SRF lanciert neuen Schweizer «Tatort»

Aus für Luzerner «Tatort»: SRF wechselt die Kommissare Flückiger und Ritschard aus. Neu wird in Zürich ermittelt.

Bald im Ruhestand: Stefan Gubser und Delia Meyer als Luzerner Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Schweizer Fernsehen hat sich entschieden, den Luzerner «Tatort» nach sechs Jahren zu beenden. Ab Januar 2019 verlagert SRF die Produktion mit einem neuen Team nach Zürich. Die bisherigen Kommissare, die in Luzern ermittelten, werden ausgewechselt. Welche Schauspieler die neuen Rollen übernehmen werden, ist noch nicht bestimmt. Der Schweizer «Tatort» wird wie bisher auf Schweizerdeutsch gedreht und für das Publikum in Deutschland auf hochdeutsch synchronisiert.

Mit zwei weiteren «Tatort»-Folgen, die im Verlauf des Jahres gedreht und 2019 ausgestrahlt werden, verabschieden sich die beiden bisherigen «Tatort»-Schauspieler Stefan Gubser und Delia Meyer. «Wir waren immer mit ihnen im Gespräch und haben das Vorgehen mit ihnen abgesprochen», sagt SRF-Spielfilmchef Urs Fitze.

Der Zürcher «Tatort» soll kein Langstrassen-«Tatort» à la «Strähl» werden, und auch kein «Multi-Kulti-Hipster-Tatort». Für Zürich habe man sich entschieden, weil die Stadt verschiedene Settings, urbane wie ländliche, zu bieten habe: Weltweit bekannte Institutionen wie die ETH und die Fifa, aber auch internationale Konzerne wie Google sind hier ansässig. Für Fitze war auch ausschlaggebend, dass Zürich wichtige Kulturhäuser wie das Opernhaus oder das Schauspielhaus beherbergt und über die Landesgrenzen hinaus als Partystadt gilt. Weiter spreche für den Standort Zürich, dass die Stadt in Deutschland bekannt sei und auch viele Deutsche in Zürich leben würden.

Apropos Deutschland: Die Quoten des Luzerner «Tatort» waren dort die schlechtesten aller «Tatort»-Teams. Die deutschen Folgen kommen im Schnitt auf ca. 10 Millionen Zuschauer. Der «Tatort» aus Luzern aber unterbot immer wieder die 7-Millionen-Marke. Wird die Reihe wegen schlechter Quoten erneuert? «Der Tatort ist für SRF eine Erfolgsgeschichte», sagt Fitze. «Mit unseren eigenen Folgen erreichen wir auf SRF 1 regelmässig einen Marktanteil von über 30%. Würden wir den «Tatort» wegen der Quote abbrechen, hätte der Entscheid von der ARD kommen müssen und das ist nicht der Fall.»

Umfrage

Bedauern Sie es, dass der Tatort von Luzern nach Zürich wechselt?





Auch inhaltlich gab der Luzerner «Tatort» immer wieder zu reden. Die erste Folge musste wegen qualitativer Mängel kurz vor Ausstrahlung überarbeitet werden. Kommissar Flückiger wurde von den Bodensee-«Tatorten» importiert, an seiner Seite ermittelte zuerst eine völlig unpassende Amerikanerin, die rasch verschwand und durch Liz Ritschard ersetzt wurde. Das Ganze wirkte ziemlich unüberlegt. Die Kommissare waren profillos, was nicht an den Schauspielern lag, sondern an der Figurenzeichnung. Auch nach acht Jahren wusste niemand recht, wofür sie standen. Flückiger war ein bisschen melancholisch, Ritschard ein bisschen bisexuell.


Fünf Vorschläge für einen besseren Schweizer «Tatort»
Schauplatz, möglicher Fall, Besetzung: So sähe unser Schweizer Krimi aus. SRF, übernehmen Sie! (Abo+)


Doch weil die «Tatort»-Filme nicht immer auf ein oscarverdächtiges Drehbuch zählen können und mit knappen Budgets leben müssen, ist es wichtig, dass die Hauptfiguren und ihr Hintergrund attraktiv entworfen sind. «Wir möchten in Zürich von Anfang an eine stimmige Welt kreieren, in der sich die Figuren bewegen sollen», so Fitze. Man habe in den vergangenen Jahren einiges ausprobiert und sehr unterschiedliche Filme produziert: «In Zukunft werden wir in unserem neuen «Tatort» eine klarere Handschrift pflegen und ihm nochmals eine neue Energie geben können in einer neuen Stadt und mit neuen Gesichtern.»

Man darf gespannt sein, wie das SRF den neuen «Tatort» ausrichtet. Im Netflix-Zeitalter sind die Ansprüche des Publikums an eine Krimi-Serie gestiegen. In Deutschland hat das dazu geführt, dass einige «Tatort»-Formate klamaukig oder actiongeladen daher kommen. Trotzdem hat SRF die Konzeption des neuen «Tatort» nicht öffentlich ausgeschrieben, wie der Sender es kürzlich bei der Suche nach einer neuen, modernen TV-Serie gemacht hatte (woraus «Wilder» entstanden ist). «Wir haben uns entschieden, mehrere Autoren gezielt anzugehen und haben ihnen den Auftrag erteilt, Konzepte für einen neuen Tatort zu entwerfen», so Fitze. «Aus diesen Eingaben haben wir den überzeugendsten Vorschlag ausgewählt und werden diesen nun in den kommenden Monaten weiterentwickeln.»


Retter in der Satirenot
Seit dem Ende von «Giacobbo/Müller» tut sich das Schweizer Fernsehen schwer in Sachen Late Night – obwohl es Talente wie Michael Elsener gibt. (Abo+)


Erstellt: 05.04.2018, 09:02 Uhr

Artikel zum Thema

Fünf Vorschläge für einen besseren Schweizer «Tatort»

Schauplatz, möglicher Fall, Besetzung: So sähe unser Schweizer Krimi aus. SRF, übernehmen Sie! Mehr...

Lauter Beziehungsanalphabeten

TV-Kritik Der Ostermontag-«Tatort» führte Heike Makatsch als Kommissarin nach Mainz – in einen Fall mit autistischem Teen, traumatisiertem Ermittler und totem Girlie. Too much. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...