Warum SRF den Platzsturm der Klimajugend nicht gezeigt hat

Aktivisten, die am Cupfinal den Rasen stürmten, sah man am TV nur kurz – anders als zuvor die GC-Chaoten. Sportchefin Susan Schwaller erklärt.

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Während des Cupfinals zwischen dem FC Thun und dem FC Basel stürmten sechs Jugendliche das Spielfeld. Die Botschaften der Klimaaktivisten: «No Cup on a dead Planet», «Es gibt keine Nachspielzeit» und «#EndspielErde». Auf SRF war das, was sich auf dem Platz zutrug, nur kurz zu sehen. Dann schwenkte die Kamera zur Fantribüne.

Kurz nach dem Vorfall kam in den sozialen Medien eine Debatte in Gang, ob man die Klimaaktivisten und ihre Botschaften hätte einblenden sollen – oder nicht. Einige Twitter-User waren der Meinung, dass SRF Sport einen Informationsauftrag zu erfüllen habe, und dieser beinhalte, dass man sogenannte Störaktionen nicht auslasse. SRF Sport antwortete auf Twitter, dass es anderer Meinung sei: «Solche Aktionen sind für die Durchführenden erst dadurch attraktiv, dass sie im Bild erscheinen.»

Wo liegt die Grenze zwischen informieren und den Sport Sport sein lassen? «Beide Perspektiven sind berechtigt», schreibt Susan Schwaller, Chefredaktorin von SRF Sport, auf Anfrage. Man wolle weder Chaoten noch politisch oder religiös motivierten Aktivisten, die das sportliche Geschehen stören, eine unnötig grosse Plattform bieten. Die konkrete Botschaft sei dabei unerheblich. Aus diesem Grund zeige SRF Sport Aktivisten beziehungsweise Chaoten möglichst nicht in Nahaufnahme. «Zum anderen informiert SRF Sport – stets mit der notwendigen journalistischen Distanz – auch über das relevante Geschehen abseits des Sports.» Dazu würden nebst politischen oder religiös motivierten Aktionen auch Unfälle oder Gewalt zählen.

So filmten SRF-Kameras die Jugendlichen, die fürs Klima auf den Rasen rannten. Video: Tamedia

Auf einem Video aus der Tribüne ist mehr von der Aktion zu sehen, als das TV-Publikum auf SRF zu Gesicht bekam. Video: Tamedia

Komme es zu einem Spielabbruch, folge die SRG dem Grundsatz, die TV-Zuschauenden sachgerecht über die Gründe zu informieren, so Schwaller. Während des Cupfinals, der kurzzeitig unterbrochen werden musste, informierte der Kommentator das TV-Publikum verbal darüber, dass Aktivisten mit Transparenten über den Platz rannten und dass sich die Botschaften auf den Klimastreik bezogen. «Ein wichtiges Anliegen. Aber hey, Leute, das hier ist der falsche Ort, um darauf aufmerksam zu machen.» Danach erfuhren die Zuschauenden – ebenfalls verbal –, dass die Jugendlichen von Sicherheitskräften vom Platz geführt und getragen wurden. In der Sendung «Sportpanorama», die den Sieg des FC Basel im Cupfinal thematisierte, kamen die Klimaaktivisten gar nicht vor, weder filmisch noch verbal.

Chaoten: 1 – Klimaaktivisten: 0?

Gleich mehrmals jedoch wurden die Chaoten des Spiels GC - Luzern vom 12. Mai auf SRF gezeigt. Sie provozierten einen Spielabbruch, über welchen SRF danach in der Sendung «Super League – Goool» berichtete und dazu mehrere Grossaufnahmen der «Unverbesserlichen» zeigte. Auch im Bild: Stefan N., der die Gruppe anführte und in der Vergangenheit Teil der Neonazi-Szene war. Einen Tag nach dem Spiel veröffentlichte SRF einen Onlineartikel, in dem die Chaoten erneut in Nahaufnahmen zu sehen sind, diesmal in Form von Fotos. Wie kann das sein?

Dazu schreibt Schwaller, dass die Partie vom 12. Mai kein SRG-Livespiel gewesen und deshalb nicht von der SRG produziert worden sei. Damit habe die SRG keinen Einfluss auf die produzierten Bilder gehabt. SRF Sport wähle die Bilder in seinen eigenen Gefässen jedoch selbst aus, so geschehen für die betreffenden Videos und den Onlineartikel. «Ausserdem waren die Chaoten auch in der gut fünfminütigen Spielzusammenfassung nur während weniger Sekunden in Nahaufnahme zu sehen.»

Insgesamt waren die GC-Chaoten, die das Spiel störten, rund 50 Sekunden, also fast eine Minute, zu sehen, 15 Sekunden davon in Nahaufnahmen.

Ausschlaggebend für den Umfang und die Art der Sportberichterstattung sei die sportliche Relevanz, so Schwaller. Im Falle der GC-Chaoten hätten der Spielabbruch und die damit absehbaren Sanktionen den Sport unmittelbar betroffen. Die Anliegen der Klimajugend hingegen seien sportlich nicht relevant und hätten zudem in anderen SRF-Sendungen Platz gefunden, unter anderem in der «Arena».

Erstellt: 22.05.2019, 10:29 Uhr

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