenn die These richtig sein sollte, dass Satire die etablierten Nachrichtensendungen nicht mehr nur ergänzt oder parodiert, sondern zusehends ersetzt, also einen Informationsauftrag erfüllt, den das SRF hat.

Berechtigt ist selbstverständlich die Befürchtung, wonach das SRF-Publikum die neuen Satireformate am Sonntagabend verschmähen wird, weil es immer nur das sehen will, was es bereits kennt: «Giacobbo/Müller» – und nichts anderes. Unter Druck stehen aber nicht die Macher von «Deville» und Elseners «Late Update», sondern das Schweizer Fernsehen: Im Entwurf zum neuen Konzessionsvertrag wird festgehalten, dass das Schweizer Fernsehen jüngere Zuschauer ansprechen muss, die man eigentlich mit einem satirischen Late-Night-Format erreichen sollte. Wie schwierig es das SRF bei jüngeren Zuschauern im Zeitalter von Netflix und anderen On-Demand-Programmen hat, wird sofort klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass selbst das Publikum der SRF-Kindersendung «Zambo» im Durchschnitt 53 Jahre alt war. Das Schweizer Fernsehen steht also unter Zugzwang – und muss nun einen langen Atem beweisen und auch die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, damit die beiden Late-Night-Sendungen am Sonntagabend ein Erfolg werden können. Sonst wird ihm der Stecker gezogen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 15.09.2018, 23:07 Uhr

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